Die Seen im Westen trocknen aus, ein Fischsterben droht

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Pegelstände der Badeseen in Salzburg und Oberösterreich auf Rekord-Tief. Eine anhaltende Regenperiode wäre vonnöten.

30 Zentimeter auf oder ab – was spielt das beim Wasserpegel eines großen Badesees schon für eine Rolle? Eine nicht zu unterschätzende, wie Experten erklären, denn die Trockenheit im Westen Österreichs könnte sogar zu einem Sterben empfindlicher Fischarten führen.

Dass die Wasserpegel im Hochsommer und Frühherbst extrem absinken, ist nicht ungewöhnlich. Sehr wohl aber die aktuelle Situation im Salzburger Flachgau und im oberösterreichischen Salzkammergut: An der Messstelle am Wolfgangsee beispielsweise betrug der historische Juni-Tiefstand 74 Zentimeter – registriert im Jahr 1983. Aktuell werden hier 72 Zentimeter gemessen. Auch der Mondsee hat ein Rekord-Juni-Tief: 125 Zentimeter an der Messstelle; 1977 waren es 131 Zentimeter. Auch Niederösterreich ist betroffen: Der Stausee Ottenstein war bereits im Mai auf Tiefststand.

Ein noch deutlicheres Bild zeigt sich, wenn man die Mittelwerte Anfang Juni seit 1976 betrachtet: Da hinken weiters Attersee, Hallstätter See, Fuschlsee, Wallersee, Traunsee, Zeller See und Neusiedler See ordentlich hinterher (siehe Grafik), während alle anderen österreichischen Badeseen stabil bleiben – oder wie der Bodensee, der Wörthersee oder der Millstättersee sogar prall gefüllt sind.

Reinhold Godina von der Hydrographie Österreich nennt zwei Gründe für die dramatische Situation im Westen: „Im Jänner gab es dort überdurchschnittlich viel Niederschlag, aber erst ab 1000 Meter in Form von Schnee. Daher war in den betroffenen Gebieten der Abflussanteil im Jänner sehr hoch und die Schneeschmelze gering ausgeprägt.“ Die Niederschlagssumme von Februar bis März habe im Salzburger Flachau nur 50 Prozent des vieljährigen Mittelwerts betragen, in Oberösterreich nur 30 Prozent. Folglich pirschen sich Seen in dieser Region bereits an Pegel-Niedrigstände heran, die man ansonsten nur im August verzeichnet.

„Alles Zufall“

Mit dem Klimawandel habe dies nichts zu tun, sagt Nikolaus Zimmermann vom Wetterdienst Ubimet. „Es ist purer Zufall. Im heurigen Frühjahr bringt eine südöstliche Höhenströmung stets Feuchtigkeit vom Mittelmeer und vom Balkan in die Steiermark, nach Kärnten, ins Burgenland. Die Alpennordseite bleibt abgeschirmt. Ein Phänomen, aber kein Klimawandel“, betont Zimmermann.

Welche Folgen hat dieses Phänomen für die Seen? „Noch ist das nicht beunruhigend. Trockenperioden gibt es immer und Seen kommen damit gewöhnlich gut zurecht“, sagt Thomas Kibler vom oberösterreichischen Gewässerschutz.

Kollege Andreas Unterweger aus Salzburg betont die Worte „noch“ und „gewöhnlich“ etwas mehr. „Wenn sich diese Trockenheit über den ganzen Sommer hinzieht, dann bekommen wir schon ein Problem: Eine vermehrte Algenbildung im Uferbereich, und irgendwann kann es Fische treffen“, erklärt er.

Daniela Latzer, Geschäftsführerin des Salzburger Fischereiverbandes, verdeutlicht: „Viele Jung- und Kleinfische verstecken sich im Seichtwasser im Uferbereich, der jetzt austrocknet – sie flüchten in tiefe Zonen im See, die aber nicht als Lebensraum für empfindliche Arten wie beispielsweise den Seesaibling geeignet sind.“

Weniger Sauerstoff

Fischereibiologe Hubert Gassner gibt außerdem zu bedenken, dass die durchschnittliche Oberflächen-Seentemperatur in den letzten 40 Jahren um zwei Grad gestiegen ist. „Das bedingt, dass immer weniger Sauerstoff in die Tiefe gelangt, was wiederum den Lebensraum der Fische beeinträchtigt“, so Gassner.

Den Seengemeinden bereiten die sinkenden Pegelstände ebenfalls Sorgen. „Die Wasserrutsche im Bad müssen wir heuer sperren, weil im Ausfluss schlicht zu wenig Wasser vorhanden ist“, schildert Monika Schwaiger, Bürgermeisterin von Seekirchen am Wallersee. Auch für die Natur sei die derzeitige Situation eine „Herausforderung. Das Schilf droht praktisch umzufallen, weil das Wasser als Stütze fehlt. Wir können momentan nur noch eines tun: auf Regen hoffen.“

Schauer werden aber nicht reichen. „Regional begrenzte Niederschlagsereignisse können die Situation nicht nachhaltig beeinflussen. Das würde nur eine anhaltende Niederschlagsperiode bewirken“, betont Hydrologe Godina.

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Bürgermeisterin Monika Schwaiger misst in Seekirchen nach. © Bild: Copyright by: FRANZ NEUMAYR Pres/Neumayr/SB

Ein konträres Bild in Kärnten: Der Millstättersee geht über

Während die Seen im Westen austrocknen, ist in Kärnten der gegenteilige Effekt zu verzeichnen. Waltraud Gasser-Brunner, Geschäftsführerin des gleichnamigen Campingplatzes am Millstättersee, schlägt in einem offenen Brief an die Behörden Alarm.
 „Allerorts treten wegen des Hochwassers im Millstättersee  Schäden an Uferver- und -einbauten oder an Liegewiesen auf. Für den Tourismus ist das existenzbedrohend“, klagt Gasser-Brunner und macht ein Kraftwerk bei Seebach für den verminderten Abfluss mitverantwortlich. Der Millstättersee verzeichnet nach starken Niederschlägen  einen Pegelstand von 167 Zentimetern am Messpunkt, das  sind  30 Zentimeter über dem Juni-Mittelwert und fast im Bereich eines zweijährigen Hochwasserereignisses.
Alarmierend  seien die Werte nicht, sagt Stefan Santer von der Abteilung Wasserwirtschaft. „Es besteht kein Handlungsbedarf.“ Das Kraftwerk habe mit dem Abfluss nichts zu tun, dem  Bau einer Wehranlage steht er kritisch gegenüber: „Die Regelung wäre schwierig, weil der See groß und tief ist.“

( kurier.at ) Erstellt am 09.06.2018