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Chronik Österreich
03/16/2020

Obdachlosen-Hilfsorganisationen suchen Freiwillige

Caritas, VinziWerke und Co. suchen dringend nach jungen Menschen, um gefährdete ältere Mitarbeiter zu schützen.

Vor einer besonders herausfordernden Situation stehen aufgrund des Coronavirus auch Obdachlosen-Hilfsorganisationen. Zahlreiche Organisationen von der Caritas bis zu den VinziWerken haben Freiwillige dazu aufgerufen, sie bei der Betreuung dieser gefährdeten Gruppe zu unterstützen. Auch finanzielle Hilfe wird dringend benötigt.

Am Montag riefen etwa die VinziWerke explizit junge Menschen dazu auf, sich ehrenamtlich um Obdachlose zu kümmern, um den Betrieb der Notschlafstellen weiter gewährleisten zu können. Viele der ehrenamtlichen Mitarbeiter seien in höherem Alter und daher gefährdet.

Bitte um Solidarität

Da man diese bisherigen Helfer schützen will, richte man nun einen Appell an jüngere Menschen: "Bitte zeigt Solidarität und unterstützt uns in unseren Einrichtungen, um auch weiterhin für Menschen in Not da sein zu können!", so Nora Tödtling-Musenbichler, Koordinatorin der VinziWerke Österreich, laut Aussendung. Gesucht werden, Tag-, Nacht-, Wochenenddienste in allen Einrichtungen der VinziWerke Wien und Kochdienste zusätzlich in den Einrichtungen VinziBett und VinziDorf Wien.

Die Vinzi-Einrichtungen arbeiten demnach "bis auf eine Ausnahme unter strenger Einhaltung aller Sicherheitsrichtlinien weiter". Geschlossen bleiben lediglich die VinziShops; VinziMärkte bleiben bis auf weiteres geöffnet. Man habe derzeit noch genug Ware, um Menschen mit wenig Einkommen mit Lebensmitteln versorgen zu können. Termine der Anlaufstelle für Hilfsbedürftige (VinziTreff Wien) ist jedoch nur mit Voranmeldung möglich, externe Besuche in den Notschlafstellen und Dauerherbergen sind nicht möglich.

Seitens des Roten Kreuzes verwies ein Sprecher gegenüber der APA auf die unterschiedlichen Modelle der Betreuungseinrichtungen für Wohnungslose. Vergleichsweise einfacher sei es derzeit beim Betreuten Wohnen wie es im "Haus Henriette" angeboten wird, wo Langzeitwohnungslose in ihren eigenen Zimmern leben.

Personalsuche auch beim Roten Kreuz

Schwieriger gestalte sich hingegen der Umgang mit hustenden Klienten in Tageszentren wie etwa "Am Stern" am Praterstern, wo man Menschen mit Symptomen nicht eigens absondern könne. Hier würden die Betreuenden rasch die Hotline 1450 anrufen. Wo es unterschiedliche Räumlichkeiten gebe - etwa in Nachtquartieren - werden derzeit zwei bis drei Räume für solche Fälle reserviert, wo Betroffene abgesondert auf das Eintreffen von Gesundheitsmitarbeitern warten können.

Betreuer würden angehalten, alle vorgegebenen Regeln - Abstand, Handhygiene, etc. - einzuhalten. Derzeit sei man bemüht, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Täglich werde die Situation neu bewertet, auch in Hinblick auf Personalausfälle. Diese wolle man durch den Einsatz von Freiwilligen kompensieren, auch Zivildiener würden vermehrt herangezogen. Derzeit könne man noch nichts über reaktivierte Zivildiener sagen, da diese nun erst gefunden und verteilt werden müssten. Die Frequenz von Wohnungslosen in den Einrichtungen habe sich seit Beginn der Maßnahmen aufgrund des Coronavirus noch nicht gesteigert, dies könne sich jedoch noch - je nach weiteren Maßnahmen zu Aufenthalten im Freien - ändern.

Beim Fonds Soziales Wien wird mit Hochdruck an der Ausgestaltung der Maßnahmen gearbeitet. In einem ersten Schritt werden in den Tageszentren die Maximalkapazitäten reduziert, um den nötigen Abstand zwischen den Menschen zu gewährleisten. Bei allen Maßnahmen gehe es um ein Zusammenspiel aus Schutz der Mitarbeiter, der Grundbetreuung der vulnerablen Zielgruppe sowie der Entsprechung der rechtlichen Rahmenbedingungen, wie ein Sprecher zur APA sagte.

Caritas in Notbetrieb

Auch die Caritas ist bemüht, ihre Dienste aufrecht zu erhalten. Die Situation sei sehr herausfordernd, "wir müssen teilweise unsere Hilfsangebote zurückfahren und arbeiten in einem Notbetrieb", sagte Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas der Erzdiözese Wien der APA. Von der aktuellen Situation besonders betroffen seien "jene Menschen, die bereits vor der Krise in Armutssituationen waren und Obdachlose". Konkret brauche es jedoch verstärkt finanzielle Mittel für die Obdachlosenarbeit und für die Betreuung behinderter sowie pflegebedürftiger Menschen, appellierte Schwertner, bereits am Wochenende an die Spenderinnen und Spender.

So hätten bereits viele ehrenamtliche Kochgruppen ihren Einsatz in der Wiener Obdachloseneinrichtung "Gruft" abgesagt. "Klar ist, dass wir die Versorgung dieser Menschen dennoch aufrechterhalten wollen. Klar ist aber auch, dass wir hierfür auf Spenden angewiesen sind", so Schwertner. Derzeit ruft die Caritas gerade in Wien dazu auf, sich zu melden, um bei wichtigen Hilfstätigkeiten zu unterstützen. "Unser Ziel ist es, die tägliche Hilfe für Menschen in Not weiter zu gewährleisten". Der Krisenstab der Caritas bewerte die Lage jeden Tag neu. Nun gehe es darum, "zusammenzuhalten, aber auseinanderzubleiben und nicht auf die Schwächsten vergessen", sagte Schwertner.

Abwartend zeigte man sich bei der Wiener Straßenzeitung Augustin: Man sei dabei, die rechtliche Lage zu klären, hieß es auf APA-Anfrage. Heute und morgen werde man den Verkäufern keine neuen Zeitungen ausgeben; Verkäuferinnen und Verkäufer seien jedoch weiterhin unterwegs, um die bereits abgeholten Exemplare zu verkaufen. Hier komme es zu sehr unterschiedlichen Reaktionen seitens der Bevölkerung, bis hin zu "sehr unschönen" Beschimpfungen, so eine "Augustin"-Sprecherin. Man wolle die Verkäufer, die auf den Erlös des Zeitungsverkaufs angewiesen sind, nicht alleine lassen und prüft Möglichkeiten, wie das Einkommen gesichert werden könne. Mehr dazu werde voraussichtlich morgen bekannt gegeben.

Hilfsangebote für VinziWerke: vinziwerke.wien@vinzi.at oder Tel. 0676 / 87 42 31 10, Hilfsangebote an die Caritas unter www.caritas-wien.at.