An allen Landes- und Staatsgrenzen Nordtirols – wie hier bei Kufstein – finden lückenlose Kontrollen durch Polizei und Bundesheer statt

© Bildagentur Muehlanger

02/12/2021

Corona-Patrouillen: Gestrandet im "Mutationsgebiet" Tirol

Die Kontrollen der Ausreiseregeln für Nordtirol liefen großteils reibungslos. Aber nicht für jeden.

von Christian Willim

Luca Bauer steht Freitagmittag bei schneidender Kälte in Niederndorf in Tirol vor einem dort errichteten Grenzposten und versteht die Welt nicht mehr. „Ich bin Diabetiker und brauche meine Medikamente. Aber man lässt mich nicht über die Grenze“, sagt der 24-Jährige.

Direkt neben dem Checkpoint der Tiroler Polizei, an dem wie an allen Übergängen von Nordtirol zu anderen Bundesländern oder Nachbarstaaten überprüft wird, ob Grenzgänger einen negativen Corona-Test mit sich führen, ist der Arbeitsplatz des jungen Mannes. Hierher pendelt der Bayer jeden Tag von seinem Heimatort Raubling auf der anderen Innseite her.

„Es kann doch nicht sein, dass ich mit einem negativen Corona-Test einreisen darf und mit demselben Test am selben Tag nicht wieder ausreisen kann“, sagt Bauer.

Keine Pendlerausnahme

Das Problem: Sein Test ist drei Tage alt. Die neuen, vorerst auf zehn Tage befristeten Ausreiseregeln für Nordtirol sehen aber vor, dass man das Bundesland nur noch mit einem maximal 48 Stunden alten Test verlassen darf. Für Pendler, wie den Bayern, gibt es keine Ausnahme.

Vom KURIER erfährt er, dass das Land Tirol vier mobile Corona-Testbusse in Grenzregionen für Gestrandete wie ihn stationiert hat. Fälle wie jener von Luca Bauer dürften die Ausnahme gewesen sein.

„Der Großteil der Leute hatte einen Test mit“, sagt Sabine Reinthaler, Sprecherin der Tiroler Landespolizeidirektion, in einer ersten Zwischenbilanz. Auch die befürchteten Staus blieben aus, wohl auch, weil Durchreisende und der Güterverkehr von der Testpflicht befreit sind.

Für 1.300 Kräfte von Polizei und Bundesheer begann am Freitag ein Mammuteinsatz mit einer Mission, die es so noch nie gab. Grenzschutz heißt in der Regel, die Einreise aus anderen Staaten zu überwachen.

176 bestätigte Fälle

Dieses Mal soll mit Kontrollen der Ausreise auf allen Verkehrsrouten versucht werden, eine Ausbreitung der südafrikanischen Virusmutation B.1.351 zu verhindern, von der bis Freitag 176 der in Tirol in den vergangenen Wochen 432 gefundenen Verdachtsfälle bestätigt wurden. Deutschland hat am Donnerstag Tirol zum „Mutationsgebiet“ erklärt und will die Einreise von dort ab Sonntag nur noch mit harten Beschränkungen zulassen – Details und Ausnahmen sind noch in Abklärung.

Bereits am Freitag wurde der öffentliche Nahverkehr zwischen Tirol und Bayern eingestellt, am Sonntag kappt die Deutsche Bahn auch die Fernverkehrsverbindungen über die Grenze. Ungeachtet dessen, dass die Polizei neben allen Straßenübergängen auch alle aus Nordtirol ausreisenden Züge kontrolliert:

Railjet865 von Bregenz nach Wien. Halt am Freitag um 11.31 Uhr in Jenbach, mitten im Tiroler B.1.351-Hotspotbezirk Schwaz vor den Toren des Zillertals. Drei Tiroler Polizisten und zwei Grundwehrdiener beginnen bereits am Bahnsteig ihre Befragungen. „Haben Sie einen negativen Corona-Test und einen Ausweis?“, wird ein Schlosser aus Wien, der wieder nach Hause will, gefragt.

Zurück nach Wien

Der Wochenpendler hat beides dabei. Die neuen Auflagen findet er gut. „Das ist optimal. Man soll sich schützen“, sagt er zur Testpflicht.

Das sieht auch ein älteres Ehepaar aus Vorarlberg so, das in der ersten Klasse des spärlich besetzten Zuges aus beruflichen Gründen in die Bundeshauptstadt fährt. „Wir sind beide getestet, auch wenn wir als Durchreisende nicht müssten“, sagen sie.

Die Eindämmungsmaßnahmen heißen sie nicht nur gut: „Das hätte man wahrscheinlich viel früher machen müssen“, ist ihre Meinung. Die Ausreisebeschränkungen sind erst mehr als eine Woche, nachdem die Virologin Dorothee von Laer von der Med-Uni Innsbruck Alarm geschlagen hat und die Isolation von Tirol gefordert hat, in Kraft getreten.

Was sich dazwischen auf politischer Bühne abgespielt hat, lässt die Vorarlberger kopfschüttelnd zurück. „Das Tiroler Spitzenpersonal ist eine Blamage“, meint der 64-Jährige dazu.

Seine Frau hat für die verbalen Ausritte einiger VP-Politiker inklusive „Rülpser“-Sager ein klares Urteil: „Das ist unterstes Niveau. Die müssen doch auch an den Tourismus denken und die Wirkung in Europa.“

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