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Chronik Österreich
01/14/2019

Windspitzen bis 160 km/h, ein Lawinentoter, schwerer Busunfall

Arbeiter von Dachlawine verschüttet, 13 Verletze bei Busunfall und 41.000 Salzburger abgeschnitten.

In der neuen Woche geht das Schneechaos weiter. Es besteht weiterhin Lawinengefahr. Die ZAMG (Zentralanstalt für Meterologie und Geodynamik) ruft zur Vorsicht in allen Bundesländern auf. Gefahr besteht in manchen Teilen von Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Vorarlberg und der Steiermark.

Vier Arbeiter stürzten mit Dachlawine ab

Im Flachgau ist am Montagvormittag bei einem Unfall mit einer Dachlawine ein 47-Jähriger ums Leben gekommen.

Zwei Arbeiter wurden nach dem Sturz vom Dach offenbar zur Gänze verschüttet, die beiden anderen zum Teil. Die Männer waren ersten Angaben zufolge ungesichert. Zeugen begannen sofort, die Opfer auszugraben. Für einen 47-Jährigen sei aber jede Hilfe zu spät gekommen, der Mann sei verstorben, sagte der Polizeisprecher.

Flixbus stürzte über Böschung

Ein Flixbus ist am Montag auf der Ennstal Bundesstraße wegen des dichten Schneetreibens von der Straße abgekommen und über eine Böschung gestürzt. Die Polizei rechnete inklusive Chauffeur mit 13 Verletzten. Alle wurden in das Krankenhaus nach Schladming gebracht.

Den Polizisten sagte der Lenker kurz vor seinem Transport ins Spital, dass er an einer unübersichtlichen Stelle Gegenverkehr hatte und daher etwas nach rechts ausweichen musste. Er sei auf das Bankett geraten und abgerutscht. Der Bus war von Salzburg in Richtung Graz unterwegs.

Snowboarder in Tirol aus Graben gerettet

Ein 50-jähriger Norweger ist am Sonntag in St. Anton am Arlberg in Tirol aus einem rund 40 Grad steilen Graben gerettet worden. Der Snowboarder war auf der Rendltalabfahrt im Bereich des Tobelliftes über den linken Pistenrand hinaus geraten und in den Graben gestürzt, teilte die Polizei mit. Aufgrund des tiefen Schnees konnte der Mann nicht mehr selbstständig auf die Piste zurückkehren.
 

Neuschnee in Österreich

Bis einschließlich Dienstag wird es laut UBIMET-Experten weiter schneien. Vor allem in den Staulagen der Nordalpen kommen 50 bis 100 cm Neuschnee zusammen, rund um den Arlberg ist mehr als ein Meter wahrscheinlich.

Von Sonntag bis Montagfrüh hat es an der Nordseite der Alpen innerhalb von 24 Stunden verbreitet wieder zwischen 20 und 60 Zentimeter Neuschnee gegeben. Zeitweise regnete es auch bis in höhere Lagen, informierte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Besonders auf den höheren Bergen von Vorarlberg und Tirol gab es stellenweise sogar zwischen 80 und 100 Zentimeter Schneefall.

Bis Dienstagvormittag erwartet die ZAMG an der Nordseite der Alpen nochmals verbreitet 20 bis 40 Zentimeter Neuschnee. Ganz im Westen, wie am Arlberg, dürften rund 50 Zentimeter Schneehöhe hinzukommen, im Bereich der Hohen Tauern 60 bis 70 Zentimeter. Zum Nachmittag hin klingen Schneefall und Regen am Dienstag ab und die Wolken können auflockern. Der Wind ist besonders auf den Bergen anfangs noch kräftig bis stürmisch und wird zum Abend hin schwächer.

So viel Schnee fällt bis Dienstag

Prognose ab Mittwoch

Am Mittwoch und Donnerstag scheint zumindest zeitweise die Sonne und es schneit oder regnet wenig bis gar nicht. Der Freitag sieht aus momentaner Sicht etwas wechselhafter aus, bringt aber keine größeren Neuschneemengen.

