Bootsbau: Seit 140 Jahren auf der Alten Donau
Einige der blau-weißen Elektroboote, die an diesem Julitag an einem Steg der Alten Donau im Wasser schaukeln, liegen hier schon seit 40 Jahren. Genauso lange kommen manche Stammkunden bereits zur Bootsvermieterfamilie Eppel in die Donaustadt. „Manche Kunden erzählen uns, dass sie schon mit ihren Großeltern in einem Elektroboot gefahren sind. Und heute kommen sie selbst mit ihren Enkeln wieder her“, erzählt Werner Ahammer, aktueller Chef des Familienunternehmens.
Seit sechs Generationen ist die Bootsvermietung Eppel mittlerweile in der Hand seiner Familie. 1886 beantragte „Urururopa“ Johann eine kaiserlich-königliche Lizenz für eine „Lustschifffahrt“. „In einer Werft hat er dann auch angefangen, Boote selbst zu bauen und diese zu vermieten“, berichtet der 48-jährige Wiener.
Rettungsboote aus Holz
Johann Eppel hatte hochrangige Kunden: So baute er etwa für die k.u.k. Kriegsmarine Rettungsboote aus Holz. Diese wurden anschließend auf den Schienen der Straßenbahn von der Wagramer Straße über die Brücke bis zum Hafen Freudenau gebracht und von dort weiter verschifft.
Familie Eppel hatte ihre Werft und Bootsvermietung nicht immer an der Wagramer Straße – dort, wo sie heute noch zu finden ist. Zuerst war der Standort am Kaiserwasser, ab ca. 1910 wurde zusätzlich der Betrieb in der Wagramer Straße eröffnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Firmengelände durch Bomben- und Granattreffer allerdings so schwer beschädigt, dass die Familie nach 1945 nur mehr in der Wagramer Straße lebte und arbeitete.
Man ist der Tradition ja auch irgendwo verpflichtet
Chef des Familienunternehmens
Bevor die Bootsvermietung aber wieder aufgenommen werden konnte, musste die Alte Donau erst entmint werden. 1946 kehrte man dann allmählich zum Alltagsgeschäft zurück. Über die Jahrzehnte führte die Familie das Unternehmen weiter. „Ich glaube, dass das auch nur deswegen so funktioniert hat, weil immer jemand da war, der das wirklich machen wollte. Man ist der Tradition ja auch irgendwo verpflichtet“, so der Wiener.
Geschmückte Boote fuhren 1991 in einem Korso auf die Donau.
Neuer Name
Er selbst habe die Firma vor ein paar Jahren von seiner Mutter übernommen. „Ich heiße deswegen auch nicht mehr Eppel, weil meine Mama geheiratet und den Namen geändert hat“, so Ahammer. Während seine Mutter Christiane den Betrieb führte, arbeitete der 48-Jährige beim Bundesheer, anschließend im Stahl- und Anlagenbau. Doch schließlich trieb es ihn zurück ans Wasser der Alten Donau. „Verkaufen wäre für mich und meine Mutter nie eine Option gewesen.“
Viel verändert habe er seit der Übernahme des Familiengeschäfts nicht: „Es gibt hier gewisse Systeme, die laufen seit Jahrzehnten. Manche Sachen hat man natürlich angepasst, zum Beispiel die Verrechnung der Boote“, schildert Ahammer. Gab es früher einen Zettel, auf den mit Stempeluhr Abfahrt und Ankunftszeit gestempelt wurde, läuft heute alles über eine Software, die mit der Registrierkasse verknüpft ist.
Kunden stellten sich im Jahr 1977 für das Buffet an.
Im vergangenen Jahr fuhren die 60 Boote der Familie etwa 14.000 Mal auf die Alte Donau. Neben der Inflation hatte das Unternehmen – wie viele andere – mit bürokratischen Hürden zu kämpfen. „Seit heuer ist es notwendig, die Boote bei der MA45 zu registrieren und mit einem Kennzeichen zu versehen. Außerdem haben wir sie mit einer zusätzlichen Beleuchtung ausstatten müssen“, so Ahammer. Diese Adaptierungen hindern Familie Eppel aber nicht daran, wie – seit mehr als einem Jahrhundert – ihrem Geschäft nachzugehen. Und auch für eine Nachfolge ist möglicherweise schon gesorgt, schmunzelt Ahammer.
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