Chronik | Österreich
24.11.2017

Dubioses Fußballspiel: Verdacht der Manipulation nicht erhärtet

Nach Vorlage des Abschlussberichts des BKA stellte die Staatsanwaltschaft Innsbruck das Verfahren ein.

Selten hat ein müdes Testspiel so viel Aufmerksamkeit erzielt wie das Fußballmatch des albanischen Meisters Futboll Klub Kukësi gegen Dynamo Moskau am 4. Juli in Tirol. Auffällig hohe Wetteinsätze und dubiose Chatverläufe nährten den schwer wiegenden Verdacht der Spielmanipulation und des Wettbetrugs.

Jetzt sind die akribischen Ermittlungen des Bundeskriminalamts ( BKA) und der Staatsanwaltschaft Innsbruck abgeschlossen. "Sämtliche Ermittlungen wurden eingestellt", sagt Anwalt Klaus Ainedter, der die albanischen Spieler und ihren Klub vertritt, zum KURIER. "Die erhobenen Anschuldigungen haben sich letztlich als völlig haltlos herausgestellt."

Die Staatsanwaltschaft Innsbruck teilte dem Anwalt wörtlich mit: "Eine bewusste Manipulation des gegenständlichen Spiels oder die Platzierung von Wetteinsetzen durch die Beschuldigten konnte anhand der vorliegenden Beweisergebnisse nicht festgestellt werden. Es besteht kein tatsächlicher Grund zur weiteren Verfolgung." Zwei Tage zuvor hatten die BKA-Ermittler ihren Abschlussbericht der Behörde vorgelegt.

Auffälligkeiten bei chinesischem Anbieter

Wie der KURIER exklusiv berichtete, mussten die Albaner bei dem Testmatch am Ende eine auffällige 0:6-Schlappe einstecken. Der Schweizer Sport- und Wettdaten-Anbieter Sportradar, der seit 2014 mit dem Bundeskriminalamt kooperiert und Spiele weltweit analysiert, ortete dubiose Wettplatzierungen in Asien auf dieses Champions-League-Testspiel. Der chinesische Wettanbieter "188bet" nahm das Match gegen Ende der Partie wegen den Auffälligkeiten sogar von der Seite. Selbst Laien fiel auf, dass die Verteidigung der Albaner grottenschlecht spielte.

Das Bundeskriminalamt verhörte daraufhin mehrere Spieler, den Trainer und Manager. Außerdem wurden die Smartphones der Verdächtigen konfisziert und insgesamt 400.000 Datensätze aus den Geräten ausgelesen. Ein Eigentor hätten sich die Beschuldigten beinahe bei den Chatverläufen geschossen. Denn in denen hätten sie von "Wir tricksen die UEFA aus" und "Wir haben’s dem Schiedsrichter gegeben" gesprochen.

Einfache Erklärung

"Es war ein Testspiel und es gab zahlreiche Auswechslungen", verteidigt Anwalt Ainedter das Resultat. "Dieser Umstand erkläre auch lebensnahe allfällige Stellungsfehler und ein teilweise laxe Abwehrverhalten, das als inkriminiertes Verhalten im Hinblick auf eine Spielmanipulation gedeutet wurde."