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Kostenlose Therapie nach Krisen: Wie ein Anruf 350 Helfer mobilisierte

Kriege, Katastrophen oder auch der Amoklauf in Graz: Hunderte Therapeuten leisten kostenlose Krisenhilfe. Auslöser war ein Anruf.
AMOKLAUF IN GRAZ: KERZEN VOR DER SCHULE

Nach dem Amoklauf in Graz war für die Wiener Psychologin Monika Baumann klar: Sie und ihre Kollegen von „Brainspotting Help“ können Betroffenen rasch helfen. Therapeutinnen und Therapeuten boten kostenlose Krisenintervention an. Und ein Jahr später? Die Krisen hören nicht auf:  Konflikte im Nahen Osten, der Ukrainekrieg (seit 2022), Umweltkatastrophen. Die Freiwilligen sind weltweit gefragt und das Netzwerk wächst. Für sie hört die Arbeit nicht auf. Ihr Motto: „Helfen können bei unserer eigenen Hilflosigkeit“. 

Alles begann mit einem Anruf. Kurz nach dem Ausbruch des Kriegs 2022 klingelte bei Monika Baumann das Telefon.  „Wie können wir mit all dem umgehen? Wie können wir die vielen Kolleginnen und Kollegen in ihrem Wunsch unterstützen, emotional zu helfen?“, fragte ihre polnische Kollegin Monika Gos. Daraufhin organisierte Baumann ein "Brainspotting"-Webinar zur Krisenintervention für Fachleute. Sie rechnete mit rund 20 Teilnehmern, es loggten sich 350 aus vielen Ländern ein. Alle wollten kostenlos mit „Brainspotting“ helfen. „Für Menschen, die plötzlich durch Krieg, Flucht oder Verlust zutiefst erschüttert worden waren oder mit dem Leid anderer konfrontiert sind“, sagt Monika Baumann. Es war die Geburtsstunde von „Brainspotting“ Help

Die Fachleute von "Brainspotting Help" arbeiten ehrenamtlich - und sie reagieren schnell. Oft richten sie binnen Stunden kostenlose Online-Sitzungen für Betroffene ein. Sie bieten bis zu zehn Einheiten an. „Es zeigt sich immer wieder, wie wichtig es ist, Menschen nicht ausschließlich als Opfer zu sehen, sondern ihnen wieder die Handlungsfähigkeit zurückzugeben.“

Einsätze gehen unter die Haut

Viele Begegnungen gehen auch den Therapeutinnen und Therapeuten nahe, wie die mit einem fremdsprachigen Kind, das in der Schule die Räume nicht verlassen konnte. Es schrie und brüllte, wenn es in den Turnsaal sollte. Die Pädagoginnen wussten nicht weiter. Eine gemeinsame Sprache gab es nicht – aber Körpersprache und Blickkontakt. „Brainspotting“ zeigte: Das Geräusch der Glocke war mit Alarm- und Kriegserfahrungen verbunden. „Durch das gemeinsame Hinschauen und Hinhören durfte sich langsam etwas lösen. Das Kind musste nicht mehr schreien oder brüllen“, sagt Baumann. Es konnte in der Schule bleiben. 

46-216799485

Die Psychologin Monika Baumann arbeitet mit Brainspotting. 

„Brainspotting Help“ finanziert sich vor allem über Spenden und über Webinare, die das Team organisiert. „Damit wir weiter bestehen können, benötigen wir finanzielle Unterstützung“, sagt Baumann. Und Spenden.

„Uns erreichen immer mehr Anfragen aus Kriegs- und Krisengebieten, aktuell besonders aus dem arabischen Raum. Unabhängig von Religion, Kultur oder Herkunft versuchen wir zu unterstützen.“

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