Brandgefahr lauert auch in Österreich in vielen Lokalen
Viele Menschen, die auf engstem Raum feiern: Das ist das Grundkonzept jedes Party-Lokals – von der Großraum-Disco bis zur Après-Ski-Bar. "Kein Gast rechnet damit, dass in so einem Betrieb Feuer ausbrechen könnte", sagt der steirische Brandschutzexperte Alfred Pölzl.
Im mondänen Schweizer Wintersportort Crans-Montana wurde das Unvorstellbare in der Silvesternacht grausame Realität. 40 Menschen – fast alle Teenager und junge Erwachsene – bezahlten die Feuerkatastrophe in der Bar "Le Constellation" mit ihrem Leben, rund 120 weitere wurden großteils schwer verletzt.
"Das kann auch in Österreich passieren", ist Pölzl überzeugt. Nach einem tödlichen Brand in der Grazer "Stern"-Bar vor zwei Jahren hat ihn die steirische Wirtschaftskammer damit beauftragt, sich den Umgang mit dem Brandschutz in Lokalen anzusehen.
Kaum Lokale ohne Mangel
Der Sachverständige hat eineinhalb Dutzend Betriebe unter die Lupe genommen, praktisch keiner war ohne Mangel. Tendenziell werde in ländlichen Bereichen „etwas weniger auf Brandschutz geschaut“, so Pölzl. Anders als in Städten gebe es dort keine großen Ämter, die sich in unterschiedlichen Intervallen um Kontrollen – in Österreich in der Regel Aufgabe der Gemeinden – kümmern.
Zu brandgefährlichen Verstößen gehören etwa verstellte Notausgänge. Zudem sei die Verwendung von leicht brennbaren Materialien in Lokalen „fast Standard“, so Pölzls Fazit. Das gehe von Deko-Elementen bis hin zu Materialien, die an Wänden und Decken verbaut sind.
In Crans-Montana gehen Ermittler davon aus, dass eine funkensprühende Partyfontäne eine – mutmaßlich nicht den Vorschriften entsprechende – Schaumstoff-Verkleidung an der Decke der Bar in Brand setzte. Die steirische Wirtschaftskammer hat die Erhebung von Pölzl 2024 zum Anlass genommen, Gastro- und Hotelbetriebe für die Problematik und die häufigsten Fehlerquellen zu sensibilisieren.
2025
59 Menschen sterben am 16. März bei einem Brand in der Diskothek "Pulse" in Kočani (Nordmazedonien), vier Menschen erliegen später ihren schweren Brandverletzungen. Das Feuer soll durch eine Maschine für Lichteffekte ausgelöst worden sein.
2023
In einer Disco in Murcia (Spanien) bricht Feuer aus, 13 Menschen sind tot.
2015
Ein Feuerwerk setzt am 31. Oktober die Einrichtung des Klubs "Colektiv" in Bukarest (Rumänien) in Brand: 26 Besucher sterben direkt vor Ort, 38 weitere in Spitälern.
2013
Am 27. Jänner wird in der Diskothek "Kiss" in Santa Maria (Brasilien) ein pyro-technischer Gegenstand gezündet, der die Decke in Brand setzt: 242 Menschen sterben, 636 werden verletzt.
2009
Bei einer Silvesterfeier im Club "Santika" in Bangkok (Thailand) löst Funkenflug durch Feuerwerk einen Brand aus: 67 Menschen sterben.
„Branche schockiert“
Ähnliches plant nun Alois Rainer, Sprecher der österreichischen Gastronomie. Ein Newsletter sei in Vorbereitung, sagt der Zillertaler Wirt und weiß aus Gesprächen mit Kollegen: „Die ganze Branche ist total schockiert über diese Tragödie in der Schweiz.“
Er sieht aber Österreich und auch die großen Wintersportorte in Sachen Brandschutz grundsätzlich „gut aufgestellt“. Das Kontrollsystem sei engmaschig. „Außerdem ist es im Interesse des Unternehmers, dass so etwas nicht passiert. Das ist das Worst-Case-Szenario.“ Als Betreiber eines Hotels samt Gasthaus, das 2008 im Zuge von Umbauarbeiten kurz vor Wiedereröffnung abgebrannt ist, „bin ich selbst ein gebranntes Kind“, sagt der Tiroler. Er hält daher auch wenig von „diesen depperten Sprühkerzen“.
Die Stadt Wien bietet Unterstützung für eine nichtkommerzielle Clubszene.
Risiko Party-Fontäne
Dass nun über ein Verbot dieser Party-Fontänen in Lokalen diskutiert wird, ist für Brandschutzexperten Pölzl der falsche Ansatz. „Wenn ich mich an die grundlegenden Auflagen halte, kann man damit gar nichts anrichten.“ Und das heiße eben, nur schwer entflammbare Materialien in Lokalen zu nutzen.
In Graz setzte das Referat für gewerbliche Betriebsanlagen nach dem „Stern“-Bar-Unglück in vermehrt auf Kontrollen in der Gastronomie. In diesen zwei Jahren wurden laut Stadt rund 100 Lokale überprüft, und zwar bei laufendem Betrieb. Etwa ein Viertel der Betreiber musste nach der ersten Schwerpunktaktion 2024 nachbessern.
In Wien finden solche Überprüfungen „regelmäßig und ununterbrochen“ statt, heißt es von der Stadt. 253 waren es allein 2025 unter der Leitung der Gruppe Sofortmaßnahmen. Für deren Leiter Walter Hillerer „führt uns der tragische Vorfall in der Schweiz eindringlich vor Augen, wie essenziell Sicherheits- und Brandschutzmaßnahmen sind.“
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