Chronik | Österreich
07.10.2018

Bahnausbau: München rückt nach Osten

Ein Langfristprojekt in Bayern verkürzt die Fahrzeit zum Münchner Flughafen drastisch.

Salzburg und Linz werden näher an München heranrücken. Es wird noch mindestens zwölf Jahre dauern, aber es wird passieren. Denn die deutsche Bundesregierung hat den Ausbau der Strecke von München über Mühldorf am Inn nach Freilassing vom „potenziellen Bedarf“ zur höchsten Kategorie, dem „vordringlichen Bedarf“, hinaufgestuft. Nur, was sich in dieser Kategorie befindet, wird von der Bundesregierung finanziert und auch wirklich gebaut. Bis das Gesamtprojekt realisiert ist, wird es wohl noch bis 2030 dauern, aber nun geht das Projekt in die konkrete Planung, also etwa die Trassensuche.

Am Ende wird es aus Österreich eine weitere Bahnverbindung nach München geben. Zusätzlich zur bestehenden Strecke südlich des Chiemsees über Rosenheim wird es dann einen Ast nördlich des Chiemsees über Mühldorf und Erding geben. Die Strecke wird komplett modernisiert. Aktuell fahren auf dieser eingleisigen Trasse Dieseltriebwagen, geplant ist ein durchgehend zweigleisiger Ausbau inklusive Elektrifizierung. Die prognostizierte Zeitersparnis von zehn Minuten in die Innenstadt nach München klingt zunächst nicht spektakulär.

Fahrzeit wird halbiert

Aber auch der S-Bahn-Ring um München wird geschlossen. Mit einer zusätzlichen Spange entsteht dann eine Direktverbindung von Freilassing – und dem direkt daneben liegenden Salzburg – zum Flughafen München, die ebenfalls 2030 fertig sein soll. Das bringt eine massive Verkürzung auf rund eine Stunde Fahrzeit.

Aktuell ist die Strecke nicht unter zwei Stunden zu schaffen und mindestens einmal Umsteigen notwendig. Das fällt dann weg. Für die Kapazitäten aus Österreich ist bereits vorgesorgt worden. Seit vergangenem Dezember ist das dritte Gleis zwischen Salzburg und Freilassing in Betrieb. Auch für Reisende aus Linz wird der Flughafen München dann attraktiver. Aktuell dauert die Fahrt mehr als drei Stunden, sie könnte sich auf knapp zweieinhalb Stunden verringern – ebenfalls ohne Umsteigen.

1,6-Milliarden-Projekt

Das bedeutet für den Flughafen Wien zusätzliche Konkurrenz – und für die ÖBB zusätzliche Chancen. „Die ÖBB prüfen die möglichen Optionen nach dem Ausbau“, heißt es auf KURIER-Anfrage. Konkrete Pläne gebe es derzeit aber nicht. „Bayern liegt im Herzen Europas, ist Haupttransitland zwischen Nord und Süd, West und Ost. Es ist deshalb im Interesse Aller, die Verkehrsinfrastruktur Bayerns dem wachsenden Bedarf anzupassen und dafür kraftvoll zu investieren“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bei der Präsentation des 1,6 Milliarden Euro schweren Projekts. Tatsächlich sind die Pläne von europäischer Bedeutung.

Die neue Strecke ist Teil der Transeuropäischen Netze und des Rhein-Donau-Korridors von Paris nach Budapest. Dass die Beschleunigung des Projekts gerade jetzt präsentiert wird, muss kein Zufall sein. Am 14. Oktober kämpft Söder in der bayrischen Landtagswahl um die absolute Mehrheit. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, mit dem der Ministerpräsident die Pläne präsentierte, kommt wie Söder aus der CSU. Neben dieser Trasse wird auch die S-Bahn im Großraum München massiv ausgebaut.