Chronik | Österreich
25.05.2017

Benjamin F. wird nach Österreich überstellt

Angehörigen-Vertreter: Polnische Gerichte haben Auslieferung zugestimmt.

Der Ende April in Polen festgenommene Vorarlberger Benjamin F., dem die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt Kriegsverbrechen vorwirft, soll nach Angaben informierter Kreise Anfang nächster Woche nach Österreich überstellt werden. Ein Vertreter von F.s Angehörigen, der mit dem Fall beschäftigt ist, bestätigte am Donnerstag gegenüber der APA diesbezügliche Pläne der Justizbehörden.

"Ich kann Ihnen bestätigen, dass die polnischen Gerichte bereits einer Überstellung zugestimmt haben und diese Anfang nächster Woche stattfinden wird", erklärte der Vertreter von F.s Angehörigen. Benjamin F., für den die Unschuldsvermutung gilt, war Ende April auf dem Weg in die Ukraine von polnischen Behörden auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls aus Österreich verhaftet worden.

Kriegsverbrechen?

Die zuständige Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt wirft dem 25-Jährigen vor, auf der ukrainischen Seite gekämpft und "gegnerische Soldaten, die sich bereits ergeben hatten, beziehungsweise Zivilisten getötet" zu haben. Die "Kriegsverbrechen" sollen im "Frühjahr 2016" verübt worden sein, erklärte Behördensprecher Erich Habitzl vergangene Woche gegenüber der APA. Eine genaueren Zeitraum, so sagte Habitzl, könne er nicht eingrenzen.

Laut offiziellen Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums war F. seit dem 17. Mai 2016 Angehöriger der 59. Brigade der regulären ukrainischen Streitkräfte und hat sich am 15. Dezember 2016 unerlaubt von seiner Einheit entfernt. Ein Sprecher des Prawyj Sektor (PS) erklärten zudem gegenüber der APA, dass F. im 11. Bataillon der 59. Brigade registriert gewesen sei. Die rechtsextreme Organisation dementierte gleichzeitig jedoch Medienberichte, wonach F. vor seinem Eintritt in die regulären Armee der Ukraine in einem Freiwilligenbataillon des Prawyj Sektor gekämpft habe.