Als gefräßig gelten die geschützten Fischotter – und als wählerisch, denn sie schnappen sich meist nur die besten Stücke vom Fisch. In Kärnten richten sie enorme Schäden an

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Kärnten
10/07/2015

Die Jagd auf Fischotter ist eröffnet

Raubtier reduzierte Fischbestand seit 2009 um 70 Prozent. Abschuss-Bescheid zum Schutz der Urforelle.

von Thomas Martinz

Sie sehen niedlich aus, sind aber vor allem eines: gefräßig. In Kärnten haben Fischotter den Fischbestand in den vergangenen sechs Jahren um 70 Prozent reduziert. Jetzt ist die Jagd auf die Marder eröffnet – vorerst sollen sie gefangen und nach Holland "exportiert" werden, ab 1. November dürfen sie auch erstmals bejagt werden.

From Zero to Hero – so könnte man die Karriere des Raubtiers in Kärnten beschreiben. Vor 50 Jahren galt es als ausgestorben. Im Jahr 2004 wurden per Losungszählung 20 Individuen ermittelt, 2009 waren es 60 und nun rund 200 – somit gilt der Otter als Platzhirsch in Kärntens Bächen, Flüssen und Fischteichen.

Von 2009 bis heute hat der gefräßige Geselle den Fischbestand in Kärnten um 70 Prozent schrumpfen lassen. "Von 167 Kilogramm je Hektar auf 43 Kilo", sagt Wildbiologe Roman Kirnbauer. Ein Otter benötige rund zehn Prozent seines eigenen Körpergewichts an Nahrung. Nachdem das EU-weit streng geschützte Tier als wählerisch gilt und oft nur die besten Stücke des Fisches zu sich nimmt, kann es für seine tägliche Ration bis zu drei Kilo Fisch beanspruchen.

Die Fischbiomasse im Görtschitztal ist seit 2009 sogar um 80 Prozent zurückgegangen. Ausgerechnet dort ist die Urforelle beheimatet, die auf der Roten Liste der bedrohten Arten zu finden ist. Und um sie zu schützen, wird nun die Jagd auf "Einzelstücke", wie es im Amtsdeutsch heißt, eröffnet. "In erster Linie soll versucht werden, die Tiere zu fangen. Aber parallel dazu ergeht ein Bescheid zur Abschusserlaubnis, weil das höhere Gut – in diesem Fall die Urforelle – beim Schutz Priorität hat", betont Jagdreferent Christian Ragger (FPÖ). Die Jagderlaubnis wird vom 1. November bis 31. Jänner gelten.

Projekt läuft bis 2019

Was Fangversuche betrifft, so setzt Kärnten nun ein wissenschaftliches Projekt um, das von Herbst 2015 bis Sommer 2019 läuft. "Ziel ist es, den Fischotterbestand durch Lebendfang zu senken, um zu prüfen, in welchem Ausmaß und Zeitraum dies zur Erholung der Fischbestände führt", beschreibt Kirnbauer das Vorhaben.

Geschnappt werden sollen die scheuen Tiere mittels Gummitellerfallen, die die Verletzungsgefahr gegen null reduzieren. Per GPS erfolgt die Meldung des Jagderfolges auf Mobiltelefone. In der Folge werden die Otter nach Holland gebracht, wo aktuell ein Wiederansiedelungsprojekt läuft.

Kärnten schreibt Schutzzäune vor

In einem Kärntner Fischteich ist der Tisch für den hungrigen Fischotter reichlich gedeckt. Findet das Tier einmal Zugang zum Wasser, wird man es schwer wieder los. Die Zuchtfische werden getötet oder schwer verletzt.
Wie sieht es aber mit Schadenersatz für die Eigentümer aus, wenn die geschützten Räuber wieder von dannen gezogen sind? Die Kärntner Jägerschaft sieht sich von Schadenersatzforderungen ausgenommen. „Wildschäden sind solche, die von Wild an Grund und Boden oder an Haustieren verursacht werden. Aber ist ein Fisch ein Haustier? Wir legen das Kärntner Jagdgesetz jedenfalls so aus, dass es keines ist“, betont Freydis Burgstaller-Gradenegger von der Kärntner Jägerschaft.
In der Vergangenheit wurden daher Schäden auf dem Kulanzweg aus einem Entschädigungstopf von Jagdreferent Christian Ragger bezahlt. Nachdem zuletzt die Forderungen zunahmen und die finanziellen Ressourcen des Landes immer knapper wurden, fließt aktuell kein Geld. „Wir versuchen, den Topf durch Umschichtungen wieder zu füllen. Es gilt aber auch abzuklären, ob das nicht ein Fall für Versicherungen ist“, sagt Ragger.
Das Land Kärnten will künftig weniger auf Entschädigungszahlungen, sondern mehr auf nachhaltige Maßnahmen setzen. „Bei Neubewilligungen von Fischteichen schreiben wir bereits die Errichtung eines Zaunes vor, der die Fischzucht vor Ottern schützt“, erklärt Thomas Friedl, stellvertretender Fischereiinspektor des Landes

Forschung soll Tür zu Otter-Regulierung öffnen

Schäden in den Fischbeständen beklagen seit Jahren auch Burgenlands Teichbesitzer. Eine Bejagung wird von Seiten des Landes aber scharf zurückgewiesen. „Ein Abschießen ist das letzte Mittel. Das kommt bei uns nicht in Frage“, heißt es aus dem Büro der zuständigen Landesrätin Astrid Eisenkopf (SPÖ). Stattdessen setzt man weiterhin auf die Förderung von Einzäunungen für Teichwirte.
Um Konflikte zwischen Naturschützern, Teichbesitzern und Anglern besser handhaben zu können, wird seit gut einem Jahr mit Andreas Kranz ein eigener Fischotterombudsmann eingesetzt. Der Experte im Bereich Wildökologie beschäftigt sich bereits seit Jahrzehnten mit dem Thema Fischotter. „Im Burgenland sollen im Rahmen eines Forschungsprojektes Otter lebend gefangen werden, um so die tatsächlichen Auswirkungen der Tiere auf den Fischbestand besser verstehen zu können“, erklärt Kranz. Derzeit würde es rund 150 Fischotter im Burgenland geben (ohne Jungtiere).
Heimische Fischotter könnten schon bald in den Niederlanden eine neue Heimat finden. Es bestehe Interesse aus den Niederlanden, Wildfänge des Fischotters aus Österreich für ein Wiederansiedlungsprojekt zu verwenden.
RegulierungDer Verband der Waldviertler Teichwirte muss seit Langem mit hohen Schäden leben und fordert seit Langem eine Regulierung des Otterbestandes, ohne diesen zu gefährden.
Der Niederösterreichische Landesfischereiverband hat seit längerer Zeit eine groß angelegte Untersuchung laufen, in der Auswirkungen der Fischotter auf die Fische in den Gewässern untersucht werden. Der niederösterreichische Landesfischermeister Karl Gravogl bleibt in seinen Aussagen vorsichtig: „Es wird konkret auf eine Lösung betreffend der Fischotter-Problematik hingearbeitet. Nicht zuletzt, da die Weiterentwicklung eines
Biber- und Fischottermanagements auch im niederösterreichischen Landtag als wichtig erachtet wurde. Eine Aussage über unsere derzeit noch laufenden Fischotter-Kotuntersuchungen zu treffen, wäre allerdings verfrüht. Wir sehen dem Endbericht (Februar 2016) jedoch positiv entgegen.“

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