Gerettete Arbeiter und Einsatzkräfte beim Koralmtunnel

© /Bereichsfeuerwehrverband Deutschlandsberg

Steiermark/Kärnten
02/05/2015

Dramatische Rettungsaktion im Koralmtunnel

Tunnelbohrmaschine fing Feuer. Sieben Arbeiter saßen stundenlang im Berg fest.

von Thomas Martinz

Ein Tunnelbrand ist der Albtraum eines jeden Autofahrers und Bauarbeiters gleichermaßen. Im Koralmstollen, der künftig die Steiermark und Kärnten verbinden wird, konnte am Donnerstag eine Katastrophe verhindert werden. Nachdem eine Tunnelvortriebsmaschine Feuer gefangen hatte, waren sieben Personen vom Rauch eingeschlossen. Sie wurden in einem dramatischen Feuerwehreinsatz unverletzt geborgen.

Laut Auskunft von ÖBB-Pressesprecher Christoph Posch fing am Donnerstag um 13.15 Uhr im Tunnel eine der beiden sogenannten Tunnelvortriebsmaschinen(Maschinen, die zum Bohren des Tunnels eingesetzt werden)Feuer. Der Brand brach in etwa 14 Kilometern Tiefe an der Landesgrenze zwischen der Steiermark und Kärnten aus. "Aufgrund eines technischen Defekts begann die Trafostation zu brennen. Das Feuer hat offensichtlich auf die Vortriebsmaschine übergegriffen", teilte Posch mit.

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich insgesamt 40 Personen unter Tage, davon 28 Arbeiter unmittelbar im Gefahrenbereich. 21 konnten sich selbst ins Freie retten. Sieben Arbeiter blieben allerdings aufgrund der starken Rauchentwicklung im Tunnel eingeschlossen.

Im Rettungscontainer

Erst wurden sie in sogenannten Rettungscontainern, die in Intervallen im Tunnel installiert wurden, vermutet. Sie befanden sich allerdings auf der Tunnelvortriebsmaschine. "Diese besteht aus einem 20 Meter langen Bohrkopf und einer 100 Meter langen Nachlaufeinrichtung, die ebenfalls mit einem Rettungscontainer versehen ist. Dort haben sich die sieben Männer in Sicherheit gebracht", erklärte Posch. Und dort hätten die Arbeiter theoretisch ein paar Stunden ausharren können, weil der Container mit Sauerstoffflaschen und sämtlichen notfallmedizinischen Geräten ausgestattet sei.

Langzeit-Atemschutz

In der Zwischenzeit wurden jedoch die Helfer aus der Steiermark aktiv. Feuerwehren aus Deutschlandsberg, Lannach, Pack, Modriach, Mosskirchen und Voitsberg waren mit insgesamt 27 Mann angerückt. "Die Voitsberger drangen mit Langzeit-Atemschutzgeräten, die Einsätze bis zu vier Stunden ermöglichen, zum weit im Berg liegenden Brandherd vor", erzählte Hans Jürgen Ferlitsch von der Feuerwehr Deutschlandsberg.

Rettungsshuttle

Die Feuerwehrleute fanden schließlich jene sieben vermissten Personen im Schutzcontainer im Bereich oberhalb der Bohrmaschine. "Soweit die Leute dies im Tunnel beurteilen konnten, sind die Männer unverletzt. Gewissheit werden wir natürlich erst nach weiteren Untersuchungen haben", sagte Ferlitsch. Die Geretteten wurden mit einem Rettungsshuttle, einer Diesellok mit unfallmedizinisch ausgestattetem Mannschaftstransportwagen, aus dem Tunnel gebracht, wo sie um 15.45 Uhr erstversorgt wurden.

"Die Evakuierung klappte mustergültig", betonte Koralmtunnel-Projektleiter Gerhard Harer. "Die Selbstlöscheinrichtungen haben funktioniert, daher konnte sich der Brand nicht ausbreiten. Sachschäden können wir noch nicht beurteilen."

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Mit 250 km/h von Graz nach Klagenfurt

Die Diskussion über Sinn und Unsinn des Koralmtunnel ist etwa so alt wie die Idee dafür. Ziel der zwei 32,9 Kilometer langen Röhren ist es jedenfalls, dass die Bahn zwischen Graz und Klagenfurt nur noch 45 Minuten braucht und so etwas über eine Stunde Fahrzeit eingespart werden kann. In vermutlich acht Jahren soll der Tunnel und die Strecke rundherum ausgebaut werden. Theoretisch sind dann Geschwindigkeiten bis 250 km/h möglich, wahrscheinlich werden aber nur 230 km/h freigegeben (wie auf der Neubaustrecke in Niederösterreich).

Die beiden Röhren verlaufen in einem Abstand von rund vierzig Metern und haben alle 400 Meter eine Verbindung in sogenannten Querschlägen, die im Gefahrenfall als Fluchttunnel dienen. In der Mitte der Röhren wird eine Nothaltestelle angelegt. Der Brandschutz ist damit auf dem aktuellsten Stand der Technik. Doch selbst die kann nicht alles verhindern, wie etwa beim Feuerunfall im Tauerntunnel 1999 zu sehen war. Sechs der zwölf Opfer starben damals, weil sie trotz enormer Rauchentwicklung in ihren Fahrzeugen sitzen geblieben waren.

Das 5,4 Milliarden Euro teuere Projekt Koralmtunnel ist die Verlängerung des transeuropäischen Korridors VI und damit Teil der internationalen Achse, die von Danzig über Warschau und Wien nach Triest, Venedig und Bologna führt. Der Koralmtunnel – er soll bis 2023 fertig gestellt sein – bildet neben dem Semmering-Basistunnel das österreichische Schlüsselstück des Baltisch-Adriatischen Korridors.

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