Chronik | Österreich
24.07.2018

Bergbauern geht Wasser und Heu aus

Im Westen Österreichs fällt seit Monaten zu wenig Regen. Almsaison steht teilweise vor frühem Aus

Nach ein paar regnerischen und kühleren Tagen kehrt der Sommer wieder zurück. Rechtzeitig zum Start der Hundstage, die als heißeste Zeit des Jahres gelten, steigen die Temperaturen in Österreich wieder in Richtung hochsommerliches Niveau, berichtet der Wetterdienst Ubimet. Am Dienstag und Mittwoch werden im östlichen Flachland 31 Grad erwartet.

In diese Temperaturgefilde geht es auch in Tirol und Vorarlberg. Ausgerechnet in diesen Regionen wird aber eigentlich seit Wochen auf ergiebige Niederschläge gehofft. In einigen höher gelegenen Vorarlberger Gemeinden mussten die Bürger zuletzt Wasser sparen, weil die Quellen nicht so stark befüllt werden, wie ansonsten üblich.

„Es ist ein seltenes Phänomen, dass es in der niederschlagsreichsten Region Österreichs so trocken ist“, sagt ZAMG-Klimaexperte Alexander Orlik. Nur halb so viel Niederschlag wie üblich ist im bisherigen Sommer etwa in Bregenz gefallen. Weniger Regen gab es zuletzt im Hitzesommer 2003. Feldkirch und Langen am Arlberg liegen ebenfalls 50 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Noch trockener war es dort in der jüngeren Vergangenheit nur 1992.

Vertrocknete Wiesen

Ausgedörrte Wiesen treffen vor allem die Bergbauern doppelt hart. „Aufgrund von Futter- und Wassermangel auf Alpen, stehen verfrühte Alpabtriebe im Raum“, berichtete das Land Vorarlberg. Gleichzeitig gibt es bei der Heuernte massive Ausfälle, wodurch betroffene Landwirte Futtermittel zukaufen müssen.

Die Vorarlberger Landesregierung hat bereits versprochen, den Bauern mit Unterstützungsleistungen unter die Arme zu greifen. Die Niederschläge vom Wochenende waren nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Im bisherigen Sommer waren die Niederschlagsmengen in weiten Teilen Österreichs unter dem langjährigen Schnitt. Die überdurchschnittlich hohen Temperaturen zwischen April und Mitte Juni haben gleichzeitig die Verdunstung des Wassers angekurbelt. In Westösterreich ist die Trockenheit besonders ausgeprägt.

In Tirol ist die Situation im an Vorarlberg angrenzenden Bezirk Landeck (siehe Bild) prekär. „Im zweiten Schnitt gibt es bei der Heuernte Ausfälle von bis zu 100 Prozent. Jeder zweite Betrieb ist betroffen“, sagt Elmar Monz, Bezirksobmann der Landwirtschaftskammer.

Das trifft vor allem die Bergbauernregion Oberes Gericht zwischen Landeck und dem Reschenpass. Die gilt traditionell als regenarm. „Früher gab es alle zwanzig Jahre so trockene Sommer. Aber wir spüren den Klimawandel. Die Abstände werden immer kürzer“, sagt Monz. Um die Landwirtschaft mit Tierhaltung in Zukunft aufrecht erhalten zu können, sind bereits Beregnungsanlagen für die Wiesen angedacht.

Derweil wird auch auf einigen Tiroler Almen im Oberland das Wasser für die Tiere knapp. „Im Bezirk Imst wird bereits Wasser hinaufgeführt“, erzählt Monz. Die Almsaison könnte auf betroffenen Weiden somit frühzeitig zu Ende gehen.

Möglicher Tornado

Ein anderes Wetterphänomen sorgte indes im Burgenland für Staunen. Am Sonntag gegen 16.50 Uhr konnte im Zuge gewittriger Schauer im Seewinkel möglicherweise ein Tornado beobachtet werden. Man prüfe derzeit noch, ob es sich tatsächlich um eine rotierende Trichterwolke gehandelt habe, sagt Mathias Stampfl, Obmann der Unwetter-Plattform Skywarn Austria, zum KURIER.