Chronik | Österreich
01.10.2018

Die „Geheim-Mission“ des russischen Oligarchen Deripaska

Ohne das Wissen der Bürgermeisterin fanden die Feierlichkeiten rund um die orthodoxe Kirche statt.

In Laa an der Thaya (Bezirk Mistelbach) ist am Sonntag eine neue russisch-orthodoxe Kirche geweiht worden. Sie wurde vom russischen Milliardär Oleg Deripaska finanziert. Der Großvater des Oligarchen war im Zweiten Weltkrieg nahe der Weinviertler Stadt gefallen und wurde auf dem örtlichen russischen Soldatenfriedhof begraben.

Bei der Weihe am Sonntag war Deripaska persönlich anwesend. Außerdem nahm der russische Botschafter in Österreich, Dmitrij Ljubinskij, an den Feierlichkeiten teil. Ursprünglich waren diese bereits für den 23. September angedacht gewesen, berichtet Laas Bürgermeisterin Brigitte Ribisch (ÖVP). „Nachdem ich schon alles freigeschaufelt hatte, wurde der Termin dann kurzfristig abgesagt. Dass die Weihe dann am Sonntag stattgefunden hat, habe ich durch Zufall erfahren“, sagt sie. „Es waren nur geistige Würdenträger und Diplomaten anwesend. Es war eine kleine Gruppe“, fährt sie fort. Ob es noch einen weiteren offiziellen Termin für die Eröffnung geben wird, ist laut Ribisch derzeit noch unklar.

Ein Punkt, der noch geändert werden muss, sei zudem noch offen. „Der Stiegenaufgang wurde anders gebaut, als er im Plan vorgesehen war. Das muss auf jeden Fall noch geändert werden“, sagt Ribisch, die auch Vorsitzende der Baubehörde ist. „Der Straßenwalzerei gehört die Straße, die hat das urgiert. Es ist nichts Schlimmes, auf das Gesamtkostenausmaß wird das keine Auswirkungen haben“, ist sich die Bürgermeisterin sicher.

Welterbe-Nachbau

Deripaska hatte im Jahr 2006 das Grab seines Großvaters besucht. Dieser war bei den letzten Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges bei Laa an der Thaya gefallen. Er liegt auf dem russischen Soldatenfriedhof der Thermenstadt begraben. Sein Enkel kam im Jahr 2006 zu Besuch. Wenige Wochen später beschloss der Milliardär, der zu den reichsten Russen zählt, die „Mariä Schutz und Fürbitte Kirche an der Nerl“, die sich bei Wladimir in Russland befindet, nachzubauen. Das Besondere an dem Gotteshaus: Als eines der bedeutendsten Denkmäler der altrussischen Baukunst steht die Kreuzkuppelkirche als UNESCO-Welterbe unter Schutz.

Die Kirche sollte nur halb so groß werden (Maßstab 1:2) wie das russische Original. „Herrn Deripaska war es immer wichtig, dass der Bau nicht höher wird als die Friedhofskapelle“, sagte 2014 der damalige Bürgermeister Manfred Fass ( ÖVP). Rund 18 Meter hoch sollte die Basilika werden. Er zeigte sich überzeugt, „dass für unsere Stadt der Bau der Kirche eine zusätzliche touristische Attraktion ist“.

Baubewilligung 2007

Die Baubewilligung für das Kirchenprojekt wurde bereits im Jahr 2007 gegeben. Nach der Wirtschaftskrise wurde es dann aber still um das monumentale Projekt. Erst 2014 nahm es wieder Fahrt auf. Mit mehr als 70 Sattelschleppern wurde dann Baumaterial aus Russland angekarrt. Hunderte Kilogramm schwer waren die einzelnen Steine und so groß, dass sie gerade noch auf eine Europalette passten. Die Steine wurden von russischen Steinmetzen bearbeitet. Zehn der Steinmetze sollten sogar für den Bau der Kirche eingeflogen werden. Gelagert wurde die wertvolle Fracht auf dem Werksgelände der Strabag, das sich in der Nähe des Bauplatzes befindet. Die Polizei hatte ein besonderes Augenmerk auf den Lagerplatz.

Die nun fertiggestellte orthodoxe Kirche soll ständig öffentlich zugänglich sein. Sie ist ein Teil des Soldatenfriedhofs, der während der Bauzeit seit 2014 ebenfalls komplett renoviert worden ist.