Reptilienexperte Stangl mit einer Hornviper

© Siegfried Ullrich

Chronik Österreich
07/09/2021

Immer neue Zwischenfälle: Wie halten's die Österreicher mit ihren Schlangen?

In nur zwei Wochen kam es zu vier Vorfällen mit Schlangen in Österreich. Zwei Reptilienexperten über die Faszination Reptil.

von Anja Kröll

Sie ist eine von zwei Giftschlangen, die es in Österreich gibt: Die Hornviper. Einem 24-jährigen Oberösterreicher wurde ihre illegale Haltung in seiner Wohnung in einem Mehrparteienhaus in Enns nun zum Verhängnis. Als der Mann das Tier aus dem Terrarium nahm, um es zu füttern, biss die Schlange zu. Für den 24-Jährigen kam jede Hilfe zu spät. Der tragische Unfall reiht sich in eine ganze Serie von Vorfällen mit Schlangen in den vergangenen 14 Tagen ein.

Zwei Mal Schlangen im Klo

Etwa am Donnerstag in Wien: Eine Boa war im Klo einer Frau aufgetaucht. Die Wienerin entging nur knapp einem Biss. Der Vorfall ähnelt jenem in Graz. Dort war erst am Montag die Python des Nachbarn im Klo eines 65-Jährigen aufgetaucht und hatte den Mann in seine Genitalien gebissen. Und in Kärnten stieß die Polizei Ende Juni bei der Kontrolle eines Häftlings mit Fußfessel in seiner Wohnung in einem Mehrparteienhaus auf zehn Giftschlangen und zwei Vogelspinnen. Darunter die giftigste Schlange der Welt, ein Taipan.

Dass die Häufung der Fälle auf eine vermehrte Haltung gefährlicher Tiere in den Wohnzimmern der Österreicher hindeutet, daran glaubt Helga Happ, Direktorin des gleichnamigen Reptilienzoos in Kärnten und gerichtliche Sachverständige für Reptilien nicht.

Faszination Reptilien

"Das ist Zufall. Wer sich für Reptilien interessiert, der schafft sich welche an. Egal wie die Gesetzeslage ist", erklärt Happ im KURIER-Gespräch. Die Frage bleibt: was fasziniert Menschen an der Haltung gefährlicher und giftiger Tiere? „Grundsätzlich ist es nichts anderes, als die Faszination, die etwa das Bergsteigen auslöst. Man könnte sich auch fragen, was ist der Reiz daran, eine senkrechte, 400 Meter hohe Wand hinauf zu klettern“, sagt Werner Stangl, Reptilienexperte und Obmann des steirischen Reptilien- und Amphibienvereins.

Und Happ fügt hinzu: "Das Spannende, das Unbekannte, das fasziniert Menschen an Reptilien. Wie ein Hund, oder eine Katze reagieren, das weiß man. Außerdem kann man Reptilien einfach artgerecht halten und auch einmal über das Wochenende alleine lassen."

Haltung Ländersache

Welche Reptilien man halten darf, ist in Österreich Ländersache und somit von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. In Wien, Niederösterreich und Kärnten ist die Haltung sogenannter Gefahrentiere generell verboten. "In allen anderen Bundesländern ist die Haltung gefährlicher Tiere bewilligungspflichtig. Geregelt ist dies durch das Sicherheitspolizeigesetz", erklärt Happ. 

In der Steiermark läuft dies in der Praxis etwa so ab: Kauft sich jemand ein Gefahrentieren, also Giftschlangen, Krokodile oder eine Riesenschlange über drei Meter, rückt jemand von der Gemeinde mit einer Checkliste und eventuell einem  Sicherheitsverständigen zur Überprüfung aus. Zwei dieser Sicherheitsverständigen gibt es in der Steiermark. Einer davon ist Stangl. „Die Checkliste haben wir seit 2012. Davor hat jeder irgendwo, irgendwas gehalten. Nun haben wir mehr Transparenz. Das Konzept hat sich bewährt. Denn alles was ich komplett verbiete, wird noch interessanter“, ist Stangl überzeugt. Einmal im Jahr wird dann der Halter kontrolliert.

400 Giftschlangen weltweit

Wie viele Österreicher Reptilien halten, ist unklar. "Das lässt sich seriös nicht mehr schätzen. Vor allem seit der Handel über das Internet boomt", erzählt Happ. In der Steiermark gäbe es laut Stangl rund vier bis fünf Giftschlangenhalter. Weltweit sprechen Experten von 3.800 Schlangenarten, rund 400 davon sind giftig.

In Österreich sind lediglich sechs Schlangen heimisch. Die Ringel-, die Äskulap-, die Würfel-  und die Schlingnatter sind die ungiftigen Vertreter. Die Horn- und die Kreuzotter zählen zu den Giftschlangen. Als bereits ausgestorben, gilt die ebenfalls giftige Wiesenotter.

Wer sich eine Giftschlange in Österreich kaufen will, kann dies auf diversen Reptilienbörsen, im Zoohandel, bei Züchtern oder eben online. Eine Erlaubnis zum Kauf braucht man nicht. „Das funktioniert wie bei einem Welpen“, erklärt der Reptilienexperte. Für eine Hornviper würde man etwa zwischen 100 bis 500 Euro bezahlen.

Generell sei aber der Trend zu beobachten, dass die Haltung von Gefahrentieren zurückgehe. „Schwarze Schafe, die sich illegale eine Giftschlange halten und diese nicht melden, wird es immer geben. Aber es gibt auch genügend Halter, die sich an die gesetzlichen Vorschriften halten.“

Internet im Blick

Der steirische Reptilienverein behält übrigens auch die Aktivitäten im Internet genau unter Beobachtung. „Wir schauen, wer auf Social Media neu dazu kommt und begleiten auch Leute bei ihrem Einstieg, damit alles gut abläuft“, sagt Stangl. Welchen Tipp er einem Einsteiger geben würde, der eine Giftschlange in seiner Wohnung halten will? „Lassen Sie die Finger davon. Ein Neuling sollte nie mit einer Giftschlange einsteigen. Halten Sie ein ungiftiges Tier und lernen Sie von ihm.“

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