Bankomat-Bande: Wegen Facebook-Foto in U-Haft?

Gewaltiger Bankomat-Diebstahl am 3. Juni 2017 in Merkur-Markt Amstetten © Bild: Privat

Ein 29-jähriger Rumäne, der selbst Jurist ist, sitzt in Graz in Haft. Er soll Opfer eines Justizirrtums sein; das sagt sein Verteidiger.

Am 18. April 2018 beginnt für den 29-jährigen Rumänen Andrei B. ein Albtraum. Am Vormittag wird er in der rumänischen Kleinstadt Tecuci festgenommen – aufgrund eines Europäischen Haftbefehls aus Österreich. Die Staatsanwaltschaft Graz wirft B. nämlich vor, Mitglied einer kriminellen Bande von Rumänen zu sein, die im April und Juni 2017 in Theresienfeld und Amstetten (NÖ) zwei Bankomaten gewaltsam mit Spanngurten aus zwei Supermarkthallen herausgerissen hat und mit dem Geld geflüchtet ist. Seit 29. April sitzt Andrei B. nun in Graz in U-Haft – er fühlt sich, als sei er in einem falschen Film.

„Das ist ein gewaltiger Justizirrtum“, sagt Strafverteidiger Klaus Ainedter zum KURIER. „Mein Mandant ist selbst Jurist, ist unbescholten und kommt aus einem guten Haus. Er war weder in den Tatzeiträumen in Österreich noch gibt es irgendwelche Anhaltspunkte, dass ihm ein fälschlicherweise zugeordnetes Handy gehört.“

Aber der Reihe nach. Die Ermittlungen des Landeskriminalamts NÖ zu den Bankomat-Plünderungen verlaufen erfolgreich. Die Kripo wertet nämlich alle Mobilfunkzellen rund um die Tatorte aus und stellt fest, dass einige rumänische Mobilfunknummern zur Tatzeit eingeloggt waren. Der Rest ist Routine.

Umfangreiche Ermittlungen

Die rumänische Polizei identifiziert die Handybesitzer. Es soll sich um eine kriminelle Gruppe aus fünf Personen aus Ost-Rumänien handeln, die auf Einbruchsdiebstähle im Ausland spezialisiert ist. Einer der mutmaßlichen Täter wird als Gheorghe F. identifiziert. In ihrem Bericht an die österreichischen Kollegen heißt es: „Weiters besteht die Möglichkeit, dass auch Andrei B. von diesen Straftaten Kenntnis hat.“ Die rumänische Polizei wertet auch die Facebook-Seite des verdächtigen Gheorghe F. aus und stößt dort auf Fotos von und mit Andrei B. „Er ist ein Freund von Gheorghe F. und beide sieht man gemeinsam auf Fotos“, heißt es im Polizeibericht aus Bukarest weiter. Tatsächlich sind sie sogar Jugendfreunde, wie Ainedter bestätigt.

Fest steht, dass die Ermittler keine der rückerfassten Rufnummern Andrei B. zuordnen können. Fakt ist, dass die rumänischen Polizisten die Besitzer mehrerer Rufnummern nicht ausforschen können. Trotzdem schreiben sie in ihrem Bericht: „Es besteht die Annahme, dass der Benutzer der als unbekannter Täter 3 bezeichneten SIM-Karte Andrei B. ist.“ Für Verteidiger Ainedter gibt es für diesen Rückschluss weder Indizien noch irgendwelche Beweise.

In die Falle getappt

Anfang Oktober 2018 nehmen die österreichischen Ermittler am Grenzübergang Klingenbach dann den einschlägig vorbestraften Rumänen Gheorghe D. fest. Er war an den Bankomat-Plünderungen in NÖ mutmaßlich beteiligt. Diesem legen sie die Fotos aus Rumänien vor.

Einen identifiziert er als den Chef der Bankomat-Bande und Andrei B. als dessen Begleiter. „Ich kenne weder seinen Namen noch weiß ich, woher er stammt“, sagt der Hauptbelastungszeuge. Er wurde kürzlich durch sichergestellte DNA-Spuren als Mittäter schwer belastet. Mittlerweile hat er aber seine Aussagen widerrufen: „Andrei B. und F. waren nicht dabei.“

 

Strafverteidiger Klaus Ainedter
Verteidiger Klaus Ainedter rechnet auch damit, dass der DNA-Abgleich seinen Mandanten entlasten wird. © Bild: Christian Ariel Heredia

„Zum ersten Tatzeitpunkt hatte mein Mandant eine orthopädische Operation und ging dann auf Krücken“, sagt Ainedter. „Beim zweiten war er nachweislich an seinem Arbeitsplatz in Rumänien anwesend, dafür gibt es Zeugen.“ Auch der DNA-Abgleich werde seinen Mandanten entlasten. Heute, Mittwoch, ist Haftprüfungstermin.

( kurier.at ) Erstellt am 08.05.2018