Nach Brand-Katastrophe in Crans-Montana: Bar-Besitzer in U-Haft

Blumen, Kerzen und Flaggen, darunter die Schweizer Flagge, liegen auf einem Platz.
Die Betreiber der Bar wurden erstmals vernommen. Und das am Tag, an dem der Gedenktag in der Schweiz anberaumt war.

Zusammenfassung

  • Barbetreiber von Crans-Montana wurden erstmals von der Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen der fahrlässigen Tötung und Brandstiftung befragt.
  • Am Freitag gedachte die Schweiz mit einem nationalen Trauertag der 40 Todesopfer und zahlreichen Verletzten der Brandkatastrophe.
  • Ermittlungen laufen in mehreren Ländern, während Unklarheiten über die Einhaltung der Brandschutzkontrollen in der Unglücksbar bestehen.

Gut eine Woche nach der Brandkatastrophe im Skiort Crans-Montana sollen die Schweizer Ermittler am Freitag erstmals die französischen Betreiber der Bar vernommen haben. 

Nach sechsstündiger Befragung zum tödlichen Feuer ist der Bar-Besitzer nun in Untersuchungshaft genommen worden. Wie es aus Ermittlerkreisen hieß, wurde gegen den Franzosen in Sitten (Wallis) U-Haft wegen Fluchtgefahr verhängt. Seine Frau bleibt auf freiem Fuß. Gegen das Paar wird wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung ermittelt.

Die Frau drückte den Opfern am Freitag ihr Beileid aus. 

"Das ist eine unvorstellbare Tragödie. Niemals, wirklich niemals im Leben hätten wir uns das vorstellen können", sagte sie nach einer Befragung bei der Staatsanwaltschaft in Sion vor Medien. "Das ist in unserer Einrichtung passiert, und ich möchte mich entschuldigen." Ihre Gedanken seien die ganze Zeit über bei den Opfern und denjenigen, die mit den Folgen der Katastrophe zu kämpfen hätten.

Bar owners questioned in Swiss fire investigation in Sion

Gedenktag am Freitag

Ebenfalls am Freitag hat die Schweiz mit einem nationalen Trauertag der 40 Toten und vielen Verletzten der Brandkatastrophe gedacht. Begleitet vom Glockengeläut der Kirchen hielt das Land am Freitag um 14.00 Uhr eine Schweigeminute ab. Kurz zuvor hatte in Martigny westlich von Crans-Montana eine Trauerfeier begonnen, zu der neben Bundespräsident Guy Parmelin auch Gäste aus dem Ausland wie der französische Präsident Emmanuel Macron anreisten.

Switzerland holds national day of mourning for victims of Crans-Montana fire

Emmanuel Macron gedenkt den Brandopfern.

Ermittlungsverfahren auch in Rom

Die Staatsanwaltschaft Rom hat indes eine Untersuchung zum Brand in Crans-Montana eingeleitet, bei dem auch sechs italienische Jugendliche ums Leben gekommen sind. Die Ermittler ordneten die Obduktionen der Leichen der italienischen Opfer an, die bisher nicht durchgeführt wurden, berichteten italienische Medien. Die römische Staatsanwaltschaft prüft mögliche Anklagen wegen fahrlässiger Tötung und Brandstiftung. Es ist ihre Aufgabe, Verbrechen im Ausland zu untersuchen, wenn italienische Staatsbürger betroffen sind.

Die Eltern der sechs verstorbenen Italiener machten inzwischen Druck auf die Regierung in Rom, damit diese als Zivilklägerin an einem Verfahren gegen die Betreiber der Bar teilnehmen. Elf italienische Verletzte kämpfen noch mit schweren Brandwunden im Mailänder Krankenhaus Niguarda um ihr Leben.

Zuvor hatte bereits die Staatsanwaltschaft der belgischen Provinz Wallonisch-Brabant ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Eine Schülerin der sechsten Klasse einer Schule in Rixensart war bei dem Brand ums Leben gekommen. Am Montag hatte auch die Pariser Staatsanwaltschaft eine Untersuchung der Brandkatastrophe von Crans-Montana eingeleitet. Das Außenministerium in Paris hatte neun tote französische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger bestätigt, darunter mehrere Minderjährige.

Silvesternacht endete im Inferno

Das Feuer war in der Silvesternacht in der Bar "Le Constellation" im Skiort Crans-Montana ausgebrochen, als dort zahlreiche junge Menschen ins neue Jahr feierten. 40 Menschen kamen ums Leben, darunter viele Jugendliche. Das jüngste Todesopfer war erst 14 Jahre alt. 116 weitere Menschen wurden verletzt, viele von ihnen erlitten schwere Verbrennungen.

Frage zu Brandschutz

Unterdessen steht fest, dass der Kanton Wallis keinen Brandschutz-Bericht aus Crans-Montana erhalten hat. Die Behörden in Sitten gingen dennoch davon aus, dass die Kontrollen durchgeführt wurden - auch in der Unglücksbar "Le Constellation". Auch wenn keine Berichte der Gemeinden vorliegen, gehe man davon aus, dass die gesetzlichen Brandschutzkontrollen durchgeführt wurden, erklärte Philipp Hildbrand, Leiter des Walliser Kantonalen Amtes für Feuerwesen. Er bestätigte in Interviews mit dem "Walliser Boten" und dem Schweizer Radio und Fernsehen SRF, dass der Kanton im Falle der Bar "Le Constellation" in Crans-Montana keinen Bericht erhalten habe.

Abgesehen vom Bau einer Veranda habe die Behörde keine weiteren Inspektionsberichte zu diesem Gebäude erhalten, sagte er. Wenn man keinen Bericht erhalten habe, gehe man davon aus, dass alles in Ordnung sei. Für die Kontrollen auf ihrem Gebiet seien die Gemeinden verantwortlich. Hildbrand räumte ein, dass die kantonale Brandschutzbehörde jedes Jahr eine große Anzahl von Berichten erhalten sollte, dass es in Wirklichkeit aber nur sehr wenige seien.

Was "Le Constellation" in Crans-Montana betrifft, hatten die Gemeindebehörden am Dienstag zugegeben, dass die letzte Kontrolle der Bar aus dem Jahr 2019 stammt, obwohl gemäß Walliser Gesetzgebung eine jährliche Kontrolle vorgeschrieben ist. Hildbrand merkte an, dass diese Kontrollen in anderen Kantonen wie Bern oder Zürich nur alle fünf oder zehn Jahre stattfänden.

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