Finanzberater Daniel Wiesner hat Monate der potenziellen Bedrohung hinter sich.

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Banker-Mord
08/19/2014

"Die Gefahr für mich war gegeben"

Der Vorarlberger Daniel Wiesner stand auf der Liste der Feinde des "Robin Hood von Liechtenstein".

von Christian Willim

Banker, Politiker, Geschäftspartner und das Fürstenhaus von Liechtenstein: Die Liste der erklärten Feinde des mutmaßlichen Banker-Mörders Jürgen Hermann war lang. Sie alle machte der 58-Jährige für seinen Ruin verantwortlich. Am 7. April soll er den Bankier Jürgen Frick in Liechtenstein erschossen haben. Am Rhein verlor sich die Spur des Flüchtigen. Vieles deutete auf Selbstmord hin. Doch erst, seitdem eine im Bodensee gefundene Wasserleiche am Montagabend als Jürgen Hermann identifiziert wurde, herrscht Gewissheit.

Umso größer ist die Erleichterung bei jenen, die Hermann noch im Visier hätte haben können. Finanzberater Daniel Wiesner (56) aus Feldkirch ist einer von ihnen. Er war 2004 für einige Monate im Verwaltungsrat von Hermanns Fondsgesellschaft und wurde später von ihm verklagt. Im KURIER-Interview spricht Wiesner über vier Monate Ungewissheit.

KURIER: Wie groß war Ihre Erleichterung, als der Tod von Jürgen Hermann bestätigt wurde?

Daniel Wiesner: Die war sehr groß. Es ist ein beruhigendes Gefühl, dass das jetzt endgültig erledigt ist. Aber da wird es nicht nur mir, sondern vielen anderen auch so gehen.

Wie sahen die vergangenen vier Monate für Sie aus?

Es war eine Belastung, dass man zuerst einmal von dieser fürchterlichen Nachricht über den Tod eines persönlich Bekannten, der in der eigenen Firma fast hingerichtet worden ist, erfahren hat. Da ist eine starke Verunsicherung da. Das Psychogramm des Herrn Hermann war mir doch sehr vertraut. Und die Gefahr für mich persönlich war gegeben, dass er doch noch weitere Taten folgen lässt. Ich stand sicherlich nicht an der ersten Stelle der von ihm gehassten Personen, weil ich nicht so bedeutend bin wie andere. Aber es ist nicht gerade angenehm.

Wie hat sich Ihr Leben nach dem Verschwinden von Hermann verändert? Es war ja nicht klar, ob er noch lebt und weitere Rachepläne hat.

In der ersten Woche bin ich mit einem anderen Auto herumgefahren. Ich habe mich in der ganzen Zeit etwas vorsichtiger im Raum Feldkirch bewegt. Man bekommt Empfehlungen, in Urlaub zu gehen oder sich auf eine Fernreise zu begeben. Kriminalpolizei und auch andere haben mir gesagt: Am besten, Sie verschwinden eine Zeit von der Bildfläche. Das ist aber nicht ganz so einfach, wenn man ein normales Geschäft führen muss.

Standen Sie auch unter Schutz?

Ich hatte das Angebot, habe es aber nicht angenommen.

Hatten Sie in der Zeit Angst um Ihre Familie?

Ich hatte bei mir nicht das Gefühl, dass sie bedroht ist. Aber Jürgen Frick, der leider dem Ganzen zum Opfer gefallen ist, hat mir in einem persönlichen Gespräch dargelegt: Er will den Herrn Hermann nicht reizen bzw. geht ihm aus dem Weg, weil er in Liechtenstein wohnt, eine Familie und drei Kinder hat.

Viele haben an einen inszenierten Selbstmord geglaubt. Was dachten Sie?

Ich habe eher gedacht, dass er geflüchtet ist. Er war ein guter Schwimmer und sehr sportlich. Dass er dann in den Rhein geht und sich die Pistole ansetzt – er soll sich ja selbst hingerichtet haben – habe ich nicht in Erwägung gezogen. Ich habe gedacht, dass er versucht hat, seine Spuren zu verwischen und abzuhauen. Ich bin froh, dass ich mit meiner Theorie nicht recht hatte.

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