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Brisante Vorwürfe beim Bundesheer: Beschwerde gegen Dekan „zu Recht“

Die Beschwerdekommission bestätigt, dass eine Beschwerde gegen einen Militärdekan in Niederösterreich berechtigt war. Derzeit handeln allerdings weder das Militär noch der Militärbischof.
Große historische Klosteranlage mit rotem Dach und Torbogen vor blauem Himmel.

Im Fall rund um die internen Ermittlungen nach Beschwerden gegen einen niederösterreichischen Militärdekan der Militärdiözese tut sich etwas – und auch wieder nicht. Eine außerordentliche Beschwerde, die Anfang des Jahres eingebracht wurde, ist vom Bundesheer abgewiesen worden.

Die darin enthaltenen Vorwürfe wegen übergriffigen Verhaltens des Militärdekans auf einem Jugendlager seien verjährt – dabei waren diese Vorwürfe schon unmittelbar nach dem Lager dem Bundesheer mitgeteilt worden. Damals wie auch jetzt ohne Sanktionen für den Geistlichen. Auch in den anderen Fällen wurde der Beschwerde nach einer Empfehlung der Parlamentarischen Bundesheerkommission „keine Berechtigung zuerkannt“.

„Zu Recht erhoben“

Anders verlief eine ordentliche Beschwerde in der Angelegenheit, die im Mai dieses Jahres eingebracht wurde. Mit mehr als zehn konkreten Beschwerdepunkten gegen den Geistlichen. Nur in drei Punkten wurde der Beschwerde „keine Berechtigung“ zuerkannt. In allen anderen offenbar schon, „ihre Beschwerde wurde teilweise zu Recht erhoben“, stellte das Bundesheer offiziell fest. Diese Entscheidung liegt nun schon länger als ein Monat vor. Und passiert ist: nichts.

Und bei den offenbar zu Recht erhobenen Teilen der Beschwerden soll es um schwerwiegende Sachen im Umgang des Geistlichen mit seinen Mitarbeitern gehen. Mobbing steht im Raum, schikanöses Verhalten, Datenschutzverletzungen, ebenso wie Rufschädigung oder die Erteilung unzulässiger Befehle. Mitarbeiter des Militärdekans sollen deshalb schon mehrfach in Behandlung sein und seit Langem nicht mehr arbeiten können.

Kolportiert wird, dass man seitens der Militärdiözese – und des Bundesheeres – den Militärdekan noch ein paar Monate in seiner Funktion belassen will, weil dieser dann in Pension gehe.

Bei der Militärdiözese hält man sich zu den Vorfällen und laufenden Beschwerden gegen den Priester bedeckt und verweist auf die Disziplinaraufsicht, die beim Bundesheer liege – man halte den Dienstweg ein. Außerdem handle es sich um ein laufendes Verfahren.

Auch auf konkrete Nachfrage, ob sich der Bischof in dem Fall konkret eingeschaltet habe, heißt es aus der Militärdiözese: Der Bischof habe seine Meinung dazu, aber werde diese gegenüber der Öffentlichkeit nicht äußern. Auch die Frage, ob er der Meinung sei, ein Dekan, gegen den eine „zu Recht erfolgte Beschwerde“ wegen der angeführten Vorwürfe eingelangt ist, solle weiter als Priester der Militärdiözese an ebendiesem Standort verbleiben, blieb mit dem Verweis auf das Bundesheer als Disziplinaraufsicht offen.

Beim Bundesheer antwortet man knapp auf die umfangreiche Anfrage zu dem Fall. „Die Vorwürfe werden intern geprüft und ernst genommen“, versicherte ein Sprecher des Heeres. Auf die bereits getroffenen Entscheidungen ging man seitens des Bundesheeres nur wenig ein. Disziplinäre Maßnahmen habe der Militärkommandant von Niederösterreich in dieser Angelegenheit zu treffen, hieß es. Ob Maßnahmen getroffen werden, beantwortete das Bundesheer nicht. So heftig dürften diese allerdings nicht ausfallen – denn der Militärdekan versieht weiterhin seinen Dienst an der bisherigen Dienststelle, wurde bestätigt. Eines sei jedenfalls klar: „In der Beschwerde gab es keine Vorwürfe, die eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft bisher erforderlich gemacht haben.“

Zwei weitere Verfahren

Eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft war für das Bundesheer hingegen in einer anderen Sache nötig. Wie der KURIER berichtete, laufen Ermittlungen gegen einen 60-jährigen Dekan aus der Steiermark wegen pikanter Chats mit einer Soldatin. Das Verfahren wegen des Verdachts der beharrlichen Verfolgung und der sexuellen Belästigung jeweils unter Ausnützung einer Amtsstellung sowie des Missbrauchs der Amtsgewalt und des Missbrauchs der Dienststellung nach dem Militärstrafgesetz läuft seit Ende des Vorjahres und ist noch nicht abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft Graz bestätigte dem KURIER allerdings, dass es „einen ergänzenden Ermittlungsauftrag an die Kriminalpolizei“ gegeben habe. Dieser werde gerade abgearbeitet. Dieser Militärdekan ist derzeit jedenfalls weiterhin vom Dienst in der Diözese abgezogen.

Zuletzt hat ein Vorfall mit dem Dekan der Militärdiözese auch im Burgenland Wellen geschlagen. Und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. Von ihm kursiert ein Video, in dem er während einer großen Hitzewelle von einem Rekruten gesucht wird – unter anderem in der Kirche, in der Cafeteria und dann am WC. Letztendlich findet ihn der Rekrut – nachdem ein Kleidungsstück nach dem anderen im Garten im Gras liegt – schwimmend im Brunnen der Martin-Kaserne.

Militärdekan Burgenland

Militärdekan auf Abwegen im Brunnen der Martin-Kaserne.

Das hat offenbar nicht allen im Bundesheer gefallen, so wurde ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet. Das soll mit einer Abmahnung abgehandelt worden sein, darüber hinausgehende Sanktionen soll es nicht gegeben haben.

Auch hier gibt es keine klare Antwort des Bundesheeres. Ein Sprecher bestätigte lediglich: „Das Militärkommando Burgenland hat den Fall intern behandelt.“

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