Chronik | Österreich
14.04.2018

Die gefährlichsten Strecken für Biker

Die Motorrad-Saison ist eröffnet, und ihr Beginn ist gleichzeitig auch die gefährlichste Zeit für die Fahrer

So wie der Frühling das Land erobert, erobern die Motorrad-Fahrer derzeit die Straßen zurück. Doch gerade die lange Winterpause setzt dem Können vieler Biker zu, wie der Motorrad-Chefinstruktor der ÖAMTC-Fahrtechnik, Georg Scheiblauer, erklärt: „Zu der fehlenden Praxis kommt bei niedrigen Temperaturen auch noch schlechter Grip der Reifen. Am Straßenrand und in Kurven liegt außerdem noch sehr oft Rollsplit.“

Obwohl die Saison 2018 wegen des schlechten Wetters sehr spät startete, gab es bereits mehrere folgenschwere Unfälle. Allein in Oberösterreich verbuchte die Polizei am vergangnen Wochenende drei Schwerverletzte.

Die Unfallopfer waren allesamt männlich, zwischen 30 und 50 Jahre alt und ohne Zutun eines anderen Verkehrsteilnehmers gestürzt. Wegen des Alters, des Geschlechts der Lenker und der Art der Unfälle, könnte man diese fast schon als klassisch bezeichnen: 2017 verloren 83 Motorradfahrer auf Österreichs Straßen ihr Leben. Der Großteil der Opfer, nämlich 94 Prozent, waren Männer im mittleren Alter. Bei mehr als einem Drittel der Unfälle war kein anderer Verkehrsteilnehmer beteiligt.

Vor allem Freilandstraßen sind für Biker gefährlich. 86 Prozent der tödlichen Unfälle passierten abseits von Autobahnen oder Stadtgebieten. Doch gerade diese Strecken, stehen bei den Motorradfahrern besonders hoch im Kurs.

159 km/h zu schnell

Auf der wohl berühmtesten, aber auch berüchtigtsten Motorradstrecke Ostösterreichs, der Kalten Kuchl, herrscht an warmen Wochenenden Ausnahmezustand. „Pro Stunde brausen 100 Motorräder vorbei, das ist ganz normal“, sagt Klaus Schweiger von der Polizeiinspektion Pernitz (Bezirk Wiener Neustadt). Obwohl bereits seit 2005 in der Kalten Kuchl und am Rohrer Berg Tempo 70 für Biker gilt, ist das bei einigen Fahrern noch nicht so richtig angekommen. „Wir müssen in den Bereichen die ganze Saison über regelmäßig Schwerpunktkontrollen durchführen“, erklärt der Leiter der Landesverkehrsabteilung NÖ, Brigadier Ferdinand Zuser.

Viele verwechseln die kurvige, malerische Strecke mit einem Moto-GP-Kurs. Der traurige Spitzenwert am Rorher Berg liegt bei gemessenen 229 km/h – bergauf und mit der Ehefrau am Sozius.

Schwerpunktkontrollen

Bei Schwerpunktkontrollen am Wochenende hagelt es teilweise 150 Anzeigen und mehr. Eines der größten Probleme ist, neben der Geschwindigkeit, die Lautstärke der Bikes. „Für einen besseren Sound werden oft die Schalldämpfer aus den Auspuffanlagen entfernt“, sagt Schwaiger. Für die ohnedies lärmgeplagten Anrainer an der Strecke ein kaum auszuhaltender Umstand. Die technischen Veränderungen werden bei den Kontrollen durch den Prüfzug erkannt und mit saftigen Strafen geahndet.

Aber nicht nur die Kalte Kuchl in Niederösterreich wird vielfach von Motorradfahrern unterschätzt. Gerade die beliebtesten Landstraßen sind auch die gefährlichsten für Zweirad-Fahrer (siehe Grafik oben). Von vielen Unfällen kann auch die Polizei in Salzburg auf der Hochkönig Straße berichten: „Durch das hohe Verkehrsaufkommen ist diese Strecke ganz klar gefährlich.“

Es wurden bereits Maßnahmen wie Leitschienen-Vorhänge gesetzt “, sagt Polizeisprecher, Fritz Grundnig. Diese Systeme verhindern, dass Motorradfahrer nach einem Unfall unter die Leitschiene schlittern. Mittlerweile werden sie an vielen neuralgischen Punkten eingesetzt. Die Experten von Polizei und ÖAMTC mahnen aber trotz Sicherheitsvorkehrungen, bei den ersten Ausfahrten in diesen Jahr besondere Vorsicht walten zu lassen.