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Chronik Österreich
07/26/2019

Bettler in Saalbach unerwünscht: Aufregung um e-Mail an Einwohner

Der Bürgermeister distanziert sich von einem e-Mail, das die Gemeinde im Auftrag der Polizei verschickt hat.

Ein e-Mail der Salzburger Gemeinde Saalbach-Hinterglemm an die "Betriebe und Bewohner von Saalbach-Hinterglemm" im Auftrag der örtlichen Polizei schlägt in den sozialen Medien hohe Wellen. In dem e-Mail, das Falter-Chefredakteur Florian Klenk publik gemacht hat, werden die Bewohner vor einer Person gewarnt, "die sich mittels Betteln über Wasser" hält.

Die Saalbacher werden gebeten "dieser Person keine Lebensmittel oder Geld zu übergeben". "Leider gibt es aus polizeilicher Sicht keine Handhabe gegen ihn", heißt es weiter. Die Empörung in den sozialen Medien über das e-Mail und die Bitte, die Hilfe zu verweigern, ist groß. Mehrere Poster kündigten an, ihren Aufenthalt in dem beliebten Urlaubsort zu stornieren.

Gemeinde distanziert sich

Die Gemeinde Saalbach nahm am Freitagnachmittag zu dem e-Mail Stellung und distanzierte sich deutlich. Bürgermeister Alois Hasenauer (ÖVP), der sich aktuell im Auslandsurlaub befindet, schreibt: "Ich möchte mit diesem Schreiben, mich persönlich aber auch die Gemeinde Saalbach-Hinterglemm, für die ich als Bürgermeister Verantwortung trage, ganz klar und deutlich vom Inhalt dieser Aussendung distanzieren." Man würde immer wieder von der Polizei gebeten, die Bürger zu informieren oder zur Mithilfe bei der Aufklärung von Straftaten zu bitten.

So sei das auch in diesem Fall gewesen. "Für den Inhalt und die getätigten Aussagen des Schreibens trägt die Polizei die Verantwortung", schreibt Hasenauer. Ein solcher Inhalt dürfe freilich nie über den Verteiler der Gemeinde gehen, räumt der Bürgermeister ein. "Es wurde ein Fehler begangen", schreibt er.

Hasenauer verweist auf die Hilfsbereitschaft seiner Mitbürger: "So gehen wir in Saalbach-Hinterglemm nicht mit hilfesuchenden Menschen um. So bin ich nicht, und so sind wir Saalbach- Hinterglemmer nicht! Jeder hilfesuchenden und hilfsbedürftigen Person, wird nach allen uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten geholfen", heißt es in dem Schreiben.

Beschwerden als Auslöser

Zuvor hatte die Landespolizeidirektion Salzburg bereits mit einer Presseaussendung reagiert. Demnach soll es sich bei dem Obdachlosen um einen 36-jährigen Ungarn handeln. Der Mann soll bereits zahlreiche Ladendiebstähle begangen haben. Die Geschädigten sahen aber offenbar von einer Anzeige ab.

"Dabei handelt es sich um ein Ermächtigungsdelikt, wobei in den bisherigen Fällen seitens der Geschädigten keine Ermächtigung zur Strafverfolgung erteilt wurde", heißt es in der Presseaussendung. Die Beamten hätten dem Mann "bei sämtlichen polizeilichen Amtshandlungen" Hilfe angeboten, "wie unter anderem eine Vermittlung an die Caritas", schreibt die Polizei weiter.

Die Information an die Bewohner sei deshalb erfolgt, da es Beschwerden aus der Bevölkerung gegeben habe. Der 36-Jährige soll sich auch widerrechtlich Zugang in offene Häuser und Wohnungen verschafft haben.

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