Salzburg: Wind, Lawinen, Straßensperren

Die vielen Neuschneemengen haben in Salzburg laut Landes-Medienzentrum bisher drei Tote und 18 leicht bis schwer verletzte Personen gefordert. Wegen der zahlreichen Straßensperren aufgrund der hohen Lawinengefahr waren am Montagabend im Bundesland rund 24.000 Personen in neun Gemeinden von der Außenwelt abgeschnitten, darunter auch Saalbach-Hinterglemm.

Der Wind im Bundesland erreichte in der vergangenen Nacht Spitzenwerte bei der Geschwindigkeit. Auf der Rudolshütte erreichte der Wind etwa 158 km/h, in Obertauern 118 km/h.

Warnstufe 5

In Teilen des Landes stieg die Lawinengefahr auf die höchste Warnstufe 5, betroffen war dieses Mal der Bereich der Hohen Tauern. Schneefälle und starker Sturm verschärften die Lage.

Lawinen, keine Verletzte

Mehrere Lawinen gingen bereits in der Nacht ab, sie dürften aber keinen Personenschaden verursacht haben. So donnerte in Obertauern eine Lawine bis zum Seekarhaus, in Hintermuhr ging eine Lawine auf eine Gemeindestraße und eine Hofzufahrt ab, sagte Markus Kurcz, der Einsatzleiter des Landes, zur APA. Und laut Katastrophenreferent Norbert Altenhofer wurde auch aus Hintersee im Flachgau eine Lawine gemeldet, die ein Ausmaß von etwa 100 Metern Breite und drei bis vier Metern Höhe erreichte und auch Bäume und Sträucher mitriss.

Abgeschnittene Gemeinden

Sechs Gemeinden waren Montagfrüh nicht erreichbar. Betroffen war das untere Saalachtal im Pinzgau mit den Gemeinden Unken, Lofer, St. Martin und Weißbach, dazu blieb auch Rauris weiter abgeschnitten, wo alleine etwa 3.000 Einwohner und 2.000 Urlauber festsaßen. Außerdem mussten am Sonntagabend auch die Straßen nach Obertauern wieder gesperrt werden. "Sie alle sind medizinisch versorgt und wohlauf", so Kurcz.

Die Zahl der Haushalte ohne Stromversorgung stieg über Nacht wieder etwas an. Am Vormittag waren laut Salzburg AG etwa 230 Kunden ohne Strom. Die betroffenen Gebiete waren über das ganze Bundesland verteilt, von St. Koloman, Adnet und Bad Vigaun im Tennengau über einen Straßenzug in der Stadt Salzburg, Mühlbach und Filzmoos im Pongau, Leogang und Teile Viehhofens im Pinzgau bis Fuschl im Flachgau.

Einen totalen Stromausfall gab es seit Montagfrüh auch am Hochkar. Rund 180 Personen waren eingeschlossen, da die Hochkar Alpenstraße erneut gesperrt werden musste. Am Montagabend konnte die Stromversorgung wiederhergestellt werden. 

Steiermark: Lawinen

Ein Lawinenabgang im Bereich des Skigebiets Grübl am Präbichl in der Steiermark hat am Sonntag eine großangelegte Suchaktion ausgelöst. Nach Angaben der Polizei hatte ein Liftwart der Bergstation zu Mittag den Lawinenabgang über die Landeswarnzentrale gemeldet. Bergrettung, Alpin- und Flugpolizei suchten nach Verschütteten. Verletzt wurde niemand.

Mehr als 40 Einsatzkräfte der Bergrettung Vordernberg sowie Beamte der Flug- und Alpinpolizei durchsuchten nach den Angaben der Landespolizeidirektion den großläufigen Lawinenauslaufbereich direkt oberhalb der Bergstation des Grübl-Sesselliftes mit Lawinenverschütteten-Suchgeräten. Zeitgleich führten Polizisten im betroffenen Gebiet bei schlechten Witterungsverhältnissen einen Erkundungsflug mit einem Hubschrauber der Flugeinsatzstelle Graz durch. Weder am Boden noch in der Luft konnten Hinweise auf verschüttete Personen erhoben werden, weshalb der Einsatz gegen 13.00 Uhr beendet wurde.

Der Lawinenauslaufbereich erstreckte sich über eine Breite von rund 100 Meter bis direkt an die Skipiste im Bereich der Bergstation. In dem Gebiet herrscht derzeit Lawinenwarnstufe 4. Ein weiteres Schneebrett löste sich am steilen Gegenhang (Rössel). Auch hier kamen den Polizeiangaben zufolge keine Personen zu Schaden.

Das Schneechaos in Österreich in Bildern

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Orte in Tirol und Vorarlberg abgeschnitten

Wegen der starken Schneefälle und der damit verbundenen Lawinengefahr sind Sonntagabend etliche Orte in Tirol und Vorarlberg von der Außenwelt abgeschnitten gewesen. Aus Sicherheitsgründen mussten viele Straßen für die Nachtstunden gesperrt werden. Neben der Lawinengefahr verursachten vor allem unter der Schneelast umstürzende Bäume und abbrechende Äste Probleme.

In vielen Bezirken Nordtirols waren Gemeinden, Ortsteile oder Weiler derzeit auf dem Straßenweg vorrübergehend nicht zu erreichen - so etwa in Bereichen des Kaunertales oder des Ötztales, teilte das Land Sonntagabend mit. Außerdem waren Hochfügen, Thiersee oder auch Ischgl/Galtür von der Außenwelt abgeschnitten.

Bei zwei Lawinenabgängen in den Abendstunden zwischen Grän und Nesselwängle auf die Tannheimer Straße (B199) sowie in Kirchberg gab es keine Verletzten - die betroffenen Straßen bleiben vorerst aber gesperrt.

Zudem musste die Arlbergpassstraße (B197) zwischen St. Christoph und der Straßenkreuzung Alpe Rauz und die Lechtalstraße (B198) waren aus Sicherheitsgründen bis auf Weiteres gesperrt. Die Straße zwischen Lech und Zürs schloss gegen 22.00 Uhr, ebenso die Straßen zwischen Lech und Zug sowie Lech und Oberlech wurden in den Abendstunden gesperrt.

Tirol: Lawinenwarnstufe 5 ausgeweitet

In Tirol haben die anhaltenden Schneefälle am Montag dazu geführt, dass außer für den Westen des Landes auch für andere Regionen Lawinenwarnstufe 5, also sehr große Lawinengefahr, ausgewiesen wurde. Betroffen war auch die Landeshauptstadt Innsbruck, nämlich im Bereich des Karwendels. Dort sei mehr Schnee als erwartet gefallen, hieß es seitens des Lawinenwarndienstes.

Sehr große Lawinengefahr herrschte nunmehr zudem auch in der Venedigergruppe in Osttirol sowie in den Nördlichen Zillertaler Alpen. Seit Sonntag fielen verbreitet 60 bis 100 Zentimeter Schnee, lokal auch mehr. Bis in die Nacht sollen lokal noch mal 50 Zentimeter hinzukommen.

Vorarlberg: Feuerwehr rückte 200 Mal aus

Die Wetter- und Lawinensituation in Vorarlberg hat am Wochenende rund 200 Feuerwehreinsätze mit etwa 3.000 beteiligten Einsatzkräften notwendig gemacht. Unter anderem mussten Dächer abgeschaufelt und umgestürzte Bäume von Straßen entfernt werden, zogen am Montag Landeshauptmann Markus Wallner und Sicherheitslandesrat Christian Gantner (beide ÖVP) Bilanz. Die Straßensperren hätten sich bewährt.

Innerhalb von 48 Stunden fielen in Vorarlberg bis zu 120 Zentimeter Neuschnee, bis Dienstag sollten im Bergland weitere 30 Zentimeter dazukommen. Der stürmische Wind sorge weiterhin für eine angespannte Lage in den Bergen, sagte Lawinenexperte Andreas Pecl.