Chronik | Österreich
30.10.2017

Die moderne Hexe drückt die Schulbank, bevor sie zaubert

Zu Halloween liegen Hexen hoch im Kurs. In Graz lehrt eine von ihnen Magie, Diplom inklusive.

"Ich bin eine Hexe. Ich steh’ dazu." Romana Pfleger holt schmunzelnd einen Kessel hervor. So einen, wie man ihn sich eben im Besitz einer Hexe vorstellt, schwarz und bauchig. Hinter ihr liegen Zauberstäbe aus Holz, jede Menge Kräuter, viele Kerzen.

2012 hat sich die frühere Telekom-Beamtin in Graz selbstständig gemacht. Nach einer Ausbildung zur Kräuterpädagogin gründete sie eine Hexenschule, die erste Österreichs. 146 Schüler hatte sie seither, unter ihnen auch sieben Männer. Zehn Module zu je 98 Euro in zehn Monaten bietet sie an, von Kräuterkunde und Mondwissen über Orakel- und Sternenkunde bis zu Hexenfesten – Hexendiplom inklusive.

Als Esoterikerin bezeichnet zu werden, kann die Steirerin verstehen. "Das ist eben der Überbegriff." Aber ihr Scharlatanerie vorzuwerfen würde sie dann doch ärgern. Sie sei bodenständig und lehre altes Wissen – so sei es auch in der Generation ihrer Uroma noch ganz normal gewesen, Raunächte einzuhalten oder Kräutertinkturen zu verwenden. "Ich hab’ nichts gegen den Hexenbegriff. Ich finde aber Wurzelweib und Wenderin besser. Ich sehe mich als Wenderin", überlegt Pfleger. "Ich versuche, mit Tipps anderen zu helfen, ihr Leben zu wenden."

Positiv denken

Der Weg zur Wende beginne mit positivem Denken. Bei der Hexe braucht es dazu aber schon Rituale: Handgeschriebene Wunschzettel unter eine brennende Kerze legen etwa helfe beim Fokussieren, ebenso wie die Zauberstäbe. Sieht aus wie ein Klischee – das sei es aber nicht, mahnt Pfleger. "Positiv denken ist ja nichts anderes als Magie. Man hat ein Ziel vor Augen, auf das man hinarbeitet." Das könne auch im Alltagsstress helfen. "Warum gibt’s denn heute so viele Krankheiten, Burnouts, nervliche Geschichten?", fragt Pfleger. "Weil jeder in einem Hamsterrad rennt mit Zwölf-Stunden-Arbeitstagen." Auch dagegen hat die Hexe Rezept und Ritual: "Loslassen und rauskommen. Aufschreiben, was hat funktioniert über das Jahr, und was nicht. Und lernen daraus."

Farben, Kräuter, Blumen, Kristalle, aber auch Uhrzeiten haben ihre Rollen im Hexenkult. Dunkles Grün steht für Geld, gelb für Gesundheit, blau und orange für Erfolg, rot für eine bestehende Liebe, pink für eine neue.

Halloween steht vor der Tür, für Hexen eine ernste Sache. Der 31. Oktober ist der "Hexensilvester": "Damit ist das Jahr für uns beendet, wir gehen in eine Ruhepause." Bis zu Lichtmess am 2. Februar ist Schluss mit der Hexenkunst, nach dem 31. Oktober darf nicht mehr gezaubert werden: Magie würde nicht so wirken, wie erhofft.www.pr-derhexenladen.at