Betrüger im teuren Anzug brachten Unternehmer um Geld
Ein Winzer aus NÖ, ein Schnapshersteller, ein Künstler aus Salzburg: Ihnen allen wurden lukrative Geschäfte in Aussicht gestellt. Die Geschäftsmänner traten in teuren Anzügen auf, luden nach Mailand oder Brüssel ein, um den Deal perfekt zu machen. Doch die einzigen, die sich danach über ein gelungenes Geschäft freuen konnten, waren die Betrüger, die den Unternehmern bis zu Hunderttausende Euro abgeluchst hatten.
Der Fachausdruck für die Masche nennt sich RIP-Deals. Seit Jahren haben sich internationale, kriminelle Clans auf dieses „Geschäft“ spezialisiert. Dabei werden Geldwechsel- oder Goldtauschgeschäfte eingefädelt. Gezahlt wird allerdings in Blüten. Am Montag stand ein 27-jähriger Angeklagter in Wien vor Gericht. „Personal Trainer“, sagt der Niederländer, als er nach seinem Beruf gefragt wird.
Gemeinsam mit seinem Vater soll er einen Schaden von Hunderttausenden Euro verursacht haben. Der Vater, so sind sich die Ermittler sicher, ist der „Capo“, also der Chef. Doch er ist untergetaucht, er ist zur Festnahme ausgeschrieben. Und deshalb, erklärt dessen Anwalt Klaus Ainedter, werde er auch nicht zum Prozess kommen. Der Mann hatte auf freies Geleit gepocht.
Geldübergabe im Gericht
So sitzt nur der Sohnemann wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs und Herstellung von Falschgelds vor Gericht. Er will nur bei einem krummen Geschäft als Fahrer dabei gewesen sein. „Was ich dadurch eingenommen habe, werde ich zurückzahlen“, erklärt er. Konkret sind es 6.000 Euro in einem Briefkuvert, die an diesem Verhandlungstag an den Rechtsanwalt eines Opfers übergeben werden.
„Er hat sich freiwillig gestellt, das bringt ihm nicht nur Freunde. Zum Familienclan wird er heute keine Fragen beantworten“, erklärt der Anwalt des Beschuldigten. „Ich bin verheiratet, habe ein Kind. Viereinhalb Jahre habe ich in Angst gelebt. Ich will das abschließen“, sagt der Angeklagte.
Die Tatvorwürfe sind zum Teil schon zehn Jahre alt. Seither hat sich der Angeklagte optisch verändert. Doch den Beschuldigten sehen die geladenen Opfer bzw. Zeugen ohnehin nicht beim Prozess. Der Mann beantragt eine Befragung in seiner Abwesenheit. Als den Opfern ein Bild des Mannes gezeigt wird, sind sie unsicher. Die Anwälte – kurzfristig hat auch Klaus Ainedter die Rolle des Co-Verteidigers übernommen – beharren auf eine Wahlkonfrontation. Also eine direkte Gegenüberstellung mit zumindest acht weiteren Personen zur Klärung, ob der 28-Jährige bei anderen Straftaten dabei war.
Als Opfer wird unter anderem ein verstorbener ATV-Star geführt, dem Bitcoins (heutiger Wert 4,4 Millionen) abgeluchst wurden. Ein anderes Opfer erinnert sich beim Prozess an ein Treffen in Mailand: „Wir waren in einem chinesischen Restaurant, dort war es konfus und ganz schnell. Sie haben uns Falschgeld übergeben und Goldmünzen entwendet.“ Der Schaden betrug 52.000 Euro. Vertagt auf 14. September.
Kommentare