Chronik | Österreich
19.05.2018

Diplomatentochter lag tot in Bach: Neues Gutachten beantragt

Landeskriminalamt lieferte kaum neue Erkenntnisse: Weiter kein Gewaltverbrechen vermutet. Gerichtsmedizin ist wieder am Zug.

Mehr als 17 Monate sind seit dem Tod der 61-jährigen Salzburgerin Arlene Krammer-Cryde vergangen. Die Tochter eines früheren österreichischen Diplomaten auf den Philippinen wurde am 9. Dezember 2016 tot im Mühlbach im Stadtteil Liefering gefunden – der KURIER berichtete. Nach wie vor wird wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannte Täter ermittelt.

Zumindest das Landeskriminalamt (LKA) hat seine Erhebungen beendet. Im Abschlussbericht, der Anfang April an die Staatsanwaltschaft ergangen ist, kommt das LKA zum Ergebnis, dass „keinerlei Hinweise auf das Vorliegen etwaigen Fremdverschuldens gewonnen werden konnten“. Die Ermittler gehen auch nach einer nachträglichen Untersuchung des Mühlbaches und der Sicherstellung des Computers der Toten (alleine die Auswertung dauerte laut dem Polizeibericht wegen der „enormen Datenmenge“ von September 2017 bis April 2018, Anm.) von einem Unfall oder Suizid aus.

Wegen „ärztlicher Behandlungsunterlagen, aus Zeugenvernehmungen sowie aus Teilen der Computerauswertung ist ersichtlich, dass Arlene Krammer-Cryde teilweise psychische Probleme gehabt haben dürfte“ – daher sei ein Suizid denkbar. Aufgrund der Krankengeschichte werde aber auch ein Unfall „als möglich erachtet“. Beziehungsprobleme mit dem Lebensgefährten und Streitereien mit dem Ex-Mann werteten die Ermittler offenbar nicht als mögliches Motiv für ein Gewaltverbrechen.

Angehörige zweifelt

Die Schwester der Toten spricht angesichts des LKA-Berichts von „mangelhaften Untersuchungsprozeduren der Ermittlungsbehörden“. Daraus geht zum Beispiel hervor, dass die Kleidung des Opfers „im Zuge der gerichtsmedizinischen Obduktion entsorgt worden“ sei. Die Schwester kritisiert das scharf – immerhin hätten sich darauf womöglich Blutspuren befunden, die auf eine Gewalttat hinweisen hätten können, meint sie.

Außerdem sei ihre wichtigste Frage, die sie als Privatbeteiligte gestellt habe, unbeantwortet geblieben: Sie habe wissen wollen, warum das Gesicht der Toten keine Kratzspuren beim Fund aufwies – immerhin soll die Leiche mehr als 150 Meter durch den Bach getrieben sein, bis sie sich an einem Baum verfing.

Die Staatsanwaltschaft hat sich an die Anregung im LKA-Bericht gehalten und bei der Gerichtsmedizin ein weiteres ergänzendes Gutachten beauftragt – bereits im Obduktionsbericht hieß es, es „muss ein Fremdverschulden aus gerichtsmedizinischer Sicht in Betracht gezogen werden“. Details waren am Freitag nicht zu erfragen, nur so viel: „Wir brauchen einen validen Hinweis, dass eine Straftat stattgefunden hat“, sagte Sprecher Robert Holzleitner.