© Holzer Elisabeth

Chronik Österreich
06/19/2019

Vier Brandanschläge in Graz: Verdächtiger gefasst, Motiv unklar

Rathaus, Bezirksgericht, Bezirkshauptmannschaft und Hauptbahnhof waren betroffen. Stadtchef will Schleusensystem für das Rathaus prüfen.

von Elisabeth Holzer

Ein 45-Jähriger wird verdächtigt, Mittwochvormittag vier Brandanschläge auf öffentliche Einrichtungen in Graz verübt zu haben. Der Iraker wurde unmittelbar nach dem vierten Anschlag am Grazer Hauptbahnhof festgenommen: Dabei soll der Mann randaliert und sich heftig gewehrt haben. Sein Motiv war Mittwochnachmittag noch nicht bekannt, dürfte aber laut Polizei zufolge "im privaten Bereich" liegen.

Der Mann soll am Vormittag in vier Gebäuden - Rathaus, Bezirksgericht Graz-West, Bezirkshauptmannschaft Graz-Umgebung und am Bahnhof - Feuer entfacht haben. Zeugen berichteten von brennbaren Flüssigkeiten, Brandbeschleunigern, möglicherweise auch Plastik. Während die Feuerwehr ausrückte, nahm die Polizei den Verdächtigen am Bahnhof fest.

Im Rathaus, der Bezirksbehörde und auch im Gericht brannte es tatsächlich, allerdings konnten die Flammen rasch zu einem Brand gekommen sein. Meldungen über Verletzte gab es vorerst keine, laut Polizei kam es auch zu keinen erheblichen Brandschäden. Im Rathaus gab es lediglich einen geringen Sachschaden am Fußboden, in der Bezirkhsauptmannschaft brannte Informationsmaterial.

Mehr Sicherheit für das Rathaus

Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl, ÖVP, war zum Tatzeitpunkt nicht im Büro. Doch nun setzt er eine Arbeitsgruppe ein, die ein Schleusensystem für das Rathaus prüfen soll, ähnliche Modelle gibt es bereits bei Gerichten oder Bezirkshauptmannschaften. "Ich habe immer von einem offenen Rathaus geträumt, aber offenbar haben sich die Zeiten geändert", bedauerte Nagl in einer ersten Reaktion. "Die Sicherheit der Mitarbeiter ist sehr wichtig."

Pilotprojekte in Bezirksbehörden

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, ÖVP, bedauerte "den Werteverfall in der Gesellschaft":  "Diese Ereignisse machen deutlich, dass wir den bereits eingeschlagenen Weg, die Sicherheitssituation in den Bezirkshauptmannschaften und allen anderen Dienststellen des Landes Steiermark zu verstärken, konsequent fortsetzen müssen." Allerdings könne es nie "100-prozentige Sicherheit geben", mahnte Schützenhöfer. Für die Bezirkshauptmannschaften Weiz und Murtal (Standort Knittelfeld) laufen Pilotprojekte bezüglich Sicherheitsmaßnahmen, die erst  vor einer Woche in der Regierungssitzung beschlossen wurden.

Christian Köberl, Pressesprecher von Bürgermeister Nagl, berichtete:: "Es hat sehr stark geraucht. Mitarbeiter unseres Büros haben aber noch selbst gelöscht." Das Rathaus wurde nicht evakuiert, der Einsatz war schnell wieder beendet. Es gibt - abgesehen vom unmittelbaren Tatort aufgrund von Spurensicherung - keine Zutrittsbeschränkungen.

Der Verdächtige dürfte dort gegen 10.45 Uhr im zweiten Stock, gegenüber dem Büro des Bürgermeisters, direkt an Holztüren, ein Feuer entfacht haben."Mitarbeiter haben es auf der Videoüberwachung gesehen und Alarm geschlagen", beschrieb Köberl.

Binnen kürzester Zeit habe sich eine massive Rauchentwicklung eingestellt: "Man sah keinen halben Meter weit", betonte Köberl. Die Einsatzkräfte seien wenig später da gewesen. Der Pressesprecher meinte, dass es aufgrund des Gestanks und des Rauchs möglicherweise Zeitungen und Plastik waren, die der Täter mit einem Brandbeschleuniger entzündete.

Im Bezirksgericht kam es zu einer "Stichflamme". Laut Elisabeth Dieber, Sprecherin des Oberlandesgerichts Graz, sei ein Mann in das Foyer des Gerichts gekommen und habe eine brennbare Flüssigkeit am Boden versprüht. Dann setzte er diese in Brand, sagte sie. Unmittelbar danach flüchtete der Täter. Die "Stichflamme" soll bis in den ersten Stock gereicht haben.

Laut Dieber entstand im Bezirksgericht Graz-West nur Sach- und kein Personenschaden. Der Täter hatte die Flüssigkeit im Foyer und somit noch vor der Sicherheitsschleuse in Brand gesetzt.

Beim Tatverdächtigen, der nach vier Brandanschlägen in der Grazer Innenstadt gefasst wurde, handelt es sich laut Polizei um einen 45-jährigen Iraker, der im Bezirk Graz-Umgebung gewohnt hat. Sein Motiv sei noch unklar, "dürfte ersten Erkenntnissen zufolge jedoch im privaten Bereich liegen", twitterte die steirische Polizei. Die Fahndungsmaßnahmen blieben aber zunächst aufrecht. Der Bevölkerung wurde zu Vorsicht geraten.