Wiener Volkstheater: Wer die Figuren zum Leben erweckt
Horváths Geschichten aus dem Wienerwald, Shakespeares Macbeth und Orwells 1984 – sie alle werden im Volkstheater lebendig. Das liegt allerdings nicht nur an den Schauspielerinnen und Schauspielern oder dem imposanten Bühnenbild.
Hinter dem Samtvorhang sorgen Schneider und Maskenbildner dafür, dass aus Darstellern Figuren werden. Während im Kostümfundus noch Mäntel aus dem Jahr 1908 hängen, werden in der Maskenwerkstatt Echthaarperücken in stundenlanger Handarbeit Haar für Haar geknüpft.
Haar für Haar
Der Weg zur fertigen Perücke ist lang. Zunächst werden die Köpfe der Schauspieler vermessen, damit die Perücke ideal passt. Anschließend werden die Haare einzeln in ein feines Netz eingeknüpft. „Eine Perücke dauert in etwa 40 Stunden“, erzählt Judith Wieser, stellvertretende Leiterin der Maske im Volkstheater.
Verwendet wird dafür sowohl Echthaar als auch Kunsthaar, je nachdem, welche Anforderungen die jeweilige Produktion stellt. Doch Perücken sind nur ein Teil ihrer Arbeit. In der Werkstatt entstehen auch künstliche Nasen, Ohren oder Warzen für die Bühne. „Viele denken, das Schminken der Schauspieler ist unser Beruf. Das stimmt nicht. Das ist sozusagen nur das Finale unsere Arbeit“, sagt Wieser.
170 Stunden für den Yeti
Zu den aufwendigsten Projekten ihrer Laufbahn zählt ein Yeti-Kostüm: ein Ganzkörperanzug inklusive Perücke und Bart. „Das ganze Team ist daran gesessen und hat Strähne für Strähne das Kostüm geknüpft. Wir haben in etwa 170 Stunden daran gearbeitet“, erzählt sie.
Nadel, Faden und Geduld
Während sich die Maskenabteilung um Haut, Haare und Gesicht kümmert, ist für alles andere die Kostümabteilung zuständig.
Im sonnendurchfluteten Atelier rattern die Nähmaschinen, Stoffbahnen liegen auf den Arbeitstischen. Hier entstehen Mäntel, Westen, Hosen und Sakkos für die Bühne. Mittendrin arbeitet Herrenschneider Tristan Kosic.
„Ein Sakko braucht in etwa 40 bis 60 Stunden“, erzählt er. Mehrere Tausend Handstiche stecken in einem solchen Kleidungsstück. Während in der Industrie vieles geklebt werde, müsse ein Theaterkostüm besonders robust sein. Schließlich werde es Abend für Abend getragen und müsse schnellen Umzügen hinter der Bühne sowie regelmäßigem Waschen standhalten.
Handarbeit
Trotz moderner Technik sei vieles noch immer reine Handarbeit. Nadel, Faden und Schere gehören deshalb auch heute noch zu den wichtigsten Werkzeugen in der Werkstatt. Für Kosic liegt darin der Reiz seines Berufs: „Es ist ein irrsinnig schönes Handwerk.“
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