© APA/HERBERT NEUBAUER

Chronik Österreich
01/05/2019

Die „Ehe für alle“ läuft gemächlich an

Die unklare Rechtslage bremst noch den Run auf die Standesämter in Österreich.

von Julia Schrenk, Ida Metzger

Nicole und Daniela Kopaunik waren die ersten in Österreich: Sie gaben sich am 1. Jänner kurz nach Mitternacht das Jawort. Auch in Wien (2. Jänner) und Graz (3. Jänner) hat schon jeweils ein homosexuelles Paar geheiratet, in Innsbruck ehelichte am 5. Jänner die ehemalige Beachvolleyball-Staatsmeisterin und Vize-Europameisterin Sara Montagnolli ihre langjährige Lebensgefährtin.

So richtig angelaufen ist der Run auf die Standesämter aber bisher nur in Wien. 50 homosexuelle Paare haben sich bereits zur Hochzeit angemeldet und einige wenige Heteros, die sich verpartnern wollen. Die Standesamtsreferate rechnen aber mit einem weiteren Anstieg der Anmeldungen. Bis jetzt hätten sich viele Paare zögerlich gezeigt, weil die Rechtslage nicht eindeutig war. Etwa hinsichtlich der Frage, ob die Verpartnerung beim Übertritt in die Ehe vorher rechtlich aufgelöst werden muss.

Das war auch in St. Pölten ein Thema. Vier gleichgeschlechtliche Paare haben sich heuer über die Rechtsgrundlage informiert, ein Hochzeitstermin wurde noch nicht gebucht. In Linz gab es bisher drei Anfragen für eine gleichgeschlechtliche Ehe, ein Paar wird fix noch im ersten Halbjahr heiraten.

In Bregenz und Eisenstadt allerdings hat sich bisher weder jemand für eine Verpartnerung, noch eine Homo-Ehe angemeldet. Auch in Salzburg, wo ja besonders viele Touristen heiraten, hat noch kein gleichgeschlechtliches Paar einen Hochzeitstermin fixiert.

Dafür geht es am Standesamt in Klagenfurt rund: Allein im Jänner werden zwei schwule und zwei lesbische Paare heiraten. Ein heterosexuelles Paar hat sich zur Verpartnerung angemeldet. Am 19.1.19 heiraten gleich sechs Paare (homo, wie hetero). Laut Evelin Burgstaller, Leiterin des Standesamts, hätten viele homosexuelle Paare die Möglichkeit zur Hochzeit abgewartet und deshalb ihre geplanten Verpartnerungen zugunsten der Ehe abgesagt.

Auch bei den professionellen Hochzeitsplanern rollt das Geschäft mit homosexuellen Brautpaaren so langsam an. Aber eines ist fix: Homoeheschließungen sind definitiv für die Weddingspezialisten und die Gastronomen ein gutes Geschäft. So wurde von drei Hochzeitsspezialisten eigens das Unternehmen Pink Wedding Austria gegründet. „Die Ehe ist für Homosexuelle etwas ganz Besonderes. Das Ereignis wird nicht im kleinen Kreis, sondern groß gefeiert. Sehr oft auch mit über 200 Gästen, und bei der Kulinarik wird auch nicht gespart“, so Andrea Dreger-Wicht von Pink Wedding Austria .