© BMNT/Susanne Brandstetter

Chronik Österreich
07/21/2019

Wie viel Mikroplastik ist in der Donau?

Erstmals wird die Konzentration in der gesamten Donau erhoben. Auch ökologischer Zustand steht auf dem Prüfstand.

von Katharina Zach

„Das Mikroplastik ist überall und wir vergiften uns quasi selber.“ Robert Mach von der Meeresschutzorganisation Sea Sheperd ist sehr pessimistisch. Seine Sorge ist nicht unberechtigt. Auch in der Donau schwimmen die Partikel. 2015 wurde in einer Studie festgestellt, dass 41 Tonnen Plastik pro Jahr in den Strom gelangen, darunter ein hoher Anteil an Mikroplastik.

Vor Kurzem startete nun eine Erhebung, bei der erstmals der Anteil dieser Partikel im gesamten Flusslauf untersucht wird. Es ist die weltweit größte derartige Flussuntersuchung, an der sich 13 Länder beteiligen. Von den 51 Messstellen befinden sich fünf in Österreich. Auch der ökologische Zustand der Donau, die Wasserqualität – etwa potenzielle Gefahren von Fäkalkeimen und antibiotikaresistenten Keimen – oder Bedrohungen durch eingeschleppte Arten werden untersucht.

Mitte Juli wurde an zwei Stellen bei Klosterneuburg und Hainburg Mikroplastik gesammelt. Dazu haben Forscher Kästen in die Donau gehängt, durch die das Wasser floss. Die Partikel, die sich dort abgesetzt haben, werden nun in Deutschland untersucht. „Erstmals kann man damit sagen, in welchen Ländern Mikroplastik in welchen Mengen auftritt“, erklärt Biologin Karin Deutsch aus dem Umweltministerium, die das Projekt in Österreich managt.

Folgewirkungen unklar

Welche ökologischen Folgen Mikroplastik mit einem Durchmesser von unter 5 Millimetern in Flüssen verursacht, ist noch unklar.

Allerdings gibt es laut Biologin Deutsch Hinweise darauf, dass sich größere Plastikteilchen in den Fischmägen ansammeln und die Tiere dadurch kein Hungergefühl haben – schlimmstenfalls verhungern sie. Zudem können sie durch die Kanten der Plastikteilchen verletzt werden. Doch während Deutsch das vorwiegend als Problem bei Meeresfischen verortet, hat Ronald Hillerbrand, der sich im Nationalpark Donau-Auen mit dem Thema befasst, auch schon bei Donaufischen kleine Plastiksackerl im Magen gefunden.

Denn selbst große Plastikteile würden beim Transport in der Donau zerrieben oder durch Sonneneinstrahlung zersetzt. Die Teilchen gelangen dann als Mikroplastik wieder ins Wasser und in weiterer Folge in den Speisekreislauf, meint Hillerbrand. Und Mikroplastik steht unter anderem unter Verdacht, Krebs auszulösen. Problematisch ist auch, dass die Partikel Schadstoffe anreichern. 2018 wurde Mikroplastik von Forschern der MedUni Wien in menschlichem Stuhl nachgewiesen.

Mach geht noch einen Schritt weiter. „Wir wissen, überall, wo Mikroplastik ist, ist auch Nanoplastik. Das verdampft und kommt im Regen wieder runter“, sagt er. Dieses Nanoplastik könne die Blut-Hirn-Schranke überwinden. „Der größte Eintrag von Mikroplastik stammt vom Reifenabrieb von Autos und Lkw – 60 Prozent“, erklärt er. Auch Fasern, die sich beim Waschen aus Kleidung lösen , sind ein Problem.

Jeder kann helfen

Mittlerweile sei zwar das Bewusstsein bei der Bevölkerung gestiegen, die Plastikmenge aber nicht gesunken. Bei regelmäßigen „Clean-ups“ bei denen Freiwillige Flussufer reinigen, werden vor allem Zigarettenstummel als Problem ausgemacht, meint Mach. Hillerbrand findet vorwiegend PET-Flaschen oder Kleidung. „Aber wenig Industriemüll.“

Am 24. 8. gibt es in Wien ein „Danube Cleanup“ (U1 Station Donauinsel). Denn: Was im Fluss landet, gerät auch irgendwann ins Meer.

Grundeln und Bakterien

Neben dem Thema Mikroplastik stehen bei der aktuellen donauweiten Studie „Joint Danube Survey 4“ auch die Untersuchung der Wasserqualität sowie die Schadstoffbelastung der Fische am Programm. Denn die EU gibt mit der Wasserrahmenrichtlinie genau vor, in welcher Konzentration Schadstoffe in den Tieren vorkommen dürfen – etwa Quecksilber. Die sehr strengen Grenzwerte zum Schutz der fischfressenden Organismen seien  aber häufig überschritten, erklärt Biologin Karin Deutsch vom Umweltministerium. „Deshalb ist in vielen europäischen Ländern der chemische Zustand der Fische nicht gut.“ Allerdings, betont Deutsch, würden Lebensmittelgrenzwerte sehr wohl eingehalten.

Problematisch für die heimische Tierwelt können auch eingeschleppte Arten sein, weswegen auch diese genau beobachtet werden. „Im Hauptfluss der Donau ist es die Schwarzmundgrundel, die schon sehr präsent ist, weil  sie gerne in Gewässern mit Uferbefestigungen lebt“, sagt Deutsch.

Diese Fische stammen ursprünglich aus dem Schwarzen Meer und schaffen es in Ballasttanks der Schiffe flussaufwärts.
„Derzeit ist die Frage, inwieweit sie die heimischen Arten verdrängen“, meint die Biologin. Ergebnisse der aktuellen Untersuchungen werden Mitte 2020 erwartet. Bei der letzten derartigen europaweiten Donau-Untersuchung 2013 wurde bei den Grundeln eine starke Vermehrung festgestellt.

Damals wurde auch erhoben, dass sich in Proben vom Donauwasser zahlreiche antibiotikaresistente Keime befinden – wohl aufgrund von Viehzucht und Humanmedizin. Das wird nun ebenfalls erneut überprüft.

Fäkalien im Wasser Auch eine starke Fäkalienbelastung wurde bei der Probennahme an donauweit 70 Wasserstellen festgestellt. Die Verursacher: Zu 90 Prozent der Mensch, trotz guter Kläranlagen. Zuletzt ist hier die Flussschifffahrt in die Kritik geraten, die regelmäßig Fäkalien in die Donau ablassen soll.
Dennoch, betont das Umweltministerium, habe die Vorgängerstudie aus dem Jahr 2013 eine durchwegs gute Wasserqualität der Donau in Österreich ergeben. Der Fluss werde auch abseits der großen Erhebungen regelmäßig im Rahmen der nationalen Gewässerüberwachung untersucht.

Problematisch sei jedoch der Fischbestand – wie auch die Studie von 2013 gezeigt hat. Aufgrund der häufig bestehenden steinernen Uferbefestigung finden die Tiere zu wenig geeigneten Lebensraum.

Auch, dass die Donau für die Fische etwa durch Kraftwerke für lange Zeit nicht durchwanderbar war, verursacht Probleme. Obwohl hier schon viel geschehen ist – etwa beim Uferrückbau  im Bereich des Nationalparks Donau-Auen oder bei der Herstellung der Durchgängigkeit – , wäre laut Biologin noch viel zu tun.

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