Chronik | Österreich
29.10.2018

Digitalisierung: Konzepte gegen Zukunftsangst

Viele Branchen stehen unter Druck, weil neue Technologien ihnen die Arbeit wegnehmen.

Aschenmänner putzten bis ins 20. Jahrhundert die Kohlereste aus den Holzöfen der Wiener. Lichtputzer waren etwa zur gleichen Zeit für eine saubere Beleuchtung in Theatern verantwortlich. Schriftsetzer sorgten noch bis in die 1990er-Jahre für die tägliche Tageszeitung. All diese Berufe gibt es in der Form nicht mehr, weil sie neuen Technologien weichen mussten. Auch aktuell stehen einige Branchen vor großen Herausforderungen.

Das Auto der Zukunft wird über kurz oder lang autonom durch die Straßen steuern und keinen geschulten Lenker mehr brauchen. Fahrschulen wären in ihrer derzeitigen Form dann überflüssig. Trafiken sind mit einer sinkenden Zahl von Rauchern konfrontiert und auch bei ihren anderen Standbeinen, wie dem Handel mit Zeitungen und dem Glücksspiel, greifen laufend mehr Kunden auf Angebote aus dem Internet zurück.

Service als Mehrwert

Zukunftsforscher Tristan Horx glaubt aber nicht, dass Professionen wie diese völlig aussterben werden: „Viele Branchen hängen derzeit sozusagen in der Digitalisierungspanik fest. Es fehlt der Blick auf den Gegentrend, den es gibt. Wenn die Kunden merken, dass sie von einem Algorithmus beraten werden, der eigentlich nur auf ihr Geld aus ist, dann wird das Menschliche wieder eine Renaissance erleben.“

Am Beispiel des Verkehrs nennt der Experte die Bahn. Dort werden zwar keine Lokführer mehr in den Zügen sitzen, dafür muss es aber mehr Service geben. „Branchen werden nicht von heute auf morgen verschwinden, sie werden sich nur wandeln müssen“, sagt Horx.

Erkannt, dass es Veränderung braucht, haben die Trafikanten schon jetzt. Seit Kurzem verkaufen viele Kaffee zum Mitnehmen – nur eines der Konzepte, mit denen man das Weiterbestehen sichern will. WKO-Spartenobmann Josef Prirschl will auf die Rolle als Nahversorger setzen: „Die Kombination des Angebots an Tabak, Glücksspiel, Post und Lebensmittel kann künftig speziell in ländlichen Regionen die Struktur aufrechterhalten. Bei den Tabakfachgeschäften liegt der Fokus auf dem Verkauf von sensiblen Genussprodukten, wobei ich auch ein Potenzial in der Bargeldversorgung und bei einfachen Bankgeschäften sehe.“ Gerade in ländlichen Gegenden könnten Trafiken laut Prirschl kleine Aufgaben von Banken übernehmen.

Cannabis-Verkauf

Auch beim Thema sensible Genussprodukte gebe es Möglichkeiten für die Zukunft. „Von Großhändlern wurden entsprechende Zulassungsanträge für legale Hanfprodukte, die zum Rauchen geeignet und zum Verkauf in den Trafiken vorgesehen sind, eingebracht und liegen derzeit im Finanzministerium. Hier warten wir auf eine Entscheidung“, sagt Prirschl.

In Bedrängnis kommen – ob der rasanten technischen Entwicklung in der Fahrzeugbranche – auch Fahrschulen. Der Chef des Unternehmens Easy Drivers, Werner Fichtinger, hat in einer Expertenrunde zum Thema Verkehr klargemacht, dass er bereits jetzt auf neue Konzepte setzt. „Wir haben den Trend erkannt und uns schon vor einiger Zeit auch als Radfahrschule platziert. Außerdem setzen wir auf die Ausbildung von Berufskraftfahrern.“

Die Aufgaben der Fahrschulen verändern sich also schon jetzt. Als klassischer Ausbildner für Führerschein-Kandidaten sieht Fichtinger sich nicht mehr: „Wir werden zu Mobilitätsschulen, in denen wir die Jungen an neue Mobilität heranführen und der älteren Generation Möglichkeiten geben, Neues kennenzulernen.“ Auch der Einsatz von Virtual Reality in der Ausbildung sei ein Schritt, den Fahrschulen schon bald gehen werden.