Chronik | Österreich
08.04.2018

Burgenland lockt mit Einkaufszentren und lukrativen Jobs

Im Grenzgebiet zieht es Ungarn in burgenländische Geschäfte. Viele arbeiten hier, weil die Bezahlung besser ist

Das Intro Shopping Center in Siegendorf, nur wenige Meter vom Grenzübergang Klingenbach entfernt, hat vor Kurzem eröffnet. Die parkenden Autos kommen zu einem Drittel aus Ungarn, wie die Kennzeichen verraten. Hier gehen Ungarn einkaufen und am Straßenrand stehen einige ungarische Wahlplakate. Die schrecklichen Zustände, die angeblich in Wien herrschen, scheinen hier weit weg.

Noemi Buzasi und ihr Mann sind aus Sopron (Ödenburg) zum Einkaufen gekommen. „Viele Lebensmittel sind hier billiger als in Ungarn“, sagt Buzasi. Für ihre Tochter, die an mehreren Allergien leidet, kauft sie heute Reismilch. „Die kostet bei uns drei Euro, hier ist sie um zwei Drittel billiger“, rechnet die Frau vor. Gekommen sind sie aber auch zum Tanken. Denn der Sprit sei in Österreich nicht nur günstiger, auch die Qualität sei besser. Drei Jobs muss die junge Mutter ausüben, um ihren Beitrag zum Familienbudget leisten zu können. Wen sie am Sonntag wählt? „Ich wähle Orbán. Für mich gibt es keine andere Partei als seine.“ Der Staatschef garantiere eine gute Beihilfe für Familien mit Kindern und auch eine Förderung für den Wohnbau. Als Mutter seien das für sie überzeugende Argumente, sagt Buzasi.

Im Kaffeehaus Schranz in Oberwart wollen die beiden Kellnerinnen Dorothea und Barbara nicht über Politik sprechen. „Ich gehe wählen am Sonntag“, sagt Dorothea, mehr aber auch nicht.

Prognosen

Barbara bekommt nicht viel mit von der Politik in Ungarn, wie sie sagt. Aber auch sie will zur Wahl gehen. Wem sie ihre Stimme gibt? „Das ist mein Geheimnis“. Zum Ausgang der Wahl wollen beide keinen Tipp abgeben. Dass die derzeitige ungarische Politik vor allem in Österreich kritisch betrachtet wird, hat Szakal schon bemerkt. Beide arbeiten seit mehreren Jahren in Österreich, „wir verdienen hier mehr Geld als in Ungarn“, sagt Dorothea.

Zoltan Szabadfi ist mit seiner PR-Beratungsfirma in Österreich und Ungarn tätig. Er äußert sich zur politischen Lage und steht der Regierung kritisch gegenüber, trotzdem hält er den Sieg von Orban für „ziemlich wahrscheinlich“. „Das Programm der Regierung ist: wir machen weiter wie bisher“, sagt Szabadfi. Die Botschaften seien einfach gehalten und würden viel mit der Angst vor Migranten spielen. „Obwohl es in Ungarn kaum welche gibt“, sagt der Unternehmer. Das Wahlprogramm fließe aus allen Medien, wie der Kommunikationsberater erklärt. Die meisten Tageszeitungen und Fernsehsender seien in der Hand von Orbán und seinen Vertrauten. „Die Opposition ist zu zerstritten, um etwas gegen die Regierung auszurichten“, sagt Szabadfi. Er hofft noch auf eine Einigung. Wahrscheinlicher sei aber ein Sieg Orbáns. „In Österreich haben sich ja einige Politiker Orbán zum Vorbild genommen“, sagt Szabadfi und rät zur Achtsamkeit.

C. Koglbauer, R. Pittner