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Chronik Österreich
08/27/2019

Aus Wohnung gerettete Tigerbabys sind tot, Frau will Entschädigung

Die beiden Jungtiere wurden im Tiergarten Schönbrunn versorgt. Slowakin, der die Tiere abgenommen worden waren, will nun Kadaver und Entschädigung.

Zwei Tigerbabys, die vor rund zwei Wochen von den Behörden aus einer Privatwohnung geholt und dem Wiener Tiergarten Schönbrunn übergeben worden waren, sind gestorben. Alle Bemühungen der Pfleger waren vergeblich, teilte der Zoo am Dienstag mit.

Die Tiger-Jungen waren in einer Privatwohnung in Hainburg entdeckt worden. Bei der Übergabe an den Tiergarten "waren sie erst wenige Tage alt, winzig klein und völlig hilflos. Rund um die Uhr sorgten sich Tierpfleger und Tierärzte um die beiden. Leider haben sie es dennoch nicht geschafft", bedauerten die Zoo-Verantwortlichen.

"Am Anfang hat uns ihre Entwicklung noch optimistisch gestimmt", sagte Zootierarzt Thomas Voracek. "Sie haben brav getrunken und an Gewicht zugenommen. Über den Berg waren sie damit aber noch lange nicht. Am Wochenende ging es ihnen dann akut extrem schlecht und sie waren leider nicht zu retten."
 

Ermittlungen gegen Slowakin

Die beiden Jungtiere hätten einen sehr schlechten Start ins Leben gehabt. "Viel zu früh mussten sie ohne ihre Mutter aufwachsen", kritisierte der Zoo in einer Aussendung. Die Schönbrunner Tierpfleger sprangen als Ersatzeltern ein: füttern, Bauch massieren, streicheln. "Es ist sehr traurig, dass es die Tiger nicht geschafft haben. Wir möchten uns beim Tiergarten Schönbrunn und seinem engagierten Team dafür bedanken, dass er die beiden Tiere in seine professionelle Pflege übernommen hat", sagte der zuständige Bezirkshauptmann von Bruck an der Leitha, Peter Suchanek.

Anwalt Wolfgang Blaschitz, der die 34-jährige Slowakin vertritt, will nun die Bezirkshauptmannschaft in die Verantwortung nehmen. "Auffällig ist, dass das dritte Tigerbaby, das sich noch in der Slowakei befindet, wohlauf ist. Bei der Abnahme der Tiere sind die sogenannten Tierschützer eingefallen wie die Hussiten. Da wurden Selfies gemacht mit dem Daumen im Maul", sagt Blaschitz. Da hätten sich Bakterien übertragen können. Er fordert Aufklärung, woran die Tigerbabys tatsächlich gestorben sind. Die Slowakin, der die Tiger ursprünglich gehörten will ausserdem die Kadaver der Tiere zurück. "Sie ist sehr traurig. Und sie will auch eine finanzielle Entschädigung."

Die Raubkatzenbabys waren nach einem Hinweis am 8. August in der Badewanne der Wohnung einer 34-Jährigen entdeckt worden. Die Frau, die laut ihrer Aussage in der Slowakei Tiger in einer Auffangstation betreut, gab an, sich um die Jungen gekümmert zu haben. Gegen sie wird seitdem wegen Verstoßes gegen das Artenhandelsgesetz ermittelt. Das Ableben der Tiere habe darauf keine Auswirkung, teilte Friedrich Köhl, der Sprecher der Anklagebehörde, auf APA-Anfrage mit. Die 34-Jährige muss sich deshalb am 14. Oktober vor dem Landesgericht Korneuburg verantworten.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten will nach dem traurigen Fall vor allem eines wissen: „Es muss transparent gemacht werden, wohin letztendlich die vielen Jungtiere, die in der Tigerfarm in der Slowakei geboren werden, eigentlich kommen. Denn was viele Menschen nicht wissen: Tiger werden mitten in Europa systematisch für den Handel gezüchtet. Sehr oft werden sie noch als Jungtiere für Selfies oder generell als Touristenattraktion missbraucht, bevor Teile von ihnen illegal nach Asien geschmuggelt werden. Dort werden sie in der Traditionellen Chinesischen Medizin verwendet“, wirft Präsident Heli Dungler ein.