Diese Konkursmasse gackert: 9000 Hühner suchen Platz

Noch sind die Hühner in der Obersteiermark © Bild: Toni's Freilandeier

Tierschützer sorgen sich um wenig beachtetes Detail der Insolvenz von „Toni’s Freilandeiern“: Was tun mit den Legehennen?

Hühnerhaltung lernen Juristen nicht an der Universität. Der Leobener Rechtsanwalt Helmut Fetz muss sich dennoch damit beschäftigen, und zwar im großen Stil: 9000 Legehennen sind Teil der Konkursmasse nach der Insolvenz von „Toni’s Freilandeiern“. Die Marke wurde vom Rewe-Konzern übernommen, zurück in der Obersteiermark bleiben jene Hennen und Hähne, die die nunmehr insolvente Firma selbst hielt.

Masse, die gackert, aber einiges an Geld wert ist. Doch ein Verkauf der Tiere scheiterte bisher. „Wir haben schon wochenlang inseriert. Aber es hat sich keiner gemeldet“, bedauert Anwalt Fetz, der in dem Fall Masseverwalter ist.

Schlachten verschoben

Eine Option hat Fetz vorbereitet, aber noch nicht umgesetzt: Die Tiere schlachten und quasi als Suppenhühner enden zu lassen. Der für den 23. April vorgesehene Keulungstermin wurde verschoben, zumindest für einen Monat. „Ich füttere sie halt ein bisserl weiter“, schmunzelt der Jurist, wobei das bei 9000 Tieren kein Nebenbei-Unterfangen ist: Als Masseverwalter beschäftigt Fetz jene vier Dienstnehmer weiter, die sich schon bisher um die Hühner gekümmert haben.

Aber das ist keine Dauerlösung. Einen insolventen Betrieb einfach so fortzuführen sei nicht möglich. „Ich kann nichts zulasten der Gläubiger machen, nichts tun, das sie schädigt“, sagt Fetz. Mögliche Verluste in der Konkursmasse einfahren, das gehe gar nicht. Deshalb könne er die Hühner auch nicht einfach so verschenken. Es müsse zumindest der Preis bezahlt werden, den ein Schlachthuhn einbringen würde, also 25 bis 30 Cent. Macht bei 9000 Hühnern also etwas mehr als 2000 Euro. „Ich unterstütze gerne Tierschützer, wenn sie behilflich sind, die Hühner zu verkaufen“, versichert Fetz.

Die Wiener „Vier Pfoten“ hoffen auf eine „Ideallösung“, wie Kampagnenleiterin Martina Pluda beschreibt: Es könnte sich jemand finden, der den Legehennen-Betrieb übernimmt und weiterführt, wenn nicht gar Rewe selbst. „Es wäre auf jeden Fall leichter, wenn die Hühner bis zum Ende der Legeperiode dort vor Ort bleiben könnten. Das sind ja Tiere, die noch einen wirtschaftlichen Wert haben.“

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© Bild: Toni's Freilandeier

Lösung gesucht

Auch Nina Hofstädter vom Verein „Rette (d)ein Huhn“ bemüht sich um eine Lösung. „Für mich ist das eine Herzensangelegenheit. Meine ersten sieben Hühner, die zu uns gekommen sind, waren von dem Betrieb.“ Hofstädter vermittelt üblicherweise mit ihrem Verein aus Niederösterreich Hennen, die das Ende ihre Legeperiode erreicht haben und vor der Schlachtung stehen.

Im Fall der gackernden Konkursmasse aus der Obersteiermark geht es aber um mehr: In der Menge sind Tausende legekräftige Hennen ebenso wie erst wenige Wochen alte Jungtiere und auch rund 2000 Hähne. „Wir haben von Anfang an unsere Hilfe angeboten, um den Hühnern ein zwangloses Leben fernab der Industrie ermöglichen zu können.“

( kurier.at ) Erstellt am 14.04.2018