Diplomatentochter tot: War es Mord?

Krammer-Cryde
Tänzerin (61) ertrank im Salzburger Mühlbach - nun tauchen Zweifel an ihrem Freitod auf.

"Meiner Schwester wurde mitten in der Nacht mit einem spitzen Objekt links auf den Kopf geschlagen. Dann fiel sie auf die rechte Seite, daher die Verletzung an der rechten Schläfe. Danach wurde sie gewürgt und sie ist widerstandslos – offenbar war sie bewusstlos – ertrunken. Das klingt eher wie Mord", sagt Denise Schreiber-Cryde. Bis jetzt ist sie eine der wenigen, die glauben, dass die Diplomatentochter Arlene Krammer-Cryde absichtlich getötet wurde.

Mysteriöse Hintergründe

Offiziell ist bisher von einem Selbstmord die Rede, doch vieles an dem Vorfall vom 8. Dezember 2016 in Salzburg wirkt seltsam und mysteriös. "Wer würgt sich selbst und ertränkt sich in der Nacht in einem 30 Zentimeter tiefen Bach", meint die Schwester. Auch die Obduktion der Gerichtsmedizinerin Edith Tutsch-Bauer lässt Zweifel aufkommen: "Untersuchung des Leichnams an Ersticken in Folge eines Ertrinkens auf nicht natürliche Weise" steht als Titel des Befundes. Die Verletzungen am Hals seien "für ein Ertrinken nicht typisch", ein "Fremdverschulden kann keineswegs ausgeschlossen werden." Auch von "Gewalteinwirkungen gegen den Hals" ist dort die Rede.

Diplomatentochter tot: War es Mord?
Mord Salzburg
Fest steht, dass es zuvor eine Vermisstenmeldung des Lebensgefährten gab. Er gab an, Arlene Krammer-Cryde (61) zuletzt um 23 Uhr der Todesnacht gesehen zu haben. Tags darauf um 7.45 Uhr rief er die Polizei. Der Bericht der Beamten hält fest: "Anzumerken ist, dass der Lebensgefährte während die Beamten ihn zum gegenständlichen Sachverhalt befragten, auffällig ruhig wirkte, zudem war das Bett im Schlafzimmer gemacht, die Wohnung wurde offensichtlich erst vor kurzem gesäubert."
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Arlene Karmme-Cryde
Am Mittwoch dieser Woche ging ein Schreiben einer Rechtsanwaltskanzlei bei der Staatsanwaltschaft ein. Darin ist von einer Lebensversicherung die Rede: "Für unsere Leistungsentscheidung brauchen wir die Ermittlungsakte". Wer der Begünstigte ist, bleibt vorerst unklar. Und noch ein weiteres interessantes Detail: Wenige Stunden vor ihrem angeblichen Freitod schrieb die Tänzerin eine Einladungsliste für ein Weihnachtsfest.

Die Staatsanwaltschaft Salzburg hat den Fall jedenfalls noch nicht abgeschlossen. "Wir ermitteln wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannte Täter", sagt Sprecherin Barbara Fischer. Weil die Gerichtsmediziner eine Gewalteinwirkung nicht ausschließen, habe die Staatsanwaltschaft im Mai ein weiteres, "umfangreiches Ergänzungsgutachten" in Auftrag gegeben, meint Fischer.

Beschauliches Viertel

Im beschaulichen Anglerweg in Salzburg-Liefering, wo Krammer-Cryde bis zu ihrem Tod lebte, erinnern sich die Nachbarn an den Leichenfund im Dezember. Über die Umstände will niemand etwas gewusst haben, man habe die Frau höchstens vom Sehen gekannt. Rosina N., die Mutter des Lebensgefährten, war quasi die Schwiegermutter von Krammer-Cryde. Für sie ist klar, dass es Selbstmord war: "Warum Arlene den Freitod gewählt hat, weiß niemand", sagt N. Sie erinnert sich, dass Krammer-Cryde unter Kieferschmerzen litt. "In letzter Zeit war sie arm, gesundheitlich mit der schweren Osteoporose." Die Frau habe vor ihrem Tod kaum noch etwas essen können.

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Der Mühlbach in Salzburg-Liefering, wo Arlene Krammer-Cryde am 9. Dezember 2016 gefunden worden ist.
Und so gehen Rosina N. und ihr Ehemann Franz davon aus, dass sie am Abend des 8. Dezember hinter dem Haus der Familie über die Stufen in den eiskalten Mühlbach gestiegen ist, um sich das Leben zu nehmen. Die Leiche ist am nächsten Tag laut Polizei rund 200 Meter entfernt gefunden worden.

"Unfraulich"

Noch immer sei der Tod der Schwiegertochter ein Rätsel, die sie als sehr lebensfroh in Erinnerung hat. "Den Mut aufzubringen, sich ins Bachbett zu legen und sich selbst zu ertränken – das muss man erst einmal schaffen", meint N. Für sie sei das "unfraulich – normalerweise würde man doch Tabletten nehmen".

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Mord Salzburg
Dass ihr Sohn von Krammer-Crydes Angehörigen verdächtigt wird, etwas mit ihrem Tod zu tun zu haben, kann Rosina N. nicht nachvollziehen. "Warum hätte er sie ermordet? Zwischen ihnen waren keine Differenzen, sie haben seit 20 Jahren zusammengelebt." Der Lebensgefährte sei nach dem Tod seiner Freundin "zerstört" gewesen, sagt seine Mutter. "Er geht jeden Sonntag zum Friedhof."

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