Die Hausdächer tragen große Lasten

© APA/BARBARA GINDL

Chronik Österreich
01/15/2019

Schneechaos: Dieser Winter hat schwere Folgen

Die Niederschläge enden, doch nicht die potenzielle Gefahr: Auf Dächern lasten Tonnen von Schnee, das Lawinenrisiko bleibt.

von Elisabeth Holzer, Christian Willim

Am Montag schneite es noch in weiten Teilen Österreichs, aber das Ende war bereits sichtbar. Schon ab Dienstag stellt sich das Wetter um, es wird wärmer. Doch das ändert nichts an der prekären Lage in den Regionen, die von dem bereits vielfach als „Jahrhundertereignis“ bezeichneten Winter getroffen wurden: Auf den Dächern liegen Tonnen von Schnee, die entfernt werden müssen.

Das ist harte und schwere Arbeit, deren Gefährlichkeit aber vielfach unterschätzt wird. Das zeigt ein Unfall in Salzburg: Am Montag riss rutschender Schnee vier Arbeiter in Faistenau mit, die ein Dach abschaufelten. Zwei wurden verschüttet, ein 47-Jähriger starb. Die Männer sollen laut Polizei ungesichert auf dem Dach in sechs Metern Höhe gestanden sein.

Bis zu 500 Kilogramm

Das Gewicht, das derzeit auf betroffenen Häusern lastet, ist hoch. Je nach Art des Schnees können es 50 bis 500 Kilogramm pro Quadratmeter sein: Frisch gefallener Pulverschnee hat die geringste Dichte und ist deshalb am leichtesten. Doch auf den Dächern lagert nun schon Altschnee, der zuweilen auch noch wie ein Schwamm Regen aufgesaugt hat.

Da kommt dann bei einem durchschnittlichen Hausdach mit 20 Quadratmetern und 1,5 Metern Schneehöhe rasch ein Gewicht von bis zu zwölf Tonnen zusammen. Derzeit liegt die durchschnittliche Schneedichte in betroffenen obersteirischen Gebieten laut Daten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik bei 250 Kilogramm pro Kubikmeter.

Allein die Wiener Städtische rechnet mit Schneeschäden von fünf Millionen Euro. Die Schneelast droht auch weiter, Bäume umzuknicken. Mit Hubschraubern wurde in den vergangenen Tagen immer wieder versucht, den Schnee mit den Rotorblättern abzublasen. In Tirol stürzte bei so einem Einsatz am Montag ein Hubschrauber eines privaten Unternehmens im Bereich des Bürgelkopfs im Gebiet von Fieberbrunn ab. Der Pilot die Maschine noch kontrolliert aufsetzen, die Besatzung blieb unverletzt.

Stufe 5 gilt noch

Die Lawinensituation war am Montag in Tirol derart kritisch, dass in weiten Teilen des Landes die höchste Warnstufe 5 ausgegeben wurde. Gemeinden in mehreren Tälern – etwa im Kaunertal, Paznauntal, Pitztal oder Ötztal – waren wegen Straßensperren abgeschnitten. Für den Siedlungsraum bestand jedoch keine Gefahr.

Entspannt gab man sich im ebenfalls abgeschnittenen Galtür, in dem es vor 20 Jahren zu einer tödlichen Lawinenkatastrophe kam. „Die Lage ist überhaupt nicht besorgniserregend“, sagte Bürgermeister Toni Mattle. Warnstufe 5 galt am Montag auch auf der Innsbrucker Nordkette, in deren Hänge sich das Siedlungsgebiet erstreckt – für das jedoch keine Gefahr bestand. „Wir sind in den Bergen und vertraut mit Schnee“, versicherte Bürgermeister Georg Willi, Grüne.

Vom Schnee eingeschlossen waren indes am Montag allein in Salzburg 17.000 Menschen, vor allem im Pinzgau; in der Steiermark 576 Menschen. Katastrophenreferent Michael Schickhofer, SPÖ, hofft, den Kriseneinsatz ab Freitag beenden zu können: „Das war der intensivste Einsatz seit Tschernobyl. (1986, Anm.)

Helfer eingeschneit

Am Hochkar in Niederösterreich saßen 200 Personen fest: Wegen Lawinengefahr wurde die Straße gesperrt, Angestellte von Skigebieten, Soldaten und Feuerwehrleute können das Hochkar vorerst nicht verlassen. Die Vorräte sollen noch 48 Stunden reichen; Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, ÖVP, versprach zudem finanzielle Hilfe für die betroffenen Skigebiete.

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