Tragödie in Crans-Montana: Wirt meldet sich zu Wort
Zusammenfassung
- Vor dem Brand in einer Bar in Crans-Montana wurden Champagnerflaschen mit Wunderkerzen durch den Raum getragen, was auf Videoaufnahmen zu sehen ist.
- Ob diese Aktion den Brand mit mindestens 40 Toten auslöste, ist Gegenstand laufender Ermittlungen; Experten halten das Szenario für möglich, da die Decke mit leicht entflammbaren Materialien verkleidet war.
- Die Behörden warnen vor voreiligen Schlüssen und werten derzeit Bild- und Videomaterial aus, um die Brandursache zu klären.
Kurz vor jenem Brand, bei dem in der Silvesternacht mindestens 40 Menschen in einer Bar im Schweizer Wintersportort Crans-Montana ums Leben kamen, wurden im Lokal Champagnerflaschen mit Wunderkerzen durch den Raum getragen. Videoaufnahmen zeigen funkensprühende Flaschen, die hoch über die Köpfe der Gäste hinweg gehalten wurden.
Ob diese Szenen mit dem Ausbruch des Feuers in Zusammenhang stehen, ist aktuell Gegenstand der Ermittlungen. Alles deute aber darauf hin, dass das Feuer von Sprühkerzen ausging, die die Decke der Bar in Brand setzten, bestätigte indes die Generalstaatsanwaltschaft bisherige Vermutungen.
Mehrere Gäste schildern, dass die Flaschen ein im Voraus geplanter Teil der abendlichen Feierlichkeiten gewesen seien. Die Bar selbst habe dieses Element als Attraktion beworben.
Ein 16-jähriger Italiener, der sich während des Brandes im Lokal befand, beschrieb gegenüber Rai News, wie eine Person mit einer solchen Flasche auf den Schultern eines Mannes durch den Raum getragen worden sei. Kurz darauf habe sich das Feuer ausgebreitet.
"Dadurch hat die Decke Feuer gefangen. Und nach und nach brannte alles“, sagte der Jugendliche.
Ähnliche Beobachtungen schilderten auch andere Gäste. Der 19-jährige Nathan sagte gegenüber der Schweizer Tageszeitung Blick: "Eine Frau saß auf den Schultern eines Mannes. Sie hatte zwei Flaschen mit Wunderkerzen.“ Die Funken hätten die Decke berührt, die "sofort Feuer fing“.
Ein weiteres Video zeigt, wie ein Gast versucht, die Flammen mit einem Kleidungsstück zu löschen.
Laut Reuters soll die Frau mit den Flaschen eine Kellnerin gewesen sein.
"Es war das totale Chaos“
Das Feuer brach gegen 1.30 Uhr aus. Innerhalb kürzester Zeit kam es zu einem sogenannten Flashover – einem plötzlichen Vollbrand. Die mit Dämmmaterial verkleidete Decke stand binnen Sekunden in Flammen. Viele Gäste hatten kaum Zeit zu reagieren oder den Raum zu verlassen.
"Es war das totale Chaos“, schilderte der italienische Jugendliche die Flucht.
Der Brand forderte nach derzeitigem Stand rund 40 Menschenleben. Zudem wurden 115 Personen verletzt, viele von ihnen schwer. Bis zu 100 kämpfen noch um ihr Leben.
Sachverständiger: Szenario grundsätzlich denkbar
Ob die beschriebenen Szenen tatsächlich den Brand ausgelöst haben, ist weiterhin offen.
Markus Knorr, Brandursachensachverständiger aus Nordrhein-Westfalen, äußerte sich dazu in einem Interview gegenüber Focus vorsichtig. Er betonte, nicht vor Ort gewesen zu sein. Die bekannten Zeugenaussagen sowie die vorliegenden Foto- und Videoaufnahmen ließen jedoch aus seiner Sicht gewisse Rückschlüsse zu.
So sei auf Aufnahmen zu erkennen, dass brennendes Material von der Decke herabtropfe, was auf Kunststoff oder Schaumstoff hindeuten könne – Materialien, die häufig für Akustikverkleidungen verwendet werden. Solche Stoffe seien besonders leicht entflammbar. Unter diesen Umständen könne es ausreichen, dass Funken oder offene Flammen sehr kurz mit der Oberfläche in Kontakt kommen.
Ermittlungen dauern an
Die Schweizer Behörden warnen vor voreiligen Schlüssen. Ein Sprecher der Polizei erklärte: "Wie in jedem Fall wird in jede Richtung ermittelt.“
Derzeit werden am Unglücksort gefundene Mobiltelefone sowie Bild- und Videoaufnahmen ausgewertet.
Wirt: Tun alles, um die Ursache zu klären
Die Betreiber der Unglücksbar sind nach Medienberichten am Boden zerstört. "Wir können weder schlafen noch essen, es geht uns allen sehr schlecht", sagt der Wirt nach einem Bericht des Nachrichtenportals 20 Minuten in einem Gespräch. Sie kooperierten mit den Behörden. "Wir werden alles tun, um mitzuhelfen, die Ursachen zu klären", zitiert das Nachrichtenportal den Wirt. "Wir tun alles in unserer Macht Stehende. Auch unsere Anwälte sind involviert."
Seine Frau war nach Medienberichten in der Nacht in der Bar und wurde leicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft hat das Paar nach eigenen Angaben als Zeugen verhört. Sie hat bisher keine Anhaltspunkte für strafrechtlich relevante Aspekte, wie die Oberstaatsanwältin Beatrice Pilloud betonte.
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