Chronik | Österreich
03.10.2017

Bau-Krimi: Brüderpaar betrieb 30 bis 40 Scheinfirmen

Auch ein namhaftes Bauunternehmen gerät ins Visier der Ermittler. Indes meint Anwalt eines Verdächtigen, dass die mutmaßliche Drahtzieher Hilfe von Steuerberatern hatten.

Das Netzwerk mutmaßlicher Bau-Betrüger, das vergangene Woche durch Ermittlungen der Finanzpolizei und des Wiener Landeskriminalamts aufgeflogen ist, muss professionelle Helfer gehabt haben. Wie berichtet, ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft mittlerweile gegen 70 Beschuldigte, vier mutmaßliche Täter sitzen in Haft. Der Verdacht dreht sich um gewerbsmäßigen Betrug, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und jahrelange Hinterziehung von Sozialabgaben.

Laut Aktenlage gibt es in der Causa zwei mutmaßliche Tätergruppen: Bei der einen handelt es sich um ein Brüder-Paar mit serbischen Wurzeln, bei der anderen um zwei weitere Personen aus Ex-Jugoslawien. Sie sollen das große Rad mit Hunderten Schwarzarbeitern gedreht haben. Zugute kam ihnen dabei, dass es in der Branche einen akuten Bedarf an Facharbeitern für den Fassadenbau gibt.

"Die Brüder können das nicht alleine gemacht haben, denn sie haben 30 bis 40 Scheinunternehmen betrieben", sagt der Anwalt einer involvierten Wiener Fassadenbaufirma. "Es müssen mehrere Steuerberater dahinterstecken, die Brüder haben für alle Scheinfirmen ja stets Bilanzen vorgelegt."

Drehkreuz Slowakei

Außerdem soll das Brüderpaar über zumindest acht slowakische Firmen und über zwei slowakische Strohmänner Arbeitskräfte auf heimische Fassaden-Baustellen verteilt haben. Dazu muss man wissen, dass entsendete EU-Bürger den österreichischen Arbeitnehmern gleichgestellt sind. Allein über diese vorgetäuschten "Entsendungen" sollen die Täter zumindest 7,242 Millionen Euro Schaden verursacht haben. Die slowakischen Firmen sollen nur Lug und Trug gewesen sein, die Arbeiter werkten also schwarz.

12,332 Millionen Euro Schaden

Das zweite serbische Duo gab vor, dass die Arbeiter bei zwei im Wiener Firmenbuch eingetragenen Gesellschaften tätig und bei der Sozialversicherung ordnungsgemäß angemeldet wären. Auffällig an den Firmen ist, dass sie häufig die Adresse gewechselt haben. In diesem Fall soll der Schaden rund 5,09 Millionen Euro betragen. In beiden Causen wird ein Wiener Fassadenbauer bezichtigt, mit den mutmaßlichen Tätern gemeinsame Sache gemacht zu haben. Er ist gegen Auflagen aus der Haft gekommen.

Telefonüberwachung belastet Verdächtige

"Das begründet sich insbesondere auf die Ergebnisse der Telefonüberwachungen", heißt es in den Akten. Demnach soll der Wiener Unternehmer zuletzt bei der zweiten Tätergruppe "Arbeiter bestellt haben" und mit einem der Drahtzieher "die zu erledigenden Aufgaben und Überweisungen" besprochen haben. Der Unternehmer bestreitet die Vorwürfe.

Vorwurf bestritten

"Er hat dringend Arbeiter gesucht und hat mit den Beschuldigten im Sommer mehrfach telefoniert", sagt sein Anwalt. "Er hatte aber aus Datenschutzgründen keine Möglichkeit, die gefälschten Anmeldungen zu verifizieren. Dafür ist "detektivische Arbeit vonnöten". Bereits in einem früheren Fall wird der Unternehmer mit 34 gefälschten Anmeldungen konfrontiert. Das Verfahren ist laut seinem Anwalt seit mehr als einem Jahr beim Verwaltungsgerichtshof anhängig.

"Keine Verfehlungen"

Neben der Wiener und einer Weinviertler Firma (Namen der Redaktion bekannt) ist die Sareno Objektisolierungen mit Sitz in Ulrichsberg, OÖ, ins Visier der Ermittler geraten. Das Unternehmen gehört zum Kran- und Bau-Konzern Felbermayr. "Wir legen Wert auf die Feststellung, dass die Sareno als selbstständiges Unternehmen auf dem Markt tätig ist", sagt Felbermayr-Sprecher Markus Lackner. Er verweist auf die Geschäftsführung der Firma Sareno.

Und Sareno-Geschäftsführer Leopold Fischer teilt mit, dass die Vorwürfe nicht zutreffen. "Es ist zu keinen Verfehlungen gekommen", erklärt Fischer. Laut dem Sareno-Chef habe es nur mit einer ausländischen Firma Geschäftsbeziehungen gegeben. Fischer: "Diese Geschäftsbeziehung wurde bereits im Jahr 2013 beendet." Auch gebe es "keine gesetzliche Verpflichtung zur Überprüfung der EU-Bürger von Subunternehmern". Indes will Sareno künftig so viele Leistungen wie möglich mit Eigenpersonal ausführen.