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Chronik | Österreich
01/05/2019

Brisanter Todesfall wird neu aufgerollt

Alois H. starb durch einen Schuss aus Pistole, die dem umstrittenen Arzt Eduard Lopatka gehört hat

Das Bild passte einfach nicht. Alois H. wurde am 25. September 2014 tot in seiner Küche gefunden; Todesursache: Kopfschuss. Neben ihm lag eine Pistole, Modell Unceta Cia-Guernica. Alois H. hatte nie eine Pistole besessen. Außerdem war er nach einem Sturz so stark eingeschränkt, dass er kaum ein Trinkglas halten konnte. Und: Schmauchspuren wurden an Alois H. auch keine gefunden. Was den Fall noch brisanter machte: Die Waffe gehörte seinem Hausarzt, dem Allgemeinmediziner Eduard Lopatka, der gleich in der Nachbarschaft seine Ordination hatte.

Zweifel

Polizei und Justiz werteten den Todesfall als Suizid. Jetzt hat sich das allerdings geändert. Die „Annahme eines Selbstmordes“ kann „nicht mehr mit ausreichender Sicherheit aufrecht erhalten werden.“ Deshalb werden die Ermittlungen wieder aufgenommen, gab die Staatsanwaltschaft Graz nun bekannt.

Nachdem bereits der Wiener Gerichtsmediziner Johann Missliwetz in einem Privatgutachten zu dem Schluss gekommen war, dass der tödliche Schuss durch eine fremde Hand abgegeben wurde, bestätigte dies jetzt auch ein Schießgutachter. Waffenhaltung, die körperliche Beeinträchtigung des Opfers und die fehlenden Schmauchspuren sprechen gegen einen Selbstmord.

„Damals hatten wir keinen Grund, am Suizid zu zweifeln. Jetzt müssen wir das unter einem anderen Licht sehen“, sagt Hansjörg Bacher von der Staatsanwaltschaft Graz.

Treibende Kraft, dass Gutachter und Ermittler sich überhaupt noch einmal mit dem Tod von Alois H. beschäftigten, war seine 29-jährige Tochter. „Ich bin noch am selben Tag zur Polizei gegangen und habe gesagt, dass ich nicht an einen Selbstmord glaube“, schildert sie. „Ich wurde lange nur belächelt und verspottet. Hätte ich nicht so lange Druck gemacht, wäre der Fall als Suizid ad acta gelegt worden.“

Was die 29-Jährige nicht versteht: Dass bis jetzt keine Untersuchungshaft über den Besitzer der Tatwaffe verhängt wurde. Die junge Frau hatte einst selbst ein Verhältnis mit Dr. Lopatka, beendete dies laut eigenen Angaben aber aus Angst vor ihm.

„Wir ermitteln gegen unbekannte Täter“, sagt Staatsanwalt Hansjörg Bacher. „Natürlich untersuchen wir neuerlich, wie die Waffe zu Alois H. gekommen ist. Fest steht aber auch, dass auf der Waffe nur die DNA des Opfers zu finden war.“

Prozess wiederholt

Der steirische Arzt Lopatka muss sich am 26. Februar wieder vor Gericht verantworten. 2017 wurde er (nicht rechtskräftig) vom Vorwurf des Quälens seiner vier Kinder freigesprochen. Der Richter sah in den Vorwürfen der Familienmitglieder einen „verspäteten Rosenkrieg nach der Scheidung“.

Der Prozess wird aber wiederholt. Das Oberlandesgericht war nämlich der Meinung, dass Beweisergebnisse, die in der Hauptverhandlung zutage getreten waren, nicht ausreichend erörtert wurden. Damit muss der Prozess noch einmal – am selben Gericht, aber mit einem anderen Richter – verhandelt werden.