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Chronik Österreich
07/04/2020

Die grüne Grauzone: CBD-Shops vor dem Aus

Hanf-Shops befinden sich im rechtsfreien Raum. Bald könnte ihnen die Existenzgrundlage fehlen.

von Birgit Seiser

Die Köpfe rauchen: Im Finanz- und Sozialministerium, bei den Trafikanten und den Hanf-Shop-Betreibern, denn niemand weiß, wie es in Sachen CBD weitergehen soll. Am Mittwoch wurde eine Kundmachung des Finanzministeriums veröffentlicht, wonach nur noch Trafiken CBD-Rauchwaren verkaufen dürfen. CBD ist ein nicht berauschender Wirkstoff aus der Cannabispflanze. Er wird in Österreich immer beliebter und soll unter anderem gegen Schmerzen oder Migräne helfen.

Kurze Freude

Die Trafikanten freuten sich. Seitdem das absolute Rauchverbot in Lokalen gilt, könnte das Geschäft durch die neue Produktgruppe angekurbelt werden. Die Freude hielt aber nur kurz, Stunden später ruderte das Finanzministerium zurück.

Qualitätssicherung

Die Veröffentlichung sei von einem Abteilungsleiter ohne Rücksprache mit dem Sektionschef erfolgt; man müsse die Sache prüfen. Josef Prirschl, Obmann der Tabaktrafikanten kann sich diesen Schritt nicht erklären: „Für uns ist die Sache klar. CBD-Blüten sind Rauchwaren und fallen unter das Tabakgesetz. Es geht darum, die Qualität der Produkte zu sichern, und das können wir als Trafiken gewährleisten.“

Konkret geht es um die Menge an THC, also dem psychoaktiven Wirkstoff der Hanfpflanze. Der darf in CBD-Produkten den Grenzwert von 0,3 Prozent nicht überschreiten. Kontrolliert wird das nicht wirklich – der Markt befindet sich seit jeher in einer Grauzone.

CBD ist ein nicht berauschender Wirkstoff der Cannabispflanze. Er soll beruhigend und schmerzstillend wirken. 78 Prozent der Österreicher wünschen sich laut einer Umfrage  eine bessere Verfügbarkeit von CBD 

THC ist der psychoaktive Stoff der Cannabispflanze, er macht also „high“. THC ist in Österreich illegal. CBD-Produkte werden aus Pflanzen hergestellt, die so gezüchtet werden, dass sie einen THC-Gehalt von unter  0,3 Prozent haben

300 Geschäfte haben sich in Österreich auf den Verkauf von Hanfprodukten spezialisiert. Sie verkaufen neben CBD-Produkten auch Rauchutensilien

1.500 Mitarbeiter sind in den Hanf-Shops österreichweit beschäftigt

250 Millionen Euro erwirtschaftet die Branche in Österreich laut dem Wirtschaftsverband

Mittlerweile gibt es über 300 Geschäfte, die CBD-Produkte verkaufen. Würden tatsächlich die Trafiken die einzigen sein, die die Rauchwaren verkaufen dürfen, stehen 1.500 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Weil die Kontrolle fehlt, gibt es in der Branche immer mehr schwarze Schafe, die sich nicht an die Grenzwerte halten. „Wir verstehen und begrüßen, dass der Staat CBD-Produkte zum Rauchen besser kontrollieren möchte und muss und Produkte zum Rauchen auch in Trafiken verkauft werden sollen. Auf der anderen Seite erwarten wir – und da spreche ich für alle etablierten CBD-Shops, die auf qualitativ hochwertige Ware setzen –, dass es eine Doppelstruktur geben wird“, sagt Sophie Sagmeister vom CBD-Shop Magu.

Diese Doppelstruktur könnte so ausschauen, dass sowohl Trafiken als auch Hanf-Shops die Produkte verkaufen dürfen. Für Spartenobmann Prirschl ist das keine Lösung. Ebenso wenig für das Gesundheitsministerium: Auf KURIER-Anfrage heißt es, dass die Produkte vollumfänglich unter das Tabakgesetz fallen. Es scheint also nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich die Existenzgrundlage der Hanf-Shops in Rauch auflöst.

Und plötzlich war es illegal

Es war ein erfolgreicher Werbe-Coup der Wiener Traditionskette Aida. Die Konditorei brachte Brownies mit CBD auf den Markt und die waren schnell in aller Munde. Doch kurze Zeit später, war es vorbei mit der entspannenden Leckerei. Die damalige Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ), verfügte im Frühjahr 2019 per Erlass, dass CBD nicht mehr als Lebensmittel verkauft werden darf – was nicht nur für Aida ein Problem darstellte.

Auch Apotheken und Hanf-Shops hatten Produkte als Zuckerl oder Öl verkauft. Hartinger-Klein berief sich auf die Novel Food-Richtlinien der EU, was den  Geschäften keinen Spielraum ließ. Wer hoffte, dass der blaue Erlass unter dem grünen Gesundheitsminister Rudolf Anschober fallen wird, der irrt. Auf KURIER-Anfrage heißt  es, dass er bestehen bleibt. Doch auch hier fanden die Shops eine kreative Lösung. Anstatt die Produkte als Lebensmittel zu deklarieren, werden viele nun eben als Räucher- oder Massageöle verkauft.