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Brandgefahr steigt: Acht Lithiumbatterien je Tonne Restmüll

Drastische Zunahme von Batterien im Müll – Menge in zehn Jahren vervierfacht. Ruf nach Cashback-System.
TIROL: GROSSBRAND IN OSTTIROLER RECYCLING-ANLAGE - WARNUNG AUFRECHT

Man stelle sich einen ganz normalen Freitagmorgen vor: Ein Müllwagen fährt seine übliche Route ab und holt dabei rund 8,5 Tonnen Restmüll von den Haushalten ab.

Was von außen wie reine Alltagsroutine aussieht, ist längst zu einem hochriskanten Transport geworden: Versteckt zwischen dem normalen Hausmüll fahren statistisch gesehen in jedem Müllentsorgungswagen etwa 70 potenzielle Brandherde mit. Laut Forschern der Montanuni Leoben ist die Anzahl der im Restmüll falsch entsorgten Lithiumbatterien in nur zehn Jahren um 300 Prozent gestiegen. 

Umgerechnet auf den Alltag heißt das: Es finden sich inzwischen acht weggeworfene Lithiumbatterien pro Tonne Restmüll – verborgen in scheinbar harmlosen Dingen wie ausgedienten Einweg-E-Zigaretten, elektrischen Zahnbürsten, kaputtem, blinkendem Kinderspielzeug oder der alten, singenden Grußkarte vom letzten Geburtstag.

"Thermisches Durchgehen"

Diese oft fest verbauten Lithium-Ionen-Akkus finden sich in immer mehr Alltagsgeräten und landen am Ende ihrer Lebensdauer fälschlicherweise im Restmüll. Warum das ein Problem ist? Beim Einpressen des Mülls in das Fahrzeug oder wenig später auf dem Fließband der Sortieranlage kann einer dieser Akkus gequetscht oder beschädigt werden. Durch den mechanischen Druck kommt es zu einem Kurzschluss. Die Batterie erwärmt sich rasant und entzündet sich („thermisches Durchgehen“ nennt das die Forschung). Binnen Sekunden frisst sich das Feuer durch das umliegende, brennbare Material.

Dieses Szenario ist für die Beschäftigten der österreichischen Abfallwirtschaft längst gefährlicher Alltag geworden. Gabriele Jüly, Präsidentin des Verbandes Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB), nennt diese falsch entsorgten Akkus „tickende Zeitbomben“ für Mitarbeiter, Umwelt und den Fortbestand ganzer Betriebe. Allein im vergangenen Jahr habe der VOEB 36 größere Brandereignisse notieren müssen.

Extremwerte

Die Forscher der Montanuni Leoben haben über 1.000 solcher Ereignisse der letzten 18 Jahre analysiert und warnen vor nie da gewesenen Extremwerten bei Branddauer und Schadenssummen. Dies führt zu weitreichenden wirtschaftlichen Folgen und drastisch steigenden Versicherungskosten in der Kreislaufwirtschaft. Denn hochgerechnet 17 Millionen dieser kleinen Brandstifter landen jährlich fälschlicherweise im Müll. Das sei nicht nur brandgefährlich, sondern auch eine immense Ressourcenverschwendung: Bei richtiger Entsorgung könnten wertvolle Rohstoffe wie Nickel, Lithium, Kobalt oder Mangan recycelt und im Kreislauf gehalten werden.

Um diesen gefährlichen Trend zu stoppen, kämpft der VOEB für ein „Cashback-System“: Werden Batterien korrekt zurückgegeben, soll es für Konsumenten sofort Geld zurückgeben. Ein finanzieller Anreiz, der dringend nötig wäre, denn Österreich erreicht aktuell nur eine Sammelquote von 53 Prozent und muss diese laut EU-Vorgabe bis 2030 deutlich auf 73 Prozent steigern.

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