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Chronik Österreich
03/26/2020

Coronavirus in Innsbruck: Positiver Trend in Landeshauptstadt

In Innsbruck zeigen die Einschränkungen laut Bürgermeister Willi Wirkung. LH Platter mahnt zur Vorsicht.

von Christian Willim

Die Ausgangsbeschränkungen sind in Tirol strenger als in jedem anderen Bundesland. Das trifft im Falle von Innsbruck eine 132.000-Einwohner-Stadt. Im Verhältnis zur Bevölkerung und unter dem Aspekt, dass Tirol das Epizentrum der Corona-Epidemie in Österreich ist, ist die Zahl der positiv getesteten Personen aber relativ gering.

Am Donnerstagmorgen gab es in Innsbruck 276 Infizierte. Im Bezirk Landeck, dem mit seinen Brandherden Paznauntal und Arlbergregion am stärksten betroffenen in ganz Österreich, waren es 434. Und das bei einer Einwohnerzahl von rund 44.000.

"Maßnahmen helfen"

Für Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi (Grüne) ist die Entwicklung in der Stadt ein Beleg dafür, "dass Maßnahmen helfen". Bei einer Videopressekonferenz veranschaulichte er das anhand einer Grafik. Im Vergleich zur angenommenen Fall-Kurve ohne Maßnahmen verläuft die tatsächliche wesentlich flacher.

Das ist insofern bemerkenswert, als Tirols VP-Landeshauptmann Günther Platter zu Beginn der Krise die Universität Innsbruck gemeinsam mit Ischgl als eine von "zwei besonderen Herausforderungen" nannte. Einige der ersten Fälle Tirols traten im Umfeld einer Erasmus-Party auf. Die Innsbrucker Hochschulen, die seit 10. März geschlossen sind, werden von 33.000 Studenten besucht.

Auf die Frage, wie sehr die Zahl der positiven Tests überhaupt einen Überblick über die tatsächliche Lage gibt, erklärte Willi: "Die Datenlage ist so, dass wir in Innsbruck im Landesvergleich mehr testen und bei den positiven Fällen unter dem Landesschnitt liegen. Das ist ein positives Zeichen."

50 Prozent unter 31 Jahre alt

Die durch die Studenten relativ junge Altersstruktur in Innsbruck wirkt sich ebenfalls positiv aus. 50 Prozent der Infizierten sind laut VP-Vize-Bürgermeister Johannes Anzengruber unter 31 Jahre alt. Der Großteil der positiv getesteten Personen seien zwischen 20 und 29 und fallen damit nicht unter die Risikogruppe.

Anzengruber gesteht aber auch ein, dass Studentenheime Hotspots sind. Für diesen Bereich sei aber ein eigener Koordinator eingesetzt worden: "Ich kann sagen, wir haben die Studentenheime im Griff." Man habe gewusst: "Die meisten positiven Fälle kommen aus den Studentenheimen." Es seien eigene Screenings gemacht worden.

Platter nur vorsichtig optimistisch

Auch in anderen Bezirken Tirols sind die Fallzahlen zuletzt nicht mehr so massiv gestiegen, wie zuvor. Landeshauptmann Günther Platter glaubt zwar ebenfalls, „dass wir gut am Weg sind“. Er mahnte aber bei einer Video-Pressekonferenz am Donnerstag auch: „Es ändert sich ständig. Man braucht einen Betrachtungszeitraum von mindestens zwei Wochen.“

Mehr Corona-PatientenDass weiter Vorsicht geboten ist, zeigt auch die Entwicklung in Tirols Spitälern. Dorten wurden am Donnerstag bereits 166 Corona-Patienten behandelt, 38 lagen in Intensivbetten (zwölf mehr als tags zuvor), 33 mussten beatmet werden. Hintergrund dürfte sein, dass zunehmend ältere und chronisch kranke Patienten in die Spitäler müssen.