Kardinal Christoph Schönborn mit Bischof Alois Schwarz

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Chronik | Österreich
12/28/2018

Bischof Schwarz: Schlagabtausch mit Kärntner Kirchenführung

In Kärnten beurteilt man Aussagen von Schönborn und Schwarz zur Causa als "unwahr". In St. Pölten weist man das zurück.

Die Kärntner Kirchenführung hat am Freitag die Aussagen von Kardinal Christoph Schönborn und Bischof Alois Schwarz bezüglich der Ergebnisse des Prüfberichts der "Arbeitsgruppe Bistum" als "unwahr und nicht der Faktenlage entsprechend" zurückgewiesen. Es handle sich um "untaugliche und unlautere Versuche", eine "Reinwaschung" zu betreiben, hieß es in einer Aussendung.

Kardinal Schönborn und Bischof Schwarz hätten sich in den vergangenen Tagen wiederholt öffentlich zu den im Prüfbericht der Arbeitsgruppe Bistum erhobenen Vorwürfen betreffend Misswirtschaft und rechtlicher Schieflagen im Bistum Gurk geäußert. Die Arbeitsgruppe Bistum werte sie als untaugliche und unlautere Versuche, durch einseitiges und verzerrendes Zitieren aus dem Bericht des externen Wirtschaftsprüfers Breschan eine "Reinwaschung" zu betreiben und damit die Arbeit nicht nur der Arbeitsgruppe Bistum, sondern auch der externen Prüfer in ein schiefes Licht zu rücken.

Man wolle sich nicht dem Vorwurf aussetzen, durch Schweigen diesen "unrichtigen und verharmlosenden Äußerungen von Kardinal Schönborn und Bischof Schwarz" zuzustimmen und sehe sich deshalb zu einer Klarstellung veranlasst.

Kein "Persilschein"

Der Bericht des externen Wirtschaftsprüfers Breschan stelle der früheren Leitung des Bistums keineswegs einen "Persilschein" aus, sondern verweise sehr wohl darauf, dass Rechtsgeschäfte statutenwidrig ohne Einbindung des Wirtschaftsrates abgeschlossen wurden. Zudem beschränke sich der Bericht auf die rechnerische Richtigkeit der Bistumsbuchhaltung, beurteile aber nicht die wirtschaftliche Gebarung. Daher seien Fragen nach den Gründen für hohe Abfindungszahlungen an ehemalige Bistumsmitarbeiter oder zu Entgeltvereinbarungen im Bistum, die außerhalb des üblichen Rahmens lagen, nicht behandelt worden.

Ebenfalls nicht im Prüfbericht behandelt worden seien offene Fragen nach "großzügigen Spenden" für kirchliche Großprojekte im Zusammenhang mit Liegenschaftsverkäufen des Bistums Gurk. Der Finanzkammerdirektor der Diözese Gurk-Klagenfurt, Franz Lamprecht, erklärte auf Anfrage der APA, es handle sich um einen medial einst heftig diskutierten Wohnungsverkauf des Bistums an einen Industriellen. Dabei soll ein "sehr hoher Geldbetrag" als Spende für ein "kirchliches Großprojekt" geflossen sein.

Zu überprüfen sei laut Lamprecht auch der Ankauf der Marienorgel für den Klagenfurter Dom. "Auch da werden Zusammenhänge gesehen, die geprüft werden müssen", sagte Lamprecht. Bei dem Immobiliendeal handelt es sich um den Verkauf von fünf Wohnungen in Pörtschach am Wörthersee. Das Bistum hatte die Wohnungen laut Bischof Schwarz 2012 um 1,38 Millionen Euro gekauft, im Jahr darauf wurden sie an den Industriellen Gaston Glock um 1,5 Millionen Euro weiterverkauft. Bei dem "kirchlichen Großprojekt" soll es sich um den Bau des Diözesanmuseums in Gurk handeln. Die Marienorgel im Dom hatte insgesamt 700.000 Euro gekostet, sie wurde 2016 eingeweiht.

In der Aussendung heißt es dazu: "Die Arbeitsgruppe Bistum hält es daher für unerlässlich, dass im Rahmen der Apostolischen Visitation auch diese Geldflüsse geprüft und offen gelegt werden, da diese Transaktionen auch von steuerrechtlicher Relevanz sein könnten."

Verweis auf die Päpstliche Visitation

Weiters wird betont, dass Bischof Schwarz bei seinem Wechsel nach St. Pölten das Bistum Gurk nicht, wie von ihm behauptet, mit einer ausgeglichenen Bilanz übergeben habe, sondern mit einem Jahresverlust von 1,9 Millionen Euro. Das Bildungshaus Stift St. Georgen/Längsee mitsamt dem Hotelbetrieb allein habe in den letzten vier Jahren Gesamtverluste in der Höhe von 3,9 Mio. Euro erwirtschaftet.

"Diese Verluste sind Ergebnis einer völlig verfehlten, Wirtschaftlichkeitsüberlegungen außer Acht lassenden Investitionspolitik und höchst fragwürdiger Personalentscheidungen." Da der Wirtschaftsrat des Bistums statutenwidrig in viele Entscheidungen nicht eingebunden wurde und daher nicht mehr bereit war, die Verantwortung für die Gebarung des Bistums mitzutragen, habe er Ende 2017 auch geschlossen seinen Rücktritt erklärt.

In einer Gegen-Stellungnahme verweist man in St. Pölten, der neuen Diözese von Bischof Alois Schwarz, darauf, dass dieser  aus dem Bericht des externen Wirtschaftsprüfers Breschan keinesfalls "einseitig und verzerrend" zitiert habe. So Pressesprecherin Katharina Brandner. Vielmehr seien die Zitate Teile der Zusammenfassung des Prüfungsergebnisses und würden dessen wesentlichen Kern wiedergeben. Im Zuge der Visitation werde Bischof Schwarz dazu Stellung nehmen.

Bezüglich der Vorhaltung, dass Transaktionen auch von steuerrechtlicher Relevanz sein könnten, wird auf die Prüfung durch die Finanzbehörden im Jahr 2016 verwiesen, wo keinerlei gravierende Mängel festgestellt worden sind. Im Übrigen verweist Bischof Schwarz bezüglich der betriebswirtschaftlichen Vorwürfe seitens der "so genannten Arbeitsgruppe Bistum" auf die kommende Visitation durch die kirchenrechtlich zuständige Instanz.

Und: "Die Vorgehensweise der Arbeitsgruppe ist insofern verwunderlich, als aufgrund der immer gleichförmigen Anwürfe gegen den Bischof durch seine vormals engsten Mitarbeiter diese Sache in die Hände eines Päpstlichen Visitators gelegt wurde. Dieser hat die unabhängige und zuständige Prüfungskompetenz, die ihm von Papst Franziskus übertragen wurde."

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Graz ermittelt indes wegen Untreueverdachts gegen den ehemaligen Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz. Hansjörg Bacher, der Sprecher der Staatsanwaltschaft, bestätigte am Freitag auf APA-Anfrage einen entsprechenden Bericht der "Kronen Zeitung". Bereits seit Oktober wird gegen die Vertraute des nunmehrigen St. Pöltner Bischofs, Andrea Enzinger, ermittelt.

Details zu den Verdachtsmomenten wurden am Freitag von der Staatsanwaltschaft keine genannt: "Zu den Inhalten kann keine Stellungnahme abgegeben werden. Wir stehen im Ermittlungsverfahren ganz am Anfang", sagte Bacher. Dass die Staatsanwaltschaft den Prüfbericht angefordert hat, "ist nach Auskunft der Behörde ein reiner Routinevorgang", teilte dazu Pressesprecherin Brandner mit.

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