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Chronik Österreich
09/09/2019

Ausstellung in Votivkirche: Prozessflut wegen Michelangelo

Betrugsprozess nach der Ausstellung „Sixtinische Kapelle“ - 831.000 Euro Schaden

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Mehr als 80.000 Besucher sahen die außergewöhnliche Ausstellung in der Wiener Votivkirche im Herbst 2016. Drei Monate lang wurden „34 farbechte Repliken der Fresken Michelangelos aus der Sixtinischen Kapelle in Rom“ gezeigt, die aus dem Archiv des 2018 verstorbenen Wiener Meister-Fotografen Erich Lessing stammen.

Die Idee zu diesem Ausstellungszyklus hatte der deutsche Produzent und Themenpark-Entwickler Martin Biallas mit Wohnsitz in Hollywood. Er hatte die weltweiten Lizenzrechte für die Fotos erworben, Sublizenznehmer und Investoren sollten die Ausstellungen in Wien und anderen Hauptstädten veranstalten.

Rund um die Ausstellung sind nun mehrere Zivilprozesse anhängig, seit Montag steht Martin Biallas in Wien vor dem Strafrichter. Die Staatsanwaltschaft Wien wirft ihm schweren Betrug vor. Er soll einen Gesamtschaden in Höhe von 831.800 Euro bei mehreren Investoren verursacht haben.

Mehrfach verkauft?

Laut Anklagevorwurf dürfte der Produzent österreichische Investoren an dem lukrativen Projekt beteiligt haben, aber „die Gelder nicht für die Herstellung der Ausstellungsmodule verwendet haben. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Biallas Anfang 2015 den Entschluss gefasst hat, diese Idee mit Nachbildungen von Fresken der Sixtinischen Kapelle Ausstellung zu veranstalten und an potenzielle Investoren weiterzuverkaufen. Wobei er aber nie vorgehabt haben soll, „diese Lizenzverträge auch tatsächlich einzuhalten“. sondern er soll beabsichtigt haben, „die Idee mehrfach zu verkaufen, um dafür auch mehrmals das entsprechende Entgelt zu vereinnahmen“.

Auch für eine Ausstellung in München habe er einen solchen Lizenzvertrag mit Investoren abgeschlossen. Außerdem soll er später diese Rahmenverträge mit angeblich fadenscheinigen Gründen außerordentlich gekündigt haben. Dabei soll er weder das Investment zurückgezahlt noch Gewinnanteile an die Investoren bezahlt haben.

Biallas bestreitet alle Vorwürfe. „Mein Mandant verantwortete sich nicht geständig“, betont Biallas Verteidiger Klaus Ainedter im Gespräch mit dem KURIER. „Ein Betrug ist bei genauer chronologischer Betrachtung schlicht unmöglich. Auch ist die Feststellung der Staatsanwaltschaft, dass die Kündigung des Rahmenvertrages rechtswidrig sei, falsch.“

Ainedters Version geht folgendermaßen: Der involvierte Geschäftspartner W. soll „hinter dem Rücken seines Mandanten einen geheimen Vertrag mit einem anderen Veranstalter abgeschlossen und diesem sämtliche Rechte aus dem Veranstaltervertrag abgetreten haben. Es ist auch ein Schiedsverfahren anhängig, das aber aufgrund des Strafverfahren unterbrochen worden ist.

Biallas konnte mit den frustrierten Investoren keine Einigung erzielen. „Die Strafanzeige hat letztlich den Einigungswillen meines Mandanten zermürbt“, sagt Ainedter. „Alle Zivilverfahren sind noch anhängig.“

Anderer Veranstalter

Die Wiener Ausstellung wurde schließlich später vom Unternehmer Michael E. und Biallas Ex-Geschäftspartner Manfred W. durchgeführt.

Michael E. sollen dabei 220.000 Euro Kosten für die Herstellung der Ausstellungsteile entstanden sein. Der Unternehmer einigte sich später allerdings mit Biallas außergerichtlich.

Zeuge E. hat sich am Montag aber in der Hauptverhandlung der Aussage entschlagen. Der Strafprozess wird am 23. September fortgesetzt.