Chronik | Österreich
15.03.2018

Bundesheer-Oberst: Von Negern, Mohammedanern und dem Bürgerkrieg

Beurlaubter Oberst rechtfertigt in einer fünfseitigen Gegendarstellung seine abstruse Weltanschauung.

Der Oberst des Generalstabsdienstes, der nach einem mutmaßlichen rassistischen Vortrag beim Kameradschaftsbund in OÖ vom Dienst enthoben und bei der Staatsanwaltschaft angezeigt wurde, legt nochmals nach. Am 5. März, zwei Tage nach seiner umstrittenen Rede, verfasste er offenbar eine fünfseitige "Gegendarstellung", die offenbar im Bundesheer intern verteilt wurde. Das Papier wurde dem KURIER zugespielt. Kernrechtfertigung: Er habe bloß öffentliche Quellen zitiert, darunter den Buchautor Rudolf Moser und den pensionierten Physik-Professor Herbert Vonach.

Moser schreibt seit Jahren für die rechte Wochenzeitung Zur Zeit um Andreas Mölzer. Und Vonach sitzt im Bezirksparteivorstand der FPÖ-Klosterneuburg, ist Vize-Obmann des Freiheitlichen Familienverbands und Experte für die "autochthone Bevölkerung Österreichs".

Bürgerkrieg bis 2020

Aus Mosers Buch "Die verrottete Gesellschaft" habe er eine CIA-Studie zitiert, so der Oberst, "wonach es aufgrund des Bevölkerungsaustausches in Europa spätestens 2020 in vielen europäischen Ballungszentren zum Bürgerkrieg kommen wird".

"Hier verweise ich auf die Lageentwicklung in Schweden und Frankreich. In Schweden wird seit Wochen das Militär zur Bekämpfung ausländischer Banden eingesetzt", schreibt er weiter. "Diese setzen sich mit Masse aus kulturfremden Ethnien, vorrangig Negern und Arabern zusammen. Ich erklärte den Begriff ‚Neger’ als den etymologisch vom Wort ‚Negride’ abstammenden und dass daran absolut nichts Abstoßendes sei, auch wenn dies in den Medien suggeriert wird." Auch von "der demographischen Entwicklung" der "Mohammedaner in Österreich" berichtet er.

Und "über den Islam und insbesondere dessen extremistische Form, den Islamismus, schilderte ich kurz deren Wesenszüge und Ziele": "Ich erklärte, dass das Ziel des Islam die Weltherrschaft sei und dies erst dann erreicht sei, wenn überall der Islam herrscht. Und hiezu ist auch das Mittel der Täuschung erlaubt, um einen Gegner entsprechend zu schwächen, bis man selbst stark genug zum gewaltsamen Vorgehen ist."

Tankstellenarzt als Quelle

Auch die Freiheitsakademie des als Tankstellenarzt bekannt gewordenen Allgemeinmediziners Dieter Zakel zählt zu den öffentlichen Quellen des Offiziers. "Dort wird dargestellt, wie sich Mohammedaner verhalten, wenn sie einen bestimmten Anteil an der Gesamtbevölkerung stellen", schreibt der Oberst weiter. "Es endet letztendlich stets im Bürgerkrieg (...) Die Liste der abstrusen Rechtfertigungen ließe sich noch lange fortsetzen.

Als Referenz verweist der hochrangige Militär auf die jetzige Außenministerin Karin Kneissl, die vor ihrer Politkarriere als Nahost-Expertin tätig war: "Meine Aussagen, dass es auch bei uns (...) zu Terroranschlägen kommen wird, belegte ich u.a. mit Aussagen der jetzigen Außenministerin, Dr. Karin Kneissl (...) Dabei erwiderte Dr. Kneissl auf die Frage (...), ob es denn aufgrund der Masseneinwanderung von Mohammedanern in Österreich zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommen werde, mit der Aussage ,Selbstverständlich wird es bei uns zu Gefechtshandlungen kommen!’".

Auf Anfrage dazu heißt es im Außenamt: "Frau Außenministerin hat sich als Nahost-Expertin – unter anderem bei der Wiener Offizierskaserne – auf den Bericht von EU-Antiterrorkoordinator Gilles de Kerchove aus dem Jahr 2016 bezogen sowie auf die Warnungen einiger – allen voran den frz. – Nachrichtendienste. Diese Institutionen haben bereits vor zwei Jahren davor gewarnt, dass die nächste Stufe des Terrorismus, nach Anschlägen, regelrechte Gefechtshandlungen sein könnten."