© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Österreich
10/05/2020

Attersee: Keine Ruhe auf dem Badeplatz

Ein Grundstücksdeal der Gemeinde Unterach um einen öffentlichen Badeplatz sorgt neuerlich für Aufregung. Nun meldet sich erstmals der Hotelinvestor öffentlich zu Wort.

von Matthias Nagl

Die Badesaison am Attersee ist längst schon beendet. So auch in Unterach am Südwestufer des Sees, wo auch in diesem Sommer viele Badegäste einen von der Gemeinde und dem Land errichteten, frei zugänglichen Badeplatz nutzten. Dieser Badeplatz sorgte im vergangenen Sommer für etliche Diskussionen am Attersee, der KURIER berichtete ausführlich.

Auch in diesem Herbst hat sich die Aufregung um den Badeplatz nicht gelegt. Auslöser ist ein umstrittener Grundstücksdeal der Gemeinde mit dem Hotel-Investor Othmar Seidl. Ein Drittel des erst 2016 mit einer Förderung des Landes angekauften Badeplatzes soll an ein geplantes Hotel verpachtet werden.

Bei der Eröffnung des Badeplatzes rühmten sich Landes- und Gemeindepolitiker noch, den freien Seezugang gesichert zu haben, dessen Schutz in Oberösterreich inzwischen in der Landesverfassung steht. Nach Vertragsabschluss zwischen Gemeinde und Investor wurde es ruhig um das Grundstück und den Deal. Auch, weil das Projekt weit von einer Umsetzung entfernt ist.

Ein ORF-Bericht ließ nun im September die Wogen neuerlich hochgehen. Der Unteracher Bürgermeister Georg Baumann (ÖVP) und der frühere Besitzer des Seegrundstücks lieferten sich einen schriftlichen Schlagabtausch. Nun meldet sich im KURIER Hotel-Investor Othmar Seidl erstmals zu Wort. Doch der Reihe nach.

In einer „Am Schauplatz“-Sendung beklagte sich der frühere Grundeigentümer, dass der Badeplatz anders als beim Verkauf an die Gemeinde vereinbart, bald nicht mehr gänzlich öffentlich zugänglich sei, sondern für kommerzielle Interessen genutzt werde.

Brief vom Bürgermeister

Das brachte Bürgermeister Baumann auf die Palme. So sehr, dass er eine eigene Postwurfsendung an die Unteracher aufsetzte, übertitelt mit „Amtliche Mitteilung“, in der er den ehemaligen Grundeigentümer und das ORF-Team attackierte. Unter anderem schreibt Baumann, man habe bei den Verhandlungen lediglich „beraten, das Grundstück öffentlich zugänglich zu halten“.

Auch gebe es keine Vereinbarung, die das festschreiben würde. Zudem sei der Verkaufspreis ein Entgegenkommen der Gemeinde gewesen. „Ich bezweifle stark, dass der frühere Eigentümer mehr als jene 1,6 Millionen Euro, welche die Gemeinde bezahlt hat, lukrieren hätte können“, schreibt Baumann.

In einem Antwortschreiben, das dem KURIER vorliegt, schildert der frühere Grundeigentümer seine Sicht der Dinge. Er habe das Grundstück ursprünglich – nach Einschätzung einer Bank – um 2,2 Millionen Euro angeboten. Nachdem die Gemeinde glaubhaft gemacht habe, nicht mehr als 1,6 Millionen Euro bezahlen zu können, habe er im guten Glauben an die öffentliche Zugänglichkeit auf 600.000 Euro verzichtet.

Er bestätigt auch, dass es keine schriftliche Vereinbarung dazu gibt. „Eine solche hielt ich auch nicht für nötig. Denn Sie und Ihr Vizebürgermeister vermittelten immer den Eindruck, dass der öffentliche Zugang auch Ihr Anliegen und das der ganzen Gemeinde ist“, schreibt der frühere Grundeigentümer.

Hotel erst in Planung

Ein weiteres umstrittenes Detail ist eine dem Grundstück vorgelagerte Bootshütte. Die darf der Investor ebenfalls übernehmen, wenn er die Pacht für das Grundstück für 40 Jahre im Voraus bezahlt. In Summe geht es dabei um 1,2 Millionen Euro. Für den früheren Grundstücksbesitzer ein Geschenk, aus Sicht des Bürgermeisters hingegen werde die Bootshütte „keineswegs verschenkt“.

Er argumentiert, dass auch andere Gemeinden investitionsfreudigen Betrieben entgegenkommen würden. Auch Hotel-Investor Othmar Seidl reagierte erbost auf den ORF-Bericht. „Ich habe von der Gemeinde nichts geschenkt bekommen“, sagt er zum KURIER. „Aber ich bin kein Samariter, sondern Unternehmer.“

Die Corona-Krise hat an seinen Plänen für ein großes Hotel in Unterach vorerst nichts geändert. Auf dem Gelände des in Konkurs gegangenen Georgshof will er ein Hotel mit 130 bis 150 Zimmern errichten. „Ich sehe nach Corona in Regionen wie rund um den Attersee große Chancen, gerade im Zusammenhang mit Seen und Bergen“, erklärt Seidl.

Der Attersee sei ein attraktives Gebiet um zu investieren. „Es ist hier Neuland, es gibt am Attersee noch relativ wenig“, sagt der Investor. Aktuell laufen die Behördenverfahren zu dem Projekt. Wie großzügig der Seminar- und Wellness-Bereich werde, hänge davon ab. Im Moment liegt das Umwidmungsverfahren der Flächen beim Land. „Ich warte auf positive Signale“ sagt Seidl.

Das Projekt stünde in jedem Fall am Anfang. „Das dauert sicher noch einige Jahre“, meint der Investor. Es wird also wohl nicht die letzte Diskussion um das geplante Hotel und den dazugehörigen Badeplatz gewesen sein.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.