Ein ganz Großer, der nicht berühmt sein wollte

Ein ganz Großer, der nicht berühmt sein wollte
Die Welt braucht pragmatische Humanisten wie Helmut Kutin so dringend, aber er ist jetzt weg. Eine persönliche Erinnerung.

Es hatte geheißen, das wird ein kleiner Empfang in einer Schule. Aber als ich mit Helmut aus dem Auto steige, stehen fünfhundert Schüler im Hof und in den Fenstern und singen für ihn. Tanzen für ihn, behängen ihn mit bunten Schals, mich auch. Die Show dauert eine Stunde, er lacht sie alle an, sie lachen zurück. Der 70-jährige Weiße hat eine Verbindung mit den vietnamesischen Kindern. Er beugt sich zu jedem hinunter und schaut direkt in die Augen. Nebenbei schenkt er jedem Kind einen, genau einen, Luftballon.

Helmut Kutins Grundidee war: Wenn wir Kindern, die es schwer haben, Respekt und Liebe geben, werden sie die weitergeben. Und die Welt wird besser. Denn Kutin, der 27 Jahre lang das größte private Sozialwerk der Welt geleitet hat, war kein Sozialromantiker: „Man macht Frieden nicht. Frieden entsteht.“ Man kann ihn nicht anordnen, man muss stur und ordentlich dafür arbeiten.

Genauso stur, wie das Schicksal seine Weichen stellte.

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