Chronik | Österreich
01.11.2017

Die Seebühne als Ladenhüter

Überreste von Jörg Haiders Leuchtturmprojekt verrosten auf einem Schrottplatz.

23 Schwimmkörper und ein paar Dutzend Stahlträger sind vom Prestigeprojekt namens Wörtherseebühne übrig geblieben, welches der damalige Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider im Jahr 1999 pompös am Ostufer des Wörthersees eröffnete und welches vor zwei Jahren von seinen politischen Erben an einen Alteisenhändler verkauft wurde. Die Plattform ging nie, wie geplant, in einem anderen Gewässer vor Anker. Stattdessen lagern heute die Einzelteile als Ladenhüter auf einem Schrottplatz in Klagenfurt.

Rund 20 Millionen Euro musste der Steuerzahler von 1999 bis 2015 für die Errichtung sowie den Betrieb der Seebühne aufwenden. Haider wollte aus der schwimmenden Insel ein "Mekka des Sommermusicals" machen, der Untersuchungsausschuss des Kärntner Landtages befand jedoch vielmehr, dass es sich beim Projekt um eine "Tragödie, deren Ende von Anfang an absehbar war", handelte.

Geschäft gewittert

Dieses Ende kam 2015, als die Teile von der Stadt Klagenfurt, in deren Eigentum sich die Plattform zuletzt befand, zum Verkauf ausgeschrieben wurden: Alteisenhändler Wilfried Kuttin aus Klagenfurt witterte das große Geschäft und erhielt den Zuschlag für 65.666 Euro.

Heinz Anton Marolt, Hotelier vom Klopeiner See, hatte ebendort ein Bühnen-Dacapo geplant. Beim Direktverkauf war er nicht zum Zug gekommen, weil er – laut Stadt Klagenfurt – sein Anbot zu spät abgegeben hätte. Marolts Pläne, die Teile von Kuttin zu erwerben und zum Klopeiner See zu verfrachten, scheiterten jedoch, weil sich die Gemeinde St. Kanzian als Eigentümer des Gewässers sowie die Naturschutzbehörde des Landes querlegten. Die Bühne würden die Fische zu sehr beschatten, lautete die Begründung im Jahr 2016.

Folglich fristen die Einzelstücke am Schrottplatz ihr Dasein. "Die Teile sind nach wie vor funktionstüchtig und warten auf Interessenten", rührt Kuttin die Werbetrommel. Er würde natürlich für Transport und Wiederaufbau sorgen.

Keine Anfragen

Die Krux: "Aus Kärnten gibt es keine Anfragen, weil die Kunden weiterhin eine ablehnende Haltung der Naturschutzbehörde fürchten. Und jenseits der Landesgrenzen würden sich hohe Transportkosten ergeben, diese schrecken Interessenten ebenfalls ab", meint der Schrotthändler.

Den Preis für die Plattform, sie kostete ursprünglich rund fünf Millionen Euro, hatte Kuttin vor zwei Jahren "im sechsstelligen Bereich" angesiedelt. Er sei stets verhandlungsbereit, sagt er nun. Eine Summe, bei der er schwach werden könnte, will er jedoch nicht nennen.

Marolt möchte derzeit keinen weiteren Anlauf zur Realisierung seines Traums unternehmen. Das Projekt sei nur "aus politischen Gründen von der Stadt Klagenfurt, der Gemeinde und dem Land (die SPÖ hat überall die Mehrheit, Anm.) versenkt" worden. Das Ablehnen seiner Anträge sei politisch bedingt, glaubt der Ex-FPÖ-Nationalratsabgeordnete. Im Hinterkopf geistert die Bühnen-Vision noch herum. "Ich kann das nicht aus den Augen verlieren", gesteht er, denn er hätte Kontakt zu einem deutschen TV-Sender, der in den Sommermonaten eine wöchentliche "Talk-am-See"-Sendung aus St. Kanzian produzieren wolle.