Chronik | Österreich
15.08.2018

Bürger wappnen sich gegen Wolf

Erste Anfragen in Waffengeschäft im Waldviertel und Verhaltensregeln auf der Stadt-Homepage.

Nach einer ganzen Serie von Schafsrissen im niederösterreichischen Waldviertel scheint sich die Bevölkerung in zwei Teile zu spalten: Die einen bekommen immer mehr Angst, manche fragen sogar schon beim Waffenhändler nach Verteidigungsmitteln. Die anderen bleiben entspannt, selbst wenn der Wolf ihre Tiere attackiert hat. Es geht jedenfalls hoch her bei Bauernversammlungen und an Wirtshaustischen. Kaum noch ein Gespräch kommt an dem heißen Thema Wolf vorbei. Immer öfter äußern Menschen Angst um Kinder am Schulweg. Die Stadt Zwettl hat auf ihrer Homepage sogar schon Verhaltensregeln für den Fall einer Wolfs-Begegnung veröffentlicht.

Bewaffnung

„Ja, einige Leute haben schon bei mir gefragt, wie sie sich für den Fall eines Wolfsangriffes am wirksamsten bewaffnen können“, bestätigt ein namhafter Waldviertler Waffenhändler. „Ich habe die Leute an die Behörde verwiesen. Die muss da Auskunft geben“, ergänzt er.

„Ich halte so etwas für ausgesprochenen Blödsinn“, sagt Michael Widermann, Bezirkshauptmann von Zwettl, wo auch der Truppenübungsplatz mit dem Wolfsrudel liegt. „Das kann jedenfalls kein Grund für die Ausstellung eines waffenrechtlichen Dokuments wie einer Waffenbesitzkarte sein“, präzisiert der Beamte.

Nachdem der Obmann des nö. Landesverbandes der Schaf- und Ziegenhalter, Eduard Köck, Naturschutzorganisationen und selbst Wissenschaftler kritisiert hat, meldet sich nun der Zwettler Bezirksjägermeister Gottfried Kernecker zu Wort. Auch er stellt die Frage, ob „die Anwesenheit des Wolfes im öffentlichen Interesse, oder nur eine Gefahr für Weideviehhaltung und Menschen ist“. Er werde ständig auf das Thema angesprochen. Er fordert wie Köck, dass sich der WWF als „Sympathisant“ der Wölfe finanziell an entstandenen Kosten beteiligt. „Nur Großraubtiere herbeifordern, Spenden lukrieren und dann nicht das Geringste dazu beitragen ist äußerst unfair – ja einfach untragbar“, wettert Kernecker.

Aus Sicht des WWF, der seit einiger Zeit sogenannte Wolfpatenschaften anbietet, ist das ein absurder Vorwurf: „Das Geld fließt in mehrere Bereiche. Einerseits in die Beratungsstelle nationaler Herdenschutz, die wir seit Jahren mitfinanzieren. Dann unterstützen wir einzelne Landwirte mit Zäunen, aber auch mit Beratung und Bildungsarbeit“, erläutert WWF-Spezialist Christian Pichler.

Dagegen musste die nö. Landes-Landwirtschaftskammer auf KURIER-Nachfrage zugeben, dass sie bisher keine Beratung für Weidehalter zum Thema Wolf durchführt. Bio-Baumschulbetreiber Martin Artner in Bad Großpertholz bleibt jedenfalls gelassen, obwohl der Wolf zwei der Schafe gerissen hat. „Das ist bitter, aber Teil der Natur. Ich mache eben einen besseren Zaun.“

Verhalten

Ein auf der Zwettler Stadthomepage veröffentlichtes Merkblatt macht jedenfalls klare Angaben. Es warnt davor, Wölfe zu füttern oder sich ihnen zu nähern. Es rät, keine potenzielle Nahrung wie Essensreste im Wald zu entsorgen und Futterschüsseln für Haustiere nicht im Freien abzustellen. Außerdem wird man aufgefordert, verdächtige Haustier- oder Wildrisse sowie auffälliges Verhalten von Wölfen zu melden.