Chronik | Österreich
24.08.2017

Der Fall Dr. L. kommt ins Parlament

Parlamentarische Anfrage an Innen- und Justizminister zur Arztaffäre: Wo blieb die Hilfe für die Kinder?

Warum dauerte es Jahre, bis die Absonderlichkeiten des steirischen Arztes Dr. L. vor Gericht untersucht wurden? Und warum wurde den mutmaßlich gequälten vier Kindern des Mediziners so lange keine (amtliche) Hilfe gewährt? SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim verlangt von Innenminister Wolfgang Sobotka und Justizminister Wolfgang Brandstetter (beide ÖVP) mit einer parlamentarischen Anfrage Aufklärung.

Ende September wird der Prozess gegen den (mit vorläufigem Berufsverbot belegten) praktischen Arzt fortgesetzt. Er ist angeklagt, seine damals noch minderjährigen Kinder bedroht, gequält, zum Teil drogenabhängig gemacht zu haben. "Er hat mit unserem Leben gespielt. Wir haben keinen Wert für ihn", berichteten die inzwischen erwachsenen Kinder dem KURIER über ihren Vater, der sich vor ihren Augen Selbstverstümmelungen zugefügt hatte. Laut gerichtspsychiatrischem Gutachten diente das dazu, andere zu manipulieren und bei ihnen massive Schuldgefühle zu wecken.

Warnung

Bei Polizei und Bezirkshauptmannschaft prallten die Kinder mit Anzeigen monatelang ab. Nicht einmal die üblicherweise für relevant erachtete Einschätzung des Gewaltschutzzentrums, die vor einer bevorstehenden Straftat des Vaters warnte, wurde von den Behörden aufgegriffen.

Jarolim will in der Anfrage an die zuständigen Minister unter anderem wissen, warum es keine Rücksprache mit dem Gewaltschutzzentrum gab und warum keine einstweiligen Maßnahmen (z. B. Wegweisung) getroffen wurden, um die Betroffenen ausreichend zu schützen.