© Kurier/Gilbert Novy

Delogierungen
07/18/2020

Beinahe-Explosionen und Pumpguns: Was Schlosser in ihren Job erleben

In diesem Beruf lebt es sich gefährlicher, als man glaubt. Andreas Eisner verhinderte eine Katastrophe.

von Markus Strohmayer

Zwölf Menschen hätte Bobosz W. am Montag beinahe in den Tod gerissen. Der Pole wird verdächtigt, eine Gasleitung in seiner Wiener Wohnung manipuliert zu haben, um so vor einer anstehenden Delogierung eine Explosion herbeizuführen. Nach einer Fahndung wurde der 61-Jährige am Freitag festgenommen. Bei der Einvernahme sprach er von einem Selbstmordversuch. Als dieser scheiterte, habe er die Wohnung einfach verlassen. Dass es bei dem wenig später geplanten Delogierungstermin nicht zur Katastrophe kam, ist dem Schlosser Andreas Eisner zu verdanken, der die Gefahr erkannte und so viele Menschenleben rettete. Der KURIER traf den Mann, der nächste Woche sogar im Rathaus geehrt werden soll.

KURIER: Mittlerweile sind einige Tage seit dem Zwischenfall vergangen. Haben Sie schon realisiert, dass das auch anders ausgehen hätte können? Andreas Eisner: Bis Mittwoch habe ich eigentlich nicht geschlafen, und als ich dann in der Früh in der Firma war – wir sind ein Familienunternehmen, meine Schwestern arbeiten bei mir im Büro –, wurde mir zum ersten Mal so richtig bewusst, dass es das Ende gewesen wäre.

Wie knapp war es denn ? Ich war bei den Brandermittlungen am nächsten Tag, um eine Aussage zu machen. Danach meinte der Chefermittler „Ihr habt’s a Wahnsinnsmas’n g’habt“. Wir sind insgesamt zwölf Minuten oben vor der Tür gestanden. Das Gas-Luftgemisch war laut Polizei schon so nah an der Zündgrenze, dass die kleinste statische Aufladung für eine Detonation gereicht hätte. Wenn in der Zeit wer den Lichtschalter aufdreht oder eine Tür zuhaut, fliegt die ganze Hütte in die Luft.

Wie haben Sie die Tür aufbekommen, ohne eine Explosion auszulösen? Der glückliche Zufall war, dass die Tür keinen Querbalken hatte und ich nicht schneiden musste, um den Zylinder zu öffnen. Normalerweise bin ich faul und dreh die Schrauben mit dem Akkuschrauber raus, aus irgendeinem Grund hab ich diesmal den Schraubendreher genommen. Hätte ich den Akkuschrauber verwendet, hätte das wohl für die Explosion gereicht.

Was ist dann passiert? Ich hab schon beim Öffnen ein Rauschen gehört und dachte zuerst an die Dusche, aber als die Tür aufsprang, hat man Gas gerochen und bei mir hat‘s Klick gemacht. Ich hab nur noch geschrien: „Lauft’s!“ Anscheinend so laut, dass es drei Nachbarn gehört haben, die auch geflüchtet sind. Ich war so voll mit Adrenalin, ich kann mich an die nächsten Minuten nicht mehr erinnern, aber ein Polizist hat danach zu mir gesagt: „Am falschen Ort zur falschen Zeit genau das Richtige gemacht.“

Delogierungen sind generell heikel. Haben Sie schon etwas Vergleichbares erlebt? Nein, dieser Mieter ist bei mir unten durch. Für mich war das feig und mutwillig. Aber es gab auch davor heikle Situationen. In der Brigittenau habe ich eine Tür geöffnet und am Ende des Gangs stand ein Mann mit Pumpgun. Wir haben uns hinter dem Lift versteckt und auf die Polizei gewartet, die ihn festgenommen hat. Delogierungen sind bei uns deshalb Chefsache, die mache nur ich.

Sieht man auch viel Elend?

Es kommt vor, dass vor uns alleinerziehende, verweinte Mütter mit blauen Flecken stehen. In solchen Fällen finden Gericht und Hausverwaltung meistens eine Lösung, aber das macht schon nachdenklich.

Sind Messie-Wohnungen ein Problem?

Definitiv. Ich habe vor ein paar Jahren einen Altbau aufgesperrt, dort wurden Zeitungen gehortet. Tonnenweise, vier Meter hohe Stapel bis zur Decke. Manche Räume waren nicht mehr zu betreten. Da musste dann der Statiker kommen wegen der Einsturzgefahr.

Ändert der aktuelle Vorfall für Ihre Arbeit etwas?

Bei uns kriegt jetzt jeder Monteur ein Gasmessgerät, die sind schon bestellt und sobald irgendwas ist, wird sofort abgebrochen. Ich möchte den Beruf noch lange machen.

Gasexplosionen: Kein Einzelfall

26. Juni 2019
Ein fünfstöckiges Wohnhaus in der Preßgasse in Wieden stürzt nach einer vorsätzlich herbeigeführten Detonation ein. Ein 19-jähriger hatte  in Selbstmordabsicht seinen Gasherd manipuliert. Neben dem Mann stirbt eine 29-jährige Mieterin.

6. April 2018
Bei einem Brand und einer damit einhergehenden Explosion in einer Wohnung in Meidling stirbt eine Person. Das Feuer dürfte von dieser in suizidaler Absicht gelegt worden sein.

26. Jänner 2017
Eine Explosion während einer Delogierung in einem Gebäude in der Hernalser Hauptstraße in Wien  kostet den Hausverwalter das Leben.  Der Täter fasst lebenslange Haft aus.

26. April 2014
Ein 19-Jähriger mit persönlichen Problemen manipuliert in einem Haus in der Äußeren Mariahilfer Straße in Rudolfsheim-Fünfhaus die Gasleitung und bewirkt eine Explosion. Er kommt ums  Leben, eine Frau wird verschüttet, aber überlebt.

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