Chronik | Österreich
23.12.2017

Das große Aufräumen hat begonnen

Die entgleisten Züge in Kritzendorf wurden geborgen. Eingleisiger Betrieb ist vorausichtlich ab Montagfrüh möglich.

Einen Blick auf die umgestürzten Waggons werfen und über den Unfallhergang spekulieren – so verkürzten sich viele Kritzendorfer am Samstag das Warten auf das Christkind. "Ich wäre gestern fast in dem Cityjet nach Wien gesessen. Aus Zeitgründen sind wir dann doch mit dem Auto in die Oper gefahren. Da kamen uns schon die Einsatzfahrzeuge entgegen", sagt Anrainer Andreas Zbiral an der Absperrung. Angst, wieder in einen Zug zu steigen, habe er nicht. "Bahnfahren ist eines der sichersten Verkehrsmittel. Der Unfall ist einfach Pech." Auf Drängen ihres Sohnes Jakob ist auch Sylvia Zartl zum Bahnhof gekommen. "Er will Polizist, Feuerwehrmann oder Notarzt werden", erzählt sie. "Wir sind froh, dass der Unfall verhältnismäßig glimpflich ausgegangen ist."

Am Tag nach der seitlichen Kollision eines REX und eines Cityjets beim Bahnhof Kritzendorf, NÖ, waren die Aufräumarbeiten in vollem Gange. Beide Garnituren waren bei dem Unfall aus den Gleisen gesprungen. Zwei Waggons stürzten gänzlich um, ein dritter neigte sich zur Seite. Vier Personen wurden mittelschwer und acht leicht verletzt, ein Großaufgebot an Rettungskräften stand im Einsatz. Noch am Freitag entfernten die ÖBB Teile der Oberleitung. Am Samstag hob ein Kran die entgleisten Züge auf die Schienen, damit sie ein Bergezug abtransportieren konnte. Das Drehgestell eines REX-Waggons ist so stark beschädigt, dass er auf einen Abschleppzug gehoben werden muss. Nach dem Abtransport der Züge müssen Spezialwagen das beschädigte Gleisbett wieder in Stand setzen. Eingleisiger Betrieb werde daher voraussichtlich erst ab dem Christtag in der Früh wieder möglich sein, sagt ÖBB-Sprecher Roman Hahslinger.

Suche nach Ursache

Bis dahin sind Reisende zwischen Klosterneuburg und St. Andrä-Wördern auf einen Schienenersatzverkehr mit Autobussen angewiesen. Dieser dürfte am Samstag aber nicht ganz reibungslos funktioniert haben. Passagiere berichteten von Hektik und Chaos, Busse hätten nicht an den vorgesehenen Stationen gehalten. Man habe genügend Kapazitäten, entgegnet Hahslinger.

Nach wie vor unklar ist, wie es zu dem Unglück kam. Eine Untersuchungskommission erhob am Samstag die Unfallursache. Die Einvernahme der Lokführer stand laut Hahslinger noch aus. Die Ermittlungen des Landeskriminalamts Niederösterreich seien in vollem Gange, hieß es vonseiten der Polizei. Verkehrsminister Norbert Hofer ( FPÖ) hatte am Freitagabend gemutmaßt, dass der Grund in einem menschlichen Fehler zu suchen sei. Kritik an diesen Spekulationen kam prompt von der Gewerkschaft vida. Es sei "nicht angebracht, allzu vorschnell menschliches Versagen in den Raum zu stellen", sagt Vorsitzender Roman Hebenstreit. Dass auch ein technisches Gebrechen die Kollision verursacht haben könnte, sei noch nicht auszuschließen